Brasilien

Abholzung im Amazonasgebiet nimmt wieder zu


Amazonasgebiet

Alltag an den Rändern des Amazonasgebietes. Foto: Servindi

(Berlin, 8. November 2018, poonal).- Nach Jahren des Rückgangs hat die Abholung im brasilianischen Amazonasgebiet in den vergangenen Monaten wieder stark zugenommen. Grund dafür ist vermutlich ein verändertes politisches Klima, das den brasilianischen Großgrundbesitzern zu Gute kommt. Diese wollen weiterhin große Flächen des Regenwaldes abholzen, um es in Weideland für Vieh oder Ackerland für Monokulturen umzuwandeln.

Die brasilianische Umweltschutzorganisation Imazon hat Zahlen veröffentlicht, demnach die Abholzung im Amazonasgebiet zwischen August 2017 und Mai 2018 im Vergleich zum selben Zeitraum ein Jahr zuvor um 22 Prozent zugenommen hat (aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor). Bemerkenswert dabei ist, dass die Waldschädigung im selben Zeitraum sogar um 218 Prozent zugenommen hat. Die Waldschädigung gilt als Wegbereiter für die komplette Abholzung. Besonders betroffen ist der brasilianische Bundesstaat Pará. Ein Drittel des zwischen August 2017 und Mai 2018 abgeholzten Regenwaldes befindet sich in diesem Bundesstaat. Die Waldschädigung hat hier sogar um fast 2.000 Prozent zugenommen. Die beiden am Stärksten betroffenen Gemeinden in Pará sind Novo Progresso, bekannt für die illegale Aneignung von Land, sowie Altamira, wo sich das Staudammprojekt Belo Monte befindet.

Bereits unter der noch amtierenden Regierung Temer ist Expert*innen zufolge der erneute Anstieg der Abholzung auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Die Großgrundbesitzer haben eine einflussreiche Lobby im Parlament und stehen der Regierung Temer nahe; daher haben sie kaum Repressalien zu befürchten. Temer hat das Budget für die wichtigsten staatlichen Umweltbehörden IBAMA (Instituto Brasileño del Medio Ambiente y de los Recursos Naturales Renovables) und ICM-BIO (Instituto Chico Mendes para la Conservación de la Biodiversidad) drastisch gekürzt, ebenfalls für die Indigenenbehörde FUNAI (Fundación Nacional de asuntos indígenas). Zusätzlich hat der Oberste Gerichtshof im März eine Klage von Umweltschützer*innen gegen das neue Waldgesetz abgeschmettert. Teil des neuen Gesetzes ist eine weitgehende Amnestie von Strafen für bereits begangene Abholzung.

Und die Wahl des zukünftigen Präsidenten Bolsonaro lässt Schlimmes befürchten. Er hat bereits angekündigt, eine Politik im Interesse der Großgrundbesitzer machen zu wollen. Das Wort “Umwelt” kommt in seinem Programm nur einmal vor.

CC BY-SA 4.0 Abholzung im Amazonasgebiet nimmt wieder zu von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Bolsonaro kündigt restriktive Umwelt- und Migrationspolitik an
214
(Caracas, 13. Dezember 2018, telesur).- Brasiliens ultrarechter Präsident Jair Bolsonaro hat erklärt, dass er plant, Änderungen an der vom Brasilianischen Institut für Umwelt und erneuerbare natürliche Ressourcen IBAMA (Instituto Brasileiro do Meio Ambiente e dos Recursos Naturais Renováveis) festgelegten Umweltpolitik umzusetzen. Diese bezeichnete er als sehr „streng“ und kritisierte, dass sie die Entwaldung und andere Abholzungspraktiken in den Indigenengebieten verböten. ...
Mit Gott gegen Gender und Globalisierung
233
(Rio de Janeiro, 26. November 2018, taz).- Schlechte Aussichten für Brasiliens Bildungssystem. Der designierte Bildungsminister Ricardo Vélez Rodríguez hält den Militärputsch von 1964 für eine „begrüßenswerte Revolution“. Die Wahrheitskommission zur Aufarbeitung der Diktaturverbrechen sei eine “absurde Unterdrückung der Wahrheit“, schrieb der ehemalige Professor einer Militäruniversität einst in einem Blogbeitrag. Er werde „die traditionellen Werte bewahren und Brasiliens Bil...
Neue Gentechnik in Brasilien auf dem Vormarsch
130
Brasilien – das ist nicht nur das Land des riesigen Amazonas-Regenwaldes, sondern auch das weltweit größte Anbaugebiet für genveränderten Soja und Spitzenreiter im Einsatz von Pestiziden. Und, Brasilien gilt nicht nur als Vorreiter der alten, sondern auch der neuen Gentechnik. Bereits unter der konservativen Regierung von Michel Temer wurden die Weichen dafür gestellt, dass mit dem so genannten Crispr-Verfahren veränderte Pflanzen keinen Regulierungen mehr unterliegen. Und un...
Interview mit Vitor Guimaraes von der MTST, Brasilien
52
Vitor Guimaraes ist Generalsekretär der Wohnungslosenbewegung MTST. Der Aktivist war in Deutschland zu Besuch. Er wirkt nervös, denn seit die Wahl Bolsonaros ganz Brasilien verändert hat, ist die Unsicherheit groß. Wir haben kurz mit ihm gesprochen.
Suche nach Allianzen gegen Bolsonaro – Andreas Behn im Interview
83
Der rechtsextreme Jair Bolsonaro hat die Präsidentschaftswahlen in Brasilien mit hohem Abstand gewonnen. Über das "Warum?" und das "Wie Weiter?" , über Drohungen gegen Andersdenkende, bevorstehende Privatisierungen und den Einfluss der Evangelikalen haben wir mit Andreas Behn (Rio de Janeiro) gesprochen.