Kolumbien

Anzahl der gewaltsam Vertriebenen steigt


(Fortaleza, 23. April 2009, adital-poonal).- Im Jahr 2008 hat sich in Kolumbien die Zahl der gewaltsam Vertriebenen als Konsequenz aus dem bewaffneten Konflikt erhöht. So waren nach Angaben der Beratungsstelle für Menschenrechte und Vertreibungen Codhes (Consultoría para los Derechos Humanos y Desplazamientos) 380.863 Personen (76.172 Familien) gezwungen, ihren Wohn- bzw. Arbeitsort zu verlassen. Da sind im Vergleich zu 2007 24,47 Prozent mehr Fälle. Die Anzahl der pro 100.000 Einwohner Vertriebenen stieg von 713 (2007) auf 888 Personen.

Seit 2006 verzeichnet Codhes einen Anstieg der gewaltsamen Vertreibungen. Das gibt laut der Organisation die Konsolidierung der illegalen Gewaltausübung wieder. Die ländliche Bevölkerung sei Ziel der Vertreibungen, ihre Felder und ihr Besitztum Kriegsbeute.

„Im Jahr 2008 gab es im ganzen Land Vertriebene, aber sie scheinen unsichtbar zu sein … die bewaffneten Konfliktparteien des Landes fügen der Bevölkerung, die an den Kampfhandlungen nicht teil nimmt, Gewalt zu. Die scheint keine Grenzen zu kennen“, so Codhes.

Die meisten Vertreibungen geschahen in Bogotá (56.087 Personen), Antioquia (51.918 Personen) und in Valle del Cauca (31.527). In Magdalena mit 27.256 Vertriebenen stieg die Zahl der Vertriebenen im Vergleich zu 2007 am stärksten an, um 143 Prozent. Von den im Jahr 2008 Vertriebenen sind 13.500 Indígenas.

Codhes weist auch auf den Zusammenhang zwischen sexueller Gewalt als Kriegswaffe und Vertreibungen hin. Frauen, weibliche Jugendliche und Mädchen stellten 52 Prozent der Vertriebenen. Eine Umfrage unter 2.100 vertriebenen Frauen hätte gezeigt, dass 17 Prozent geflohen seien, weil sie sexuelle Gewalt erfahren hätten.

Codhes weist auch auf die Hintermänner der Vertreibungen hin: „Die gewaltsamen Vertreibungen geschehen nicht nur durch Personen, die eine Zone militärisch kontrollieren oder darum kämpfen, sie haben auch mit den ökonomischen, legalen oder illegalen, Interessen verschiedener Gruppen zu tun, inländischer und ausländischer Art. Es geht um Megaprojekte, Ressourcenausbeutung oder die erzwungene Schaffung von Monokulturen in Konfliktzonen um Biotreibstoffe zu produzieren.“

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