Brasilien

Aktionstage gegen „Vernichtung“ afrobrasilianischer Jugendlicher


von Tatiana Félix

(Fortaleza, 20. November 2009, adital).- In Salvador, Hauptstadt des Bundesstaates Bahia, im Nordosten Brasiliens, wurden zwischen dem 21. und 23. November Aktionstage zur Mobilisierung gegen die „Vernichtung“ von afrobrasilianischen Jugendlichen (Movilización Regional Contra el Exterminio de la Juventud Negra) abgehalten.

Bahia gehört zu jenen Staaten in Brasilien, welche die höchste Rate in puncto Verbrechen gegen junge Afrobrasilianer*innen aufweisen. Ins Leben gerufen wurde die Aktion durch das Nationale Forum Afrobrasilianischer Jugendlicher (Foro Nacional de la Juventud Negra).

Das Forum ruft zur Verteidigung des Lebens und der Rechte der afrobrasilianischen Bevölkerung, insbesondere der Jugendlichen, auf. Die Organisatorin des Forums, Carla Akotirene, rechnete mit einer Teilnahme von rund 4.000 Personen an den Aktionstagen, darunter Jugendliche des Staates Bahia und anderer Bundesstaaten aus dem brasilianischen Nordosten.

Auf der Tagesordnung standen Aktivitäten wie Debatten über die „Vernichtung“ von jungen AfrobrasilianerInnen; Schwarze Kunst zur Verteidigung des Lebens und der Freiheit; sowie eine öffentliche Protestaktion. Laut Akotirene sei die Mobilisierung Teil der „Nationalen Kampagne gegen die Vernichtung der afrobrasilianischen Jugend“.

Schuld an der Gewalt gegen die schwarze Bevölkerung, so die Organisatorin, seien die von der Polizei des Landes angewandten Maßnahmen. „Das Modell der öffentlichen Sicherheit ist veraltet. Es existieren keine passenden Strategien, die auf der Menschenwürde basieren“, betonte Akotirene. Die Polizei wende immer Gewalt an, wenn sie auf die Jugendlichen träfe.

Akotirene zufolge prangert das Nationale Forum immer wieder mittels öffentlicher Anhörungen den „Genozid“ an den Afro-Brasilianer*innen an. „Wir wollen diese Jugendlichen in den Arbeitsmarkt integrieren und diejenigen von ihnen resozialisieren, die Sozialstrafen absitzen oder abgesessen haben.»

Untersuchung bestätigt hohen Index sozialer Ungleichheit

Professor Marcelo Paixâo ist Leiter der Prüfstelle für Ökonomische, Historische, Soziale und Statistische Analysen der interethnischen Beziehungen (Laeser), eine Forschungseinrichtung des Instituts für Ökonomie (IE) an der Staatlichen Universität von Rio de Janeiro (UFRJ). Eine von ihm durchgeführte Sozialstudie basiert auf den Daten des Gesundheitsministeriums aus den Jahren 2006-2007. Das Ergebnis der Studie bestätigte einen hohen Index sozialer Ungleichheit in Brasilien.

In seiner Studie stellte der Professor fest, dass die Zahl der ermordeten Afrobrasilianer*innen zweimal höher liege, als die der ermordeten Brasilianer*innen mit weißer Hautfarbe. In der analysierten Zeitperiode wurden seinen Angaben zufolge landesweit fast 60.000 Menschen ermordet. Die höchste Differenz zwischen schwarz und weiß, wenn es um die Zahl der Ermordeten geht, findet sich in der Altersgruppe zwischen zehn und 24 Jahren. Auf sieben weiße getötete Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren kamen 2007 in Bahia 50 ermordete Afrobrasilianer*innen der gleichen Altersgruppe.

Laeser ist der Verantwortliche für den jährlichen Bericht über ethnisch bedingte Ungleichkeit in Brasilien (2007-2008). Der Bericht führt unter anderem auch eine Analyse der Sterblichkeit der brasilianischen Bevölkerung durch.

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