Guatemala

40 tote Jugendliche, drei Festnahmen


Anwohner protestieren

Angehörige und Nachbar*innen protestieren gegen den Tod der Kinder. Foto: Telesur

(Berlin, 14. März 2017, poonal).- Nach dem verheerenden Brand in einem staatlichen Jugendheim in Guatemala am Morgen des 8. März ist die Zahl der Todesopfer auf 40 gestiegen. Alle Opfer sind Mädchen, meist zwischen 13 und 16 Jahren alt. Weitere zehn liegen noch im kritischen Zustand im Krankenhaus.

Das Heim Hogar Seguro Virgen de la Asunción in San José Pinula in der Nähe der Hauptstadt Guatemala-Stadt war mit rund 800 Jugendlichen überfüllt; zudem hat es seit Jahren Hinweise auf Folter, Misshandlung und sexuellen Missbrauch in dem Heim gegeben. Am Tag vor dem Brand flohen Dutzende Mädchen und Jungen, anscheinend um den Zuständen zu entkommen. Die Polizei wurde gerufen, um die Flüchtigen wieder einzufangen. Mindestens 19 Mädchen wurden in dem Raum eingesperrt, in dem es zu dem Brand kam. Sie sollen ihre Matratzen selbst angezündet haben, konnten jedoch nicht flüchten. Zum Zeitpunkt des Brandes war die Polizei noch in dem Heim anwesend.

Angehörige fordern Rücktritt des Präsidenten

Die Regierung von Jimmy Morales steht unter Druck. Verzweifelte Angehörige demonstrieren seit Tagen, sie und Menschenrechtsorganisationen machen den Staat für die Zustände in dem Heim verantwortlich und fordern den Rücktritt des Präsidenten. Morales, der zunächst zu dem Unglück geschwiegen hatte, hat inzwischen neben der Nationalpolizei auch das US-amerikanische FBI mit den Ermittlungen beauftragt, nicht aber die renommierte Kommission gegen die Straflosigkeit CICIG. Fünf Tage nach dem Brand wurden der Sozialminister Carlos Antonio Rodas Mejía, seine Stellvertreterin Anahí Keller und der Leiter des Kinderheimes, Santos Torres verhaftet.

Der Menschenrechtsstaatsanwalt Jorge de León Duque erhob schwere Vorwürfe gegen die Regierung. Der Staat sei nicht in der Lage gewesen, das Leben der ihm anvertrauten Kinder zu schützen. Er selbst hatte bereits im November die vorübergehende Schließung der Einrichtung wegen Überfüllung gefordert. Er sprach von einem „gescheiterten Staat“, der nur Korrupte und Verbrecher begünstige.

Während noch rund 70 Jugendliche weiterhin in dem Heim ausharren müssen, wurden die meisten der Überlebenden unterdessen auf andere Einrichtungen verteilt. Bei neun Mädchen wurde dabei eine Schwangerschaft festgestellt. De León Duque mutmaßte, dass diese ebenfalls von Vergewaltigungen stammten.

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