Venezuela

Arbeiter*innen besetzen deutsche Kaffeefabrik in Venezuela


von M. Daniljuk

(Darmstadt, 26. Mai 2009, amerika21.de).- Am Montag, den 25. Mai, besetzten Mitarbeiter*innen des deutschen Unternehmens CAFEA eine Verarbeitungsanlage für Kaffee in Rubio, Venezuela. Der Ort liegt im östlichen Bundesstaat Táchira. Das Mutterunternehmen hatte die Anlage seit fünf Monaten stillstehen lassen, nachdem die Regierung sich geweigert hatte, eine Importerlaubnis für Kaffee auszustellen. Das deutsche Unternehmen wollte aus Costa-Rica Bohnen niedrigerer Qualität einkaufen, um diese in Venezuela verarbeiten zu lassen und die Produkte auf den Weltmarkt zu exportieren. Bei einer Nicht-Erteilung der entsprechenden Genehmigung soll der Konzern gedroht haben, das Werk zu schließen und das Land zu verlassen. Dies hätte für die 80 Arbeiter*innen und ihre Familien den Arbeitsplatzverlust bedeutet.

Nach einem Bericht des Fernsehsenders ViveTve kam es am Montag in Rubio zu einer größeren Demonstration, in deren Anschluss die Mitarbeiter*innen die Anlage besetzten. Die Besetzer*innen werden von dem linken Gewerkschaftsdachverband UNT und der lokalen Bevölkerung unterstützt. An der Demonstration nahmen Vertreter*innen der dortigen Kommunalräte, Studierende und Aktivist*innen alternativer Medien teil. Die Besetzer*innen fordern, dass die Anlage verstaatlicht und in ein Unternehmen sozialer Produktion (EPS) umgewandelt wird. Dies würde den Beschäftigten eine weitgehende Selbstverwaltung erlauben. Ihr Ziel ist es, die gesamte Verarbeitungskette und den Verkauf von Kaffee-Produkten in Venezuela zu gewährleisten und nur eventuelle Überschüsse für den Export freizustellen.

Die Werksanlage war bis in die 1990er Jahre staatlich. Präsident Rafael Caldera genehmigte in seiner zweiten Amtszeit (1994-1998) den Verkauf an das deutsche Unternehmen CAFEA. Seitdem ist die Produktion auf den Export von Rohkaffee nach Europa und Asien ausgerichtet. Die CAFEA-Gruppe mit Stammsitz in Hamburg beschäftigt ca. 1500 Mitarbeiter weltweit und ist außer in Deutschland und Venezuela auch in Großbritannien und Belgien vertreten. Kern des Unternehmens, das sich auf die Herstellung von löslichem Kaffee spezialisiert hat, ist die 1955 in Hamburg gegründete Deutsche Extrakt Kaffee GmbH (DEK).

CC BY-SA 4.0 Arbeiter*innen besetzen deutsche Kaffeefabrik in Venezuela von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Argentinien: Neue Fabrikübernahme durch Arbeiter*innen
53
(Buenos Aires, 12. März 2019, ANRed).- Am 9. März haben die Arbeiter*innen der Metallfabrik Canale in Llavallol, Provinz Buenos Aires, die Gründung einer neuen Arbeiter*innen-Kooperative bekannt gegeben; die Kooperative der Metallarbeiter von Llavallol, kurz COTRAMEL. Das Werk in Llavallol ist eines von vielen Unternehmen im Land, die in den letzten fünf Jahren geschlossen oder deren Aktivitäten stark zurückgefahren wurden. Um der Unternehmenskrise in der eigenen Fabrik zu b...
2019 werden 70 Prozent der Studierendenvereinigungen von Frauen angeführt
43
(Santiago, 4. Januar 2019, diarioclever).- Das sprunghafte Anwachsen der feministischen Bewegung, die das Jahr 2018 mit ihren Aktivitäten prägte, hat viele Konsequenzen nach sich gezogen. Eine davon ist, dass sich 70 Prozent der akademischen Gemeinschaften der Vereinigung Chilenischer Student*innen CONFECh (Confederación de Estudiantes de Chile), die ihre Vorsitzenden neu wählten, für Frauen entschieden haben. Ein Beispiel dafür ist Constanza Urtubia, Präsidentin der Stude...
Sprecher*innen der Opposition auf Europa-Tour
113
Kein Frieden in Nicaragua. Zwar ist es in dem zentralamerikanischen Land in den vergangenen Monaten etwas ruhiger geworden. Doch nur mit Mühe kann die Regierung unter Präsident Daniel Ortega die Fassade eines Normalzustandes aufrecht erhalten. Wie geht es nun weiter nach den landesweiten Protesten? Bislang hat haben staatliche Sicherheitskräfte rund 500 Tote zu verantworten. Im Oktober kamen drei führende Oppositionelle und ehemalige Weggefährten Ortegas nach Berlin, um zu be...
Polizei in Kolumbien geht hart gegen Studierende vor
364
(Bogotá, 12. November 2018, amerika21).- Bei anhaltenden Studierendenprotesten, die sich gegen das Budget für die höhere öffentliche Bildung für das Jahr 2019 und gegen das von der Regierung Iván Duque geplante Finanzierungsgesetz richten, ist es zu Festnahmen und Verletzten gekommen, mehrere Studenten gelten als vermisst. Nach Informationen einer Menschenrechtsorganisation und Berichten verschiedener Medien kam es in mehreren Orten zu Übergriffen der Polizei, insbesondere in...
STREIK! – Studierende kämpfen für höheren Bildungsetat
101
(Santander, 7. November 2018, Colombia Informa).- Die Bewegung der Studierenden und Lehrenden haben der Regierung in Kolumbien bei der zweiten Verhandlungsrunde am 6. November einen Finanzierungsplan für 2018 vorgelegt, um das Haushaltsdefizit der Bildungseinrichtungen auszugleichen. Dieser Plan wurde vom Vizeminister für Hochschulen mit dem Argument abgelehnt, dass dafür keine Gelder da seien. Eine zusätzliche Finanzierung sei nicht machbar und falle nicht in den Aufgabenber...