Argentinien

Alle 30 Stunden wird eine Frau ermordet


Frauen demonstrieren am 8. März in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Foto: Telesur

Frauen demonstrieren am 8. März in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Foto: Telesur

(Buenos Aires, 15. März 2016, telesur).- Die Femizidrate in Argentinien ist erschreckend hoch: Laut einer Studie der Organisation La Casa del Encuentro* wird alle dreißig Stunden eine Frau umgebracht. Zwischen 2008 und Oktober 2015 wurden im gesamten Land 2.041 Frauenmorde registriert.

Im Jahr 2008 wurden 208 Morde an Frauen registriert, sowie elf weitere Tötungsdelikte an Männern und Kindern, die mit Femiziden in Verbindung standen. Die ermordeten Männer starben, weil sie dem Opfer hatten helfen wollen, während die Kinder aus Rache an der Partnerin bzw. Ex-Partnerin getötet wurden.

2009 wurden 231 Femizide sowie 16 mit Femiziden in Verbindung stehende Tötungsdelikte angezeigt. 2010 waren es 260 Femizide und 15 mit Femiziden in Verbindung stehende Tötungsdelikte. 2011: 282 Frauenmorde und 29 mit Femiziden in Verbindung stehende Tötungsdelikte. 2012: 255 Frauenmorde, 24 mit Femiziden in Verbindung stehende Tötungsdelikte. Im Jahr 2013 der bisher höchste Stand: 295 Frauenmorde und 39 mit Femiziden in Verbindung stehende Tötungsdelikte. 2014: 277 Femizide und 29 mit Femiziden in Verbindung stehende Tötungsdelikte. 2015: Zwischen Januar und Oktober wurden bisher 233 Frauenmorde gezählt.
Die Forderungen der #NiUnaMenos-Bewegung (Nicht eine weniger) sind in Argentinien nach wie vor aktuell.

Argentinien richtet strafrechtliche Abteilung „Femizide“ ein

Nach dem Beispiel anderer Länder der Region wie z.B. Chile, wo ein gesondertes Femizid-Gesetz besteht, verabschiedete das Abgeordnetenhaus im November 2012 ein Gesetz, das für als geschlechtlich motiviert eingestufte Straftaten lebenslange Haftstrafen vorsieht.

Trotz der neuen Gesetze und Regelungen geht die Zahl der Femizide in Argentinien nicht zurück. Nach Einschätzung einiger Beamt*innen, Anwält*innen und Gesetzgeber*innen handeln die Gerichtsbarkeiten nicht schnell genug. Oft werde auch der Straftatbestand Frauenmord nicht in Betracht gezogen.

*Die NGO La Casa de Encuentro ist eine feministische Organisation, die sich für die Stärkung der Menschenrechte von Frauen in Argentinien einsetzt. Der zivilgesellschaftliche Verband organisiert Empowerment-Workshops und bietet Unterstützung und psychologischen Beistand für die Opfer von Gewalt und Menschenhandel.

CC BY-SA 4.0 Alle 30 Stunden wird eine Frau ermordet von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Unternehmen zerstören die Lebensgrundlage von Frauen Von Angélica Jocelyn Soto Espinosa und Anayeli García MartínezMexiko-Stadt, 5. September 2016, cimacnoticias).- Gewaltsame Inbesitznahme von Grund und Boden, Aggressionen, Drohungen, unrechtmäßiger Kauf von Gemeindebesitz, Arbeitsplätze mit Hungerlöhnen, Einsatz von Chemikalien, die Wasser und Böden verseuchen, Gesundheitsschäden hervorrufen und das Land unbrauchbar für die Aussaat machen, Aussterben von Heilkräutern und von einheimischen Tierarten ….Das sind eini...
2016: Zwischen Januar und Juli bereits 25 Journalist*innen ermordet Von Ernesto Carmona, Ciap-Felap*(Santiago, 2. August 2016, agenciadenoticias).- Nach den Statistiken der lateinamerikanischen Journalist*innenvereinigung CIAP-FELAP wurden in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 25 Journalist*innen und Pressemitarbeiter*innen getötet: zehn in Mexiko sowie ein weiterer mexikanischer Journalist, der auf US-amerikanischem Boden ermordet wurde. Dazu kamen fünf in Guatemala, vier in Honduras, drei in Brasilien, einer in El Salvador sowi...
Lateinamerika: 2015 wurden 122 Umweltschützer*innen ermordet (Lima, 30. Juni 2016, noticias aliadas).- Im Jahr 2015 erreichte die Zahl der weltweit ermordeten Umweltschutzaktivist*innen einen neuen traurigen Höhepunkt. Die Organisation Global Witness spricht von einem Anstieg um 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 122 der insgesamt 185 Todesopfer wurden in Lateinamerika ermordet. Brasilien wird von Global Witness als das gefährlichste Land eingeschätzt, hier wurden 50 Umweltaktivist*innen ermordet. Es folgen Kolumbien (26), Peru (12), Ni...
onda-info 385 Hallo und Willkommen zum Onda Info 385! Unsere heutige Sendung beginnt mit einer Meldung aus Mexiko: In einer vor kurzem veröffentlichten Studie weist Amnesty International nach, daß in Mexiko sexuelle Gewalt gegen Frauen regelmäßig von sogenannten Sicherheitsorganen als Folterinstrument eingesetzt wird. Als nächstes folgt ein kurzer Bericht aus Berlin. Am 5. Juli war der argentinische Präsident Mauricio Macri bei Angela Merkel zum Staatsbesuch. Dagegen wurde mit Tango und T...
Der Pfad der Frauen Wie in kaum einem anderen Friedensprozess ist die weibliche Bevölkerung in den Dialog zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerilla eingebunden.Von Wolf-Dieter Vogel(Berlin, 20. Juni 2016, npl).- Es war eine außergewöhnliche Delegation, die am 18. Mai dem Friedensdialog zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerilla-Organisation FARC in Havanna beiwohnte: 16 Kämpferinnen aus ehemaligen bewaffneten Gruppen nahmen an dem Treffen teil. Darunt...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *