Guatemala Lateinamerika

Agrotreibstoffe: Immer weiter davon entfernt, zur Entwicklung beizutragen


(Guatemala-Stadt, 09. Oktober 2008, cerigua).- Jeden Tag gewinne man neue Erkenntnisse über die sozialen Auswirkungen, die Umweltschäden und für die Ernährungssituation, die die Produktion von Agrobtreibstoffen auf dem amerikanischen Kontinent mit sich bringe, erklärte Annette von Schönfeld, Vertreterin der Heinrich-Böll-Stiftung, auf der Veranstaltung “Agrotreibstoffe: Folgen für Umwelt und Landwirtschaft”, die am zweiten Tag des III. Amerikanischen Sozialforums in Guatemala-Stadt stattfand.

Von Schönfeld berichtete dem Forum, dass in Europa die Verwendung von Agrotreibstoffen (euphemistisch Biotreibstoffe genannt) kürzlich gesetzlich geregelt worden sei – mit dem Ziel, zur Verringerung von Treibhausgasen beizutragen. Während in Europa jedoch das Augenmerk bis vor kurzen fast ausschließlich auf dem Klimaschutz gelegen hätte, stellten die Agrotreibstoffe in Lateinamerika, einer der Hauptproduktionsregionen, ein Problem dar, das schwerwiegende Auswirkung auf die Ernährungssicherheit der betreffenden Länder habe.

Von Schönfeld stellte zudem klar, dass die aktuelle weltweite Produktion von Agrotreibstoffen gerade einmal zwei Prozent der für den Verkehr benötigten Energiemenge darstelle. In einer Projektion für das Jahr 2020 halte man für Europa einen Anteil von 10 Prozent für machbar. Betrachte man jedoch die Auswirkungen für die Umwelt, die natürlichen Ressourcen und die weltweite Ernährungssituation, so werde klar, dass sich die Agrotreibstoffe zu einer gewaltigen Herausforderung für die Regierungen entwickeln werden.

Es sei daher überfällig, dass sich die Länder Lateinamerikas auf eine gemeinsame Position zum Wohle der Mehrheit der Bevölkerung verständigten, für diejenigen nämlich, die unter der Bevorzugung von natürlichen Ressourcen für die Produktion von Biotreibstoffen am meisten zu leiden hätten. Es sei lebenswichtig für die Menschen in Leteinamerika, dass die Regierungen endlich verstünden, welchen gewaltigen Druck die Biobrennstoffproduktion auf die Nahrungsmittelproduktion ausübe und wie sehr sie den fragilen internationalen Nahrungsmittelmarkt beeinflussten, fügte die Expertin hinzu.

Die Beraterin der Nationalen Stiftung für Entwicklung El Salvadors (Fundae), Anne Germain, gab zu bedenken, dass die Agrotreibstoffproduktion netto überhaupt nicht zum Klimaschutz beitrage, da für die Anpflanzung von Energiepflanzen riesige Urwaldgebiete gerodet würden. Dies habe einerseits negative Auswirkungen auf das Klima, andererseits führe es zu Erosionen.

Somit sei die Produktion von Agrotreibstoffen äußerst schädlich für die Ökosysteme, für das Nahrungsmittelangebot und für die Wasserversorgung, ohne überhaupt nützlich im Kampf gegen den Klimawandel zu sein. Ohne Einschräkung der Agrotreibstoff-Produktion sehen Prognosen einen zehnprozentigen Anstieg der Nahrungsmittelpreise in den nächsten fünf Jahren voraus, was zu schwerwiegenden sozialen Problemen, u.a. zu einem Anstieg der weltweiten Armut führen werde, erklärte die Umweltexpertin Germain.

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