Argentinien

Argentinischer Ex-Diktator muss vor Gericht


(Havanna, 30. Januar 2009, prensa latina).- Wie aus Gerichtskreisen bekannt wurde, müssen der argentinische Ex-Diktator Reynaldo Bignone und vier seiner Helfer wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu Zeiten der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) zur gerichtlichen Hauptverhandlung antreten.

Bundesanwalt Daniel Rafecas hat die Entführung und anschließende Folter von 36 Ärzten, Krankenschwestern und anderen Mitarbeiter*innen des Krankenhauses Posadas im Bezirk El Palomar in Buenos Aires zur Hauptverhandlung gebracht.

Rafecas kann nachweisen, dass der Ex-Präsident den Sturm auf das Krankenhaus wenige Tage nach dem Staatsstreich am 24. März 1976 angeführte. Ende 2007 hatte ein Gericht Bignone, der von 1982-83 Präsident des Landes war, schon für Freiheitsberaubung in fünf anderen Fällen für schuldig befunden.

Auf dem Gelände des Krankenhauses existierte zudem ein geheimes Gefängnis, das unter dem Namen El Chalet bekannt wurde und das einige Opfer bei späteren Untersuchungen wieder erkannten. Bei der Verhandlung in Saal 1 des Bundeskammergerichts wurde noch einmal explizit auf das Paradox hingewiesen, dass die Klinik zur versteckten Haftanstalt umfunktioniert wurde: „Statt um Menschenleben zu kämpfen, sperrt man ausgerechnet hier die Gefangenen eines Terrorregimes ein.“

Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass während der argentinischen Militärdiktatur etwa 30.000 Todesurteile vollstreckt wurden.

CC BY-SA 4.0 Argentinischer Ex-Diktator muss vor Gericht von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Colonia Dignidad: Bundestag fordert Aufklärung und Hilfe für Opfer Von Ute Löhning Michael Brand, Werner Schmidtke, Klaus Barthel, Wilhelm Wagner, Jürgen Karwelat im Bundestag, 29. Juni 2017 (CC BY 2.0) (Berlin, 12. Oktober 2017, npl).- Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen fordern die Bundesregierung auf, in der Colonia Dignidad begangene Verbrechen aufzuklären und ein Konzept für Hilfen für die Opfer dieser Verbrechen zu entwickeln. Ist das der Durchbruch in Sachen Aufarbeitung der Geschichte und der deutschen Verantwortung darin? ...
Straflosigkeit in Uruguay: Alles damit niemand redet Proteste gegen die Straflosigkeit in Uruguay. Foto: Antje Vieth (Berlin, 14. September 2017, npl).- Als in Uruguay 2004 das linke Bündnis Frente Amplio zum ersten Mal in die Regierung gewählt wurde, verbanden viele Menschen damit die Hoffnung, dass nun endlich die Verbrechen aus der Diktatur von 1973 bis 1985 aufgeklärt würden und Schluss sein würde mit der Straflosigkeit für die verantwortlichen Militärs. Sie sollten sich täuschen. Bis heute ist das Amnestiegesetz in Kra...
Straflosigkeit in Uruguay: Alles damit niemand redet Proteste gegen die Straflosigkeit in Uruguay. Als in Uruguay 2004 das linke Bündnis Frente Amplio zum ersten Mal in die Regierung gewählt wurde, verbanden viele Menschen damit die Hoffnung, dass nun endlich die Verbrechen aus der Diktatur von 1973 bis 1985 aufgeklärt und Schluss sein würde mit der Straflosigkeit für die verantwortlichen Militärs. Sie sollten sich täuschen. Bis heute ist das Amnestiegesetz mit dem zynischen Namen: Gesetz über die Verjährung des staatlichen...
Autoritärer Umbau von Staat und Justiz Von Jutta Blume Kämpft gegen den undemokratischen Umbau von Staat und Justiz: Die ehemalige Richterin Tirza Flores / Foto: Hondurasdelegation (Berlin, 23. Juli 2017, npl).- Im November finden in Honduras Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Der amtierende Präsident Juan Orlando Hernández wird sich dabei zur Wiederwahl stellen, obwohl die Verfassung das bislang verboten hatte. Da Hernández‘ Nationale Partei die staatlichen Institutionen weitgehend kontrolliert,...
Beschneidet das neues Strafgesetzbuch Grundrechte? Agua Zarca ist vielleicht einer der seltenen Fälle, in denen es doch noch Korruptionsermittlungen gegen Regierungsvertreter geben wird. Weitere Korruptionsskandale hat die regierende Nationale Partei weitgehend unbeschadet überstanden. Im November finden in Honduras Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt, zum dritten Mal nach dem Putsch im Jahr 2009. Der amtierende Präsident Juan Orlando Hernández wird sich dabei zur Wiederwahl stellen, obwohl die Verfassung das bislang...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.