Brasilien

338 Menschen starben 2012 durch homophobe Angriffe


von Rogéria Araújo

Logo Grup-Gay-Bahía(Fortaleza, 06. Februar 2013, adital-poonal).- Trotz Bildungskampagnen und den immer besser organisierten Bewegungen zur sexuellen Vielfalt ist Homphobie noch immer eine brutale Realität in Brasilien. Dies geht aus dem jüngst veröffentlichten Bericht der Grupo Gay da Bahía (GGB) hervor. Demnach sind im vergangenen Jahr 338 Schwule, Lesben und Trans*personen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung umgebracht worden.

Fehlen staatlicher Politik

“Noch nie in der Geschichte dieses Landes sind so viele Menschen aufgrund von Homophobie gestorben und derart viele homophobe Angriffe verübt worden. Das Fehlen einer staatlichen Politik für die sexuellen Minderheiten führt dazu, dass die Hände unserer Behördenvertreter mit Blut befleckt sind“, hebt der Bericht hervor.

Die Gruppe Gay da Bahía erstellt diesen Bericht jährlich aufgrund vergleichbarer Daten und hebt hervor, dass die Zahl der Morde sich signifikant erhöht hat: Im Jahr 2012 habe es 27 Prozent mehr Morde gegeben als im Vorjahr, als 226 Tote gezählt wurden. In den letzten sieben Jahren sei die Zahl der homophoben Morde um 177 Prozent angestiegen. Bei den Ermordeten handele es sich zu 56 Prozent Schwule, 37 Prozent Travestis, 5 Prozent Lesben und zu 1 Prozent Bisexuelle gewesen.

In dem Dokument wird zudem auf die Brutalität der homophoben Morde hingewiesen. So seien acht der registrierten Opfer verbrannt worden, weitere acht wurden erschossen. Unter letzteren Toten befindet sich auch der Student Dimitri Cabral aus der Stadt Campina Grande (Bundesstaat Paraíba), der mit 19 Schüssen getötet wurde. Die Opfer seien erschossen, erwürgt, erstochen, mit Äxten und Scheren, Messern und Schusswaffen umgebracht worden. Auch sexualisierte Gewalt und Folter seien registriert worden.

Besonders viele Verbrechen im Nordosten des Landes

Besonders viele Morde hat es im Nordosten des Landes gegeben, wo sich 28 Prozent der tödlichen homophoben Angriffe ereigneten. Der nordöstliche Bundesstaat Alagoas gilt als gefährlichste Region, dort gab es 18 Todesopfer im vergangenen Jahr. Im Bundesstaat Paraíba wurden 19 Tote gezählt im Bundesstaat Piauí sind 15 Tote zu beklagen. Die GGB kommt angesichts dieser Fakten zu dem Schluss, dass noch viel getan werden müsse, damit Respekt und Toleranz vor dem Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Klasse und sexueller Orientierung, in Brasilien gewährleistet seien.

Dies gelte besonders, so der Anthropologe und Professor an der Föderalen Universität von Bahía, Luiz Mott, da diese Zahlen noch längst nicht die Realität abbilden würden. Er gehe davon aus, dass die realen Zahlen homophober Morde noch wesentlich höher seien.

„Spitze des Eisbergs“

„Diese Delikte werden notorisch unterschätzt, diese Zahlen sind lediglich die Spitze des Eisbergs von Gewalt und Blutvergießen, da unsere Datenbank aufgrund von Pressemeldungen, dem Internet sowie Informationen basiert, die uns von Nichtregierungsorganisationen geschickt werden, die zum Thema LGBT arbeiten“, unterstreicht Mott in einer Erklärung zum Bericht.

CC BY-SA 4.0 338 Menschen starben 2012 durch homophobe Angriffe von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

onda-info 395 Hallo und willkommen zum onda-info 395!Zunächst haben wir ein paar Kurznachrichten über aktuelle Ereignisse aus Mexiko, Kolumbien und Haiti im Programm. Danach hört ihr einen Beitrag über die lebensgefährliche Situation, in der sich Lesben, Schwule und Trans*personen in El Salvador befinden.Am 25. November wird weltweit der Internationale Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen begangen. Unser zweiter Beitrag beschäftigt sich mit der ebenfalls lebensgefährlichen Si...
Frauenmorde: Behörden versuchen, Zahlen herunterzuspielen Von Nelson RodríguezAktivist*innen protestieren vor dem Justizgebäude in Managua gegen Frauenmorde. Foto: Cimac/Nelson Rodriguez(Managua, 10. Oktober 2016, cimacnoticias).- Anfang Oktober organisierten Aktivist*innen eine Kundgebung vor dem Obersten Gerichtshof in Managua, um Gerechtigkeit für die Opfer von Gewalt gegen Frauen zu fordern. Gleichzeitig warfen sie den Behörden vor, Informationen vor der Presse und vor Menschenrechtsaktivist*innen zurückzuhalten, wenn e...
„Für uns ist es eine Wiedergeburt!“ – Regenbogengemeinde feiert neues Gesetz der Vielfalt Von Thomas Guthmann, BolivienDragqueen Rubi Salvatierra / Foto: Thomas Guthmann(Berlin, 24. Juli 2016, npl.-) Ende Juni fanden auch in Bolivien zahlreiche Paraden für sexuelle Vielfalt statt. Wie überall auf der Welt wird Ende Juni an die Ereignisse in der Christopher Street in New York erinnert. 1969 wehrten sich Schwule in Manhattan gegen Schikanen der Polizei. In Bolivien war die LGBTI Gemeinde dieses Jahr lauter als in den vergangenen Jahren. Der Grund liegt in e...
Recht zur Geschlechtsidentität und CSD in Bolivien Dragqueen Rubi Salvatierra / Foto: Thomas GuthmannIm Bolivien wurde kürzlich das Recht zur Geschlechtsidentität gesetzlich verankert. Seit Mai kann jede selbst bestimmen, welchem Geschlecht er angehört. Auf dem CSD in El Alto und in La Paz wurde das neue Gesetz von der LGTBI-Bewegung und ihren Verbündeten gefeiert. Ihr nächstes Projekt: die gleichgeschlechtliche Ehe. Doch es gibt auch Widerstand gegen die neuen Rechte und Freiheiten für Schwule, Lesben und Trans*personen...
onda-info 386 Hallo und willkommen zum onda-info 386. Wir beginnen mit drei Meldungen. Bei einem Gefängnisaufstand in Guatemala starb der wegen Mordes verurteilte Ex-Oberst Byron Lima Oliva. Onda-info beleuchtet die Hintergründe. In Washington wies ein internationales Schiedsgericht eine Klage des Tabakkonzerns Philip Morris gegen den uruguayischen Staat zurück. Dazu eine kurz Nachricht. Und weiter geht es nach Mexiko. Dort wurden die ersten Lizenzen zum Betreiben kommunaler, indigener Ra...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.