Kolumbien

90 Kolumbianische Jugendliche auf „Todesliste“


alt(Fortaleza, 15. Oktober 2010, adital).- Im Internet zirkuliert eine „Todesliste“ mit den Namen von über 90 Jugendlichen. Drei von ihnen wurden bereits umgebracht. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Uruguay erklärte, es sei Sache der kolumbianischen Regierung, für die Sicherheit der Jugendlichen zu sorgen, und hatte die Bevölkerung bis zum 22. Oktober aufgerufen, sich an einer Eilaktion zum Schutz der Jugendlichen zu beteiligen, um diese Forderung zu unterstützen.

Eilaktion von Amnesty International

So sollten weitere Morde an Jugendlichen verhindert und die Behörden dazu bewegt werden, die drei bisher verübten Morde sowie weitere Mordversuche gründlich zu untersuchen und die Verantwortlichen zu ermitteln. Unter Berufung auf Empfehlungen der UNO erklärte Amnesty, es sei dringend notwendig, gegen die paramilitärischen Gruppen vorzugehen. Außerdem forderten sie die Behörden auf, alles Notwendige zu unternehmen, um die Sicherheit der auf der Liste erwähnten Jugendlichen zu garantieren.

Drei Jugendliche bereits ermordet

Am 15. August waren Diego Ferney Jaramillo Corredor und Silver Robinson Muñoz in Puerto Asís in der südlichen Provinz Putumayo erschossen worden. Ihre Namen hatten die Liste angeführt. Fünf Tage später wurde der 19-jährige Norbey Álvarez Vargas ermordet aufgefunden. Sein Name hatte auf Platz drei der Liste gestanden. Begleitet wird die „Todesliste“ von der Aufforderung an die Jugendlichen, Puerto Asís innerhalb von drei Tagen zu verlassen, andernfalls „sehen wir uns gezwungen, noch einmal dasselbe zu tun wie in der Nacht zum Sonntag des 15. August“.

Liste vermutlich von Paramilitärs erstellt

Man geht davon aus, dass die Urheber*innen bei den paramilitärischen Gruppen zu suchen sind. Seit die Liste veröffentlicht wurde, erhalten die Jugendlichen zusätzlich telefonische Morddrohungen. Einige der Personen auf der Liste stehen unter dem Verdacht, kleinere Straftaten begangen zu haben oder als Prostituierte zu arbeiten. Andere sind in ihren Wohnvierteln politisch aktiv. Nach Angaben von Amnesty International werden die mutmaßlichen Kleinkriminellen, die in den ärmeren Vierteln zu Hause leben, häufig Opfer der paramilitärischen Todesschwadronen, die allem Anschein nach mit Billigung der staatlichen Sicherheitskräfte agieren. In den von der Guerilla kontrollierten Gebieten machen Angehörige dieser Gruppen zuweilen regelrecht „Jagt“ auf Kleinkriminelle.

(Foto: Silvia Andrea Moreno/flickr)

Tipp: Veranstaltugunsreihe im November: Neuer Präsident – Alte Konflikte (Amnesty International)

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