Angespannte Ruhe nach Todesfall bei Demonstrationen


(Havanna, 21. Juni 2009, prensa latina).- Eine angespannte Ruhe herrschte am 21. Juni im Städtchen Navarrete in der Provinz Santiago, im Norden der Dominikanischen Republik. BürgerInnenverbände und die Polizei hatten sich zuvor auf eine Frist geeinigt, um die Todesumstände eines Jugendlichen zu klären.

José Aquiles González starb am 16. Juni während Protestaktionen, die von der Organisation Kampffront für Einheit und Fortschritt FLUP (Frente de Lucha Unidos Podemos) organisiert worden waren. Die FLUP ist Teil des Alternativen Sozialforums. Die Demonstrant*innen hatten die Instandsetzung von Straßen, die Errichtung gemeinnütziger Gebäude und eine verbesserte Stromversorgung gefordert.

Die Demonstrationen waren zunächst für 24 Stunden geplant, dauerten nach dem Tod des Jugendlichen jedoch vier Tage an. Über den Tod des jungen Mannes, der ein Aktivist der FLUP war, gibt es unterschiedliche Versionen. Sprecher der FLUP erklärten, der Jugendliche sei zunächst von Polizisten der Spezialeinheit SWAT verletzt worden. Danach sei er in einen Gefangenentransporter eingesperrt worden, wo er schließlich verblutete. Die Polizei führte seine Verletzungen jedoch auf Vermummte zurück, die mit selbst gebastelten Waffen auf die Demonstrant*innen geschossen hätten.

Die Spezialeinheiten waren nach diesem Vorfall verstärkt worden, hielten sich jedoch bei ihrem Vorgehen gegen die Demonstrant*innen zurück und konzentrierten sich darauf, die Proteste auf das Zentrum von Navarrete zu beschränken.

Bei einem Treffen mit Vertretern der Polizei riefen die BürgerInnenverbände eine Frist von acht Tagen aus, um die Verantwortlichen für den Tod des Jugendlichen zu ermitteln. Bei diesem Treffen sei auch ein Video gezeigt worden, auf dem zu sehen gewesen sei, wie Mitglieder der Spezialeinheiten ihr Opfer zu dem Polizeifahrzeug geschleift hätten, wo es schließlich verblutete. Verantwortliche der Polizei erklärten, den Vorfall untersuchen zu wollen und den Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, „wer auch immer es sei, von welcher Seite er auch käme“. Ein Sprecher der FLUP zeigte sich mit dem erzielten Kompromiss einverstanden, warnte jedoch, dass die Demonstrant*innen auf die Strasse zurückkehren würden, wenn die Versprechen nicht eingehalten würden.

Die Proteste gegen die Missstände hatten bereits im März im Osten und Südosten des Landes begonnen. Nachdem sie in der Osterwoche zurückgegangen waren, flammten sie am darauf folgenden Montag wieder auf. Die Aktionen blockierten den Verkehr nach Navarrete und in die umliegenden Gemeinden. In den Nachrichten waren Vermummte zu sehen, die Barrikaden errichteten und Reifen verbrannten.

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