Chile

Anklage wegen Ermordung eines Mapuche: Polizist verbleibt in Untersuchungshaft


(Venezuela, 21. August 2009, telesur).- (Venezuela, 21. August 2009, telesur).- Gemäß der Entscheidung eines chilenischen Militärgerichts verbleibt der Militärpolizist Patricio Jara Muñoz in Untersuchungshaft. Den Antrag der Verteidigung auf Haftverschonung wies das Gericht zurück. Jara Muñoz wird vorgeworfen, den Mapuche Jaime Mendoza Collío mit einem Schuss in den Rücken getötet zu haben. Bisher steht fest, dass der tödliche Schuss aus der Waffe des Polizisten abgefeuert wurde. Die Anklage lautet auf „unangemessenen Einsatz von Gewalt mit Todesfolge“.

Der Mapuche Jaime Mendoza Collió wurde am 12. August während der Räumung eines Grundstücks in der Stadt Angol im Norden der chilenischen Region Araukanien tödlich verletzt. Das Gericht hält an ihrem Verdacht gegen den Oberstabsgefreiten fest, der auf Anordnung des Militärstaatsanwalts Rodrigo Vera im Kommissariat in Angol verbleibt.

Der 24jährige Mendoza Collío hatte an der Besetzung der Farm San Sebastián in der Gemeinde Collipulli teilgenommen, als er von dem tödlichen Schuss getroffen wurde. Ermittlungen des rechtsmedizinischen Instituts in Angol zufolge traf ihn die Kugel im Rücken und trat auf Höhe des Brustkorbs wieder aus. Ferner konnte festgestellt werden, dass der Schuss aus der Waffe des Polizisten Jara Muñoz abgefeuert wurde.

Eine interne Untersuchung der Vorfälle lehnte die Polizei zunächst ab. Mendoza habe von seinem „Recht auf Verteidigung“ Gebrauch gemacht und in Notwehr gehandelt. Diese Behauptung erwies sich jedoch als nicht haltbar: An den Fingern des Opfers wurden keinerlei Schmauchspuren und somit keine Hinweise auf Schusswaffengebrauch festgestellt. Im Süden des Landes und in der Hauptstadt hat die Ermordung des jungen Mapuche zu heftigen Protesten geführt, bei denen zahlreiche Menschen verhaftet und etliche (Polizisten wie Mapuches) verletzt wurden.

Die Vorgeschichte

Mit 600.000 Angehörigen stellen die Mapuche etwa sechs Prozent der Gesamtbevölkerung. Sie gelten als die zahlenmäßig größte indigene Ethnie in Chile. Die Besetzung von San Sebastián fand im Rahmen einer breiter angelegten Aktion zur Wiedergewinnung von Gebieten statt, die von den Mapuche historisch als ihr Land gesehen werden, auf denen sich aber forstwirtschaftliche Betriebe und Privatbesitzer befinden. Die Rückgabe dieser Gebiete wird bereits seit langem von den Mapuche gefordert. Seit dem 24. Juli werden die Mobilisierungen durch die Gebietsallianz der Mapuche (Alianza Territorial del Pueblo Mapuche) vorangetrieben.

Die Mapuche-Gemeinden der Region hatten mit den Protestaktionen begonnen, nachdem eine 100 Personen starke Delegation in der Hauptstadt Santiago das Gespräch mit der Regierung gesucht hatte, aber von keinem bzw. keiner Regierungsangehörigen empfangen wurde.

In Reaktion auf die Aktionen erhöhte die Polizei ihrerseits ihre Präsenz in den einzelnen Gebieten. Seither haben die Beschwerden über Polizeiwillkür erheblich zugenommen. Collío wurde während einer dieser Protestaktionen ermordet.

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