Panama

Alarmierende Nahrungsmittelsituation in indigenen und ländlichen Gebieten


(Fortaleza, 01. Juni 2009, adital).- Abgesehen von einigen ökonomischen Fortschritten, sind die Indizes für Armut und unsichere Nahrungsmittelversorgung weiterhin hoch geblieben. Diese Situation trifft die indigene und die ländliche Bevölkerung vor dem Hintergrund fehlender sozialer und politischer Strukturen besonders hart und verstärkt zusätzlich noch die Ungleichheiten. Dies ist eine der Schlussfolgerungen des Berichts „Fortschritte im Recht auf Nahrung“ („Avances en Derechos a la Alimentación“), der von der Initiative Lateinamerika und die Karibik ohne Hunger ALCSH (Iniciativa América Latina y el Caribe Sin Hambre) im Mai dieses Jahres herausgegeben wurde. Die Studie wurde von der Nichtregierungsorganisation Ngobe Acción Cultural erarbeitet. Auftraggeber war die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen, FAO.

Offizielle Statistiken belegen demnach, dass in Panama vier von zehn Personen in absoluter Armut leben, das sind knapp 37 Prozent. In extremer Armut leben 16 Prozent der Bevölkerung. Das entspricht etwa einer halben Million Panamaer*innen.

In den ländlichen Gegenden sind fast 63 Prozent der Bevölkerung von Armut betroffen und etwa 35 Prozent der Bevölkerung gelten als extrem arm. In Regionen mit indigener Bevölkerung ist das Ausmaß noch erschreckender und verdeutlicht das Fehlen von politischen Maßnahmen und staatlicher Fürsorge für diese Bevölkerungsteile. 98 Prozent der Bevölkerung leben dort in Armut, 89 Prozent davon in extremer Armut.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass im Land „ein besorgniserregendes Niveau von Armut und Unterernährung herrscht, das mit dem Niveau der wirtschaftlichen und menschlichen Entwicklung im Land in keinem Zusammenhang steht.“ Defizite bezüglich der Verteilung von Kompetenzen und Funktionen verschiedener öffentlicher und privater Akteur*innen werden ebenfalls bemängelt.

Der Bericht empfiehlt der panamaischen Regierung eine Umorientierung ihrer Politik. Statt weiter in das Geschäft mit der industriellen Landwirtschaft zu investieren, empfiehlt sie eine Politik zugunsten kleiner und mittlerer Produzent*innen, die am meisten von der Krise betroffen seien und daher ihr Land verlassen und ihr Land verkaufen würden.

Die Regierung solle außerdem dafür Rechnung tragen, dass die Eigentumstitel für Land garantiert werden sowie die ländliche Entwicklung in Bezug auf Landrechte vorangetrieben werde. Es müsse systematisch dafür gesorgt werden, dass marginalisierte Gruppen Zugang zu neuen Technologien erhalten und sich Netzwerke etablieren können, die einen alternativen lokalen und regionalen Handel ermöglichen. Der Transfer von Technik für die Nutzung von Windenergie und den Bau kleiner Wasserkraftwerke sowie das Produzieren nach Richtlinien des ökologischen Landbaus sind weitere Empfehlungen des Berichts.

Panama habe die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung als Aufgabe des Staates erkannt und entsprechende Gesetze und Programme erarbeitet. So wurde 2005 ein Projektplan zur Nahrungsmittelsicherheit geschaffen. Dieser von der landesweiten Stelle für Koordination und Umsetzung des Nationalen Programms zu Nahrungsmittelversorgung SENAPAN (Secretaría Nacional de Coordinación y Seguimiento del Programa de Alimentación Nacional) erarbeitete Plan sieht die Schaffung von Institutionen vor, die für Durchführung und Evaluierung des Programms verantwortlich sind. Das Projekt wurde jedoch grundlegend modifiziert und erst im Jahr 2008 dem Parlament vorgelegt. „Bis heute gibt es keine großen Fortschritte in der Diskussion und auch keine Signale, dass das Gesetzesprojekt schnell verabschiedet werden würde“, heißt es in dem Bericht.

Laut der Studie müsse der Gesetzesvorschlag zur Nahrungsmittelsicherheit so schnell wie möglich umgesetzt werden und mit der Schaffung von Institutionen einhergehen, denen eindeutige Kompetenzen zugewiesen werden. „Es wird als sehr dringend angesehen, dass Handlungen erfolgen, die das Recht auf Nahrungsmittelsicherheit in der Gesellschaft umsetzen und öffentliche wie private Akteure dementsprechend geschult werden.“

Die Studien des Programms ALCSH sind hier einsehbar: http://web.archive.org/web/20120306135742/http://www.rlc.fao.org:80/iniciativa/

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