Kuba

Auf seine Art


Bei den Präsidentschaftwahlen 2018 wird erstmals wohl kein Castro antreten / Foto: Maxence, CC BY 2.0

Die Reise geht weiter… Bei den Präsidentschaftwahlen 2018 könnte erstmals kein „Castro“antreten / Foto: Maxence, CC BY 2.0

(Montevideo, 27. November 2017, la diaria-poonal).- In den vierundzwanzig Stunden, die auf den ersten Todestag von Fidel Castro folgten, waren die Kubaner*innen zum Gang an die Urnen aufgerufen, um ihre Kommunalvertreter*innen zu wählen. Damit begann ein Prozess, der im Februar 2018 mit der Wahl der Nationalversammlung abgeschlossen sein und aus dem der Nachfolger von Präsident Raúl Castro hervorgehen wird.

Erinnern an Fidel Castro: „Lorbeerkränze und Olivenbäume.“

Am Samstag, 25. November 2017, dem ersten Todestag von Fidel Castro, wurde der ehemalige kubanische Staatschef in allen Teilen des Landes geehrt. Die wichtigste Gedenkveranstaltung, zu der die Studentenvereinigung Kubas aufgerufen hatte, spielte sich auf den Stufen der Universität von Havanna ab.

Dieser Gedenkfeier wohnten verschiedene kubanische Künstler*innen bei, unter anderem Raúl Torres, Verfasser des Liedes Cabalgando con Fidel, welches in den neun Tagen der Staatstrauer, die auf den Tod des historisch bedeutsamen Staatschefs folgten, zur offiziellen Hymne wurde – sowohl im Fernsehen, als auch bei den offiziellen Festakten zum Abschied. Zum ersten Todestag komponierte Torres den Titel Laureles y olivos (Lorbeerkränze und Olivenbäume).

Die gesamte kubanische Presse widmete Fidel am Samstag einige Seiten. Die Tageszeitung Granma, offizielles Sprachrohr der kommunistischen Partei, veröffentlichte auf ihrer Titelseite ein Ganzkörperfoto des Staatschefs unter dem Titel „Im Herzen Kubas“. Während die Zeitung Juventud Rebelde (Rebellische Jugend), die Tageszeitung der Union Junger Kommunisten, eine Schwarz-Weiß-Fotografie des Gesichts eines jungen Fidel wählte, umrahmt von den Worten: „Universum in Stein“.

Kommunalwahlen ohne unabhängige Kandidat*innen

Am Sonntag, 26. November 2017, waren dann mehr als acht Millionen Kubaner*innen aufgerufen, ihre Stimme bei den Kommunalwahlen abzugeben, bei denen 27.221 Kandidat*innen für die Ämter in den 168 Gemeinden der Insel eintraten. Es handelt sich hier um den einzigen Wahlgang, an dem das kubanische Volk sich direkt beteiligen kann und bei dem auch unabhängige Kandidat*innen erlaubt sind, sprich, Personen, die nicht mit der Kommunistischen Partei Kubas in Verbindung stehen.

Jedoch ist es keiner bzw. keinem der 182 unabhängigen Anwärter*innen auf eine Kandidatur bei den Kommunalwahlen gelungen, ihre Nominierung durch die Stadtteil-Versammlungen zu erreichen, die vom 4. September bis 30. Oktober stattfanden. Viele dieser Anwärter*innen, Oppositionelle der Regierung Castro, schlossen sich in der Plattform #Otro18 zusammen. Dort wurden in den letzten Wochen Machenschaften der kubanischen Behörden angeprangert, die verhindern sollten, dass unabhängige Kandidat*innen in diesen Versammlungen nominiert wurden.

Die nächste Etappe in diesem Wahlprozess ist die Wahl der Abgeordneten des Poder Popular, des Einkammerparlaments. Hierbei handelt sich um eine indirekte Wahl, durch die am 26. November 2017 gewählten Vertreter*innen – die später die Gemeindeversammlungen bilden werden – und Vertreter*innen der sogenannten Kandidatenkommissionen. Letztgenannte Kommissionen werden von zivilgesellschaftlichen Organisationen gebildet, die der Regierungspartei unterstehen. Nach Bildung der Nationalversammlung werden die Abgeordneten dann entscheiden müssen, wer der neue Präsident Kubas werden soll. Noch ist kein genaues Datum für diese letzte Etappe bekannt, die jedoch vor Februar 2018 stattfinden muss.

Vizepräsident Manuel Díaz-Canel könnte 2018 Präsident werden

Von der kubanischen Regierung gibt es auch weiterhin keinerlei Hinweise, wer der nächste Präsident sein wird, der zum ersten Mal seit 51 Jahren nicht der Familie Castro angehört. Alle Weichenstellungen verweisen jedoch den 57-jährigen Vizepräsidenten Manuel Díaz-Canel.

Am 26. November 2018, nach der Wahl, vermied Díaz-Canel es, den Journalist*innen auf die Frage zu antworten, ob er möglicherweise das Präsidentenamt übernehmen werde. Er beschränkte sich darauf, zu unterstreichen, dass es künftig „Präsidenten geben werde, die jederzeit die Revolution verteidigen werden und Mitstreiter sind, die aus dem Volk kommen“. Gleichzeitig betonte er, dass er auf den Generationenwechsel setze und auf die neue Generation von Führungspersönlichkeiten vertraue, solange „vor allem“ der „Fortbestand“ des Sozialismus garantiert sei.

CC BY-SA 4.0 Auf seine Art von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Leonardo Padura: „Um so schreiben zu können, wie ich es tue, muss man sehr eng mit der kubanischen Gesellschaft verwoben sein.“ von Gerardo Saravia und Patricia Wiesse (Lima, 28. April 2015, Revista Ideele).- Er wirkt erschöpft. Außerdem hat er sich vom peruanischen Essen eine Magenverstimmung zugezogen. Dennoch antwortet der bedeutendste kubanische Schriftsteller der letzten Jahrzehnte freundlich und geduldig auf die gestellten Fragen. Trotz seines Ruhmes ist er bodenständig geblieben. Warum er entschlossen sei, Kuba nicht zu verlassen? Wegen seiner Mutter, seiner Hunde, seines Innenhofs und seines ...
Interview mit Dr. Aleida Guevara – Das lebendige Erbe eines absoluten Kämpfers Von Sergio Ferrari (Quito, 02. Oktober 2017, alai).- Ein halbes Jahrhundert nach seiner Ermordung im bolivianischen La Higuera zählt Ernesto Che Guevara auch heute noch zu den weltweit am meisten wahrgenommenen politischen Persönlichkeiten. Kaum eine soziale Bewegung, die nicht das Konterfei des argentinisch-kubanischen Guerilla-Kämpfers abbildet, der im Alter von nur 38 Jahren im bolivianischen Urwald erschossen wurde. Wenigen Politiker*innen ist es gelungen, innerhal...
Costa Rica geht in polarisierende Stichwahl Von Markus Plate (San José, 4. Februar 2018, npl)-. Ticas und Ticos haben am Sonntagabend, den 4. Februar 2018 einen Auszählungskrimi erlebt. Um 23.30 Uhr waren 90 Prozent der Stimmen ausgezählt. Nach den noch nicht offiziellen Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen haben es zwei "Alvarados" in die Stichwahl geschafft. Evangelikale und Liberale bei Präsidentschaftswahlen vorn Der Evangelikale Fabricio Alvarado von der Partei Nationale Restauration (Restauración N...
Angriff während Marichuys Wahlkampfreise (Oaxaca-Stadt, 22. Januar 2018, educa).- Als die unabhängige Präsidentschaftkandidatin María de Jesús Patricio, die alle nur Marichuy nennen, bei ihrem Wahlkampf durch den mexikanischen Bundesstaat Michoacán reiste, kam es am Sonntag, dem 21. Januar, zwischen den Ortschaften Buenavista und Tepalcatepec erneut zu einem Angriff auf JournalistInnen, die die Kandidatin des Nationalen Rats der Indigenen CNI (Congreso Nacional Indígena) auf ihrer Rundreise begleiteten. Dies teilte ...
Rechtsruck unvermeidlich? – Costa Rica vor den Wahlen Von Markus Plate (San José, 30.Januar 2018, npl).- Am 4. Februar wählt Costa Rica. Mindestens fünf Präsidentschaftskandidaten können sich Hoffnungen machen, es zumindest in eine Stichwahl zu schaffen - Ausdruck eines zunehmend zersplitterten politischen Spektrums in einem der historisch stabilsten Länder Lateinamerikas. Bislang dominieren Hardliner den Wahlkampf. Die aktuelle Situation in Costa Rica Das Leben in Costa Rica ist härter geworden. Die zweifache Mutte...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.