Kolumbien
Fokus: Erinnerung und Gerechtigkeit / Memoria y Justicia

2016 wurden 117 Aktivist*innen ermordet


menschen kerzen

Mahnwache für getötete Aktivist*innen in Kolumbien. Foto: Telesur/Contagioradio)

(Caracas, 26. Januar 2017, telesur/ihu-unisinos).- Alle drei Tage wurde in Kolumbien im Laufe des vergangenen Jahres ein sozialer Anführer oder Anführerin ermordet. Laut einem Bericht des Instituts für Entwicklungs- und Friedensforschung Indepaz (Instituto de Estudios para el Desarrollo y la Paz), wurden 2016 insgesamt 117 Aktivist*innen von sozialen Organisationen sowie Menschenrechtsverteidiger*innen getötet. Zusätzlich zu den 117 Morden wurden 350 Drohungen, 46 Attentate und fünf Fälle von erzwungenem Verschwindenlassen verzeichnet. Über die Hälfte der Fälle ereignete sich im Südwesten Kolumbiens, wo allein 57 soziale Aktivist*innen ermordet wurden: 43 im Cauca, neun in Nariño sowie fünf im Valle.

Jenseits der Statistiken macht das Dokument darauf aufmerksam, dass es wichtig sei, die Taten in ihrem Gesamtzusammenhang zu betrachten und nicht als isolierte Einzelfälle. Denn, so Leonardo González, Koordinator des Rechercheteams von Indepaz, “die Bedrohungen, Ermordungen, Attentate und verschiedene Formen des Angriffs auf Gemeinden sind alle Teil eines größeren Kontextes”. Es sei daher besorgniserregend, dass die Morde an sozialen Aktivist*innen genau in der ersten Phase der Implementierung des Friedensabkommens stattgefunden haben.

Real existierender Paramilitarismus

Der Bericht warnt außerdem vor „gängigen Bedrohungsmustern“ in 15 Bundesstaaten Kolumbiens: Die Nachricht werde durch Flugblätter verbreitet, in denen die Namen der Personen aufgeführt sind, die sozialen Organisationen angehören. Die Anführer*innen werden bezichtigt, verdeckte Guerillakämpfer*innen zu sein und deshalb zum Tode verurteilt oder aufgefordert, ihre Regionen zu verlassen.

warnt “Das ist eine dramatische Realität, um die sich schleunigst gekümmert werden muss”, warnt González; dafür sei der Wille nach Veränderungen von Seiten der kolumbianischen Gesellschaft erforderlich. Indepaz fordert, die erforderlichen Maßnahmen „zum Schutz des Rechts auf Leben“ zu ergreifen, da derzeit über 30 Organisationen systematisch verfolgt würden.

„Das ist ein Aufruf an den Staat, das Phänomen des real existierenden Paramilitarismus anzuerkennen und das Leben der Menschenrechtsverteidiger*innen und sozialen Anführer*innen zu garantieren“, so das Forschungsinstitut.

In den letzten drei Jahren sind die Verbrechen gegen Mitglieder sozialer Organisationen in Kolumbien sogar angestiegen. 2014 kam es zu 78 Morden, 2015 erhöhte sich die Zahl auf 105 ermordete Aktivist*innen.

CC BY-SA 4.0 2016 wurden 117 Aktivist*innen ermordet von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Umzingelt vom Hunger
66
(Medellín, 10. November 2016, colombia informa).- „Heute habe ich kein bisschen Land mehr; nur noch die Erde unter den Fingernägeln, wenn ich hinfalle und an den Füßen, wenn ich mir die Schuhe ausziehe“, sagt Fredy, Bewohner von La Pista. Der Ort befindet sich inmitten eines mehrere Kilometer weitreichenden Palmenwalds, an dessen Längsseite ein kleiner Kanal mit grünlichem Wasser fließt. Die Hitze in der Karibik ist stark. Es ist kurz nach Mittag und die Sonne begleitet eine ...
Soziale Aktivist*innen werden wieder zum Schweigen gebracht
135
(Caracas, 7. Oktober 2016, telesur).- In den 18 Tagen nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und den Rebellen der FARC-EP am 26. August sind in Kolumbien bereits 13 soziale Aktivist*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen getötet worden. Néstor Iván Martínez und Maria Fabiola Jiménez de Cifuentes sind die letzten beiden Ermordeten, die bis zum 13. September aufgelistet werden. Das Wiederaufflammen der Gewalt vor allem im Südw...
onda-info 466
56
Hallo und Willkommen zum onda- info 466, Frisch übersetzt haben wir für Euch das neuste Werk von ondas großem Bruder, Matraca, ihr hört einen Livestream- Mitschnitt einer Veranstaltung im Sommer in Berlin mit Besuch aus Brasilien. Thema Lesbozide, Lesbenmorde, den auch die werden in Bolsonaros Brasilien immer mehr. Außerdem waren wir für Euch in Lateinamerika unterwegs, diesmal auf der Suche nach alternativen Transportmitteln. Wir suchten eine Alternative zu den überfül...
Protestaktionen zum Schutz von Migrant*innen
66
(Berlin, 23. Juli 2019, npl).- Am 18. Juli fand in der US-Hauptstadt Washington eine Protestaktion von Katholik*innen gegen die Migrationspolitik der Trump-Administration statt. Die Aktion fand während einer Anhörung über den Umgang der Migrationsbehörde mit geflüchteten Kindern statt. Aufgerufen hatte die katholische Menschenrechtsorganisation „Franciscan Action Network“. 70 Aktivist*innen, viele von ihnen Nonnen, wurden im Washingtoner Kapitol verhaftet. Sie hatten mit Bild...
Lesbocidio en el Brasil de Bolsonaro: El reto de no callar
46
En el año 2008, ILGA –Asociación Internacional de Lesbianas y Gays– presentó un informe denunciando que 86 Estados miembros de Naciones Unidas todavía criminalizaban los actos sexuales consensuados entre personas adultas del mismo sexo. El panorama actual no ha cambiado mucho contabilizando, con la reciente incorporación de Brunei, a 8 países en total en los que se contempla la pena de muerte para castigar las relaciones homosexuales (Además del mencionado Brunei, Irán, Arabi...