Mexiko

1,3 Millionen Mädchen arbeiten und erleben Dreifachbelastung


von Susana González G.

trabajo infantil. Foto: Flickr/Global Humanitaria (CC BY-NC 2.0)(Mexico-Stadt, 11. Oktober 2013, la jornada).- In Mexiko gehen ungefähr 1.300.000 Mädchen und Jugendliche unter 18 Jahren einer Arbeit nach. 58,2 Prozent von ihnen durchleben eine tägliche Dreifachbelastung, da sie die Arbeit mit Hausarbeiten und dem Schulbesuch kombinieren müssen. Weitere 31,2 Prozent arbeiten und verrichten Hausarbeiten, gehen aber nicht zur Schule, so das Nationale Institut für Statistik, Geographie und Informatik INEGI (Instituto Nacional de Estadística y Geografía).

Die Zahlen wurden anlässlich des Internationalen Tages des Mädchens veröffentlicht, der nach der Einführung im letzten Jahr durch die Vereinten Nationen zum zweiten Mal am 11. Oktober begangen wurde. INEGI gibt weiterhin an, dass es in Mexiko 19,3 Millionen Frauen unter 18 Jahren gibt. Dies entspricht einer Gesamtzahl von 49 Prozent in dieser Altersgruppe.

Die Mehrheit der Minderjährigen (55,8 Prozent oder elf Millionen) sind zwischen fünf und 14 Jahren alt. Weitere 27,5 Prozent sind jünger als fünf Jahre und bei 16,7 Prozent handelt es sich um Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren. Nach Bundesstaaten aufgeteilt bedeutet dies, dass die Bundesstaaten Chiapas, Guerrero, Aguascalientes, Oaxaca und Puebla den größten Anteil an Mädchen haben (34,7 Prozent der lokalen weiblichen Bevölkerung) – im Gegensatz zu Mexiko-Stadt und Nuevo León, wo das Verhältnis zwischen 25 und 31 Prozent liegt.

Ein Drittel der jungen Frauen wurde schon geschlagen

Das Institut macht darauf aufmerksam, dass 34,9 Prozent der jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren schon der Gewalt seitens ihrer Partner ausgesetzt waren. Die Zahl erhöht sich auf 39,5 Prozent bei den Verheirateten oder denjenigen, die in einer eheähnlichen Gemeinschaft leben. Auch gaben 11,5 Prozent der Mädchen an, schon einmal von ihren Schulkameradinnen geschlagen worden zu sein.

Obwohl das Bundesarbeitsgesetz den unter Vierzehnjährigen das Arbeiten verbietet, geht man davon aus, dass mehr als drei Millionen Mexikaner*innen zwischen fünf und 17 Jahren einer Arbeit nachgehen – ungefähr ein Drittel davon sind Mädchen.

Laut INEGI gehen von allen weiblichen Kindern und Jugendlichen 6,8 Prozent einer Erwerbstätigkeit nach, was bedeutet, dass es 1.300.000 minderjährige Arbeiterinnen gibt.

Prekäre Bedingungen

Von ihnen erhalten 46,8 Prozent keinerlei Vergütung oder man bezahlt sie in Naturalien. Von denjenigen, die einen Lohn oder ein Gehalt bekommen, verdient eine von dreien höchstens einen Mindestlohn. Dies macht deutlich, dass 75 Prozent dieser Arbeiterinnen sich in einer sehr prekären Situation befinden.

Warum gehen sie einer Arbeit nach? 30 Prozent erklärten, dass man zuhause wolle, dass sie arbeiten gingen. 27,8 Prozent gaben an, dass sie das Geld für die Schule und eigene Ausgaben benötigten und 12,7 Prozent, dass man zuhause ihren wirtschaftlichen Beitrag benötige.

Außerdem gab nur eine von zehn Befragten an, dass sie arbeiten gehe, um einen Beruf zu erlernen; weitere 2,6 Prozent erklärten, dass sie einer Arbeit nachgingen, da sie nicht zur Schule gehen wollten.

Ein Drittel dieser Mädchen sind Händlerinnen oder Angestellte von Geschäften, 16 Prozent sind Arbeiterinnen oder Hilfskräfte in Industrie- oder Handelsbetrieben, bei zehn Prozent handelt es sich um Hausangestellte und bei 8,5 Prozent um Straßenverkäuferinnen.

Unzureichender sozialer Schutz

Laut INEGI sind acht von zehn Minderjährigen, die in Haushalten arbeiten, Mädchen oder Jugendliche. 68,9 Prozent arbeiten für Dritte und 31 Prozent für Familienangehörige – eine Situation, die gegen die Interessen der Kinder verstößt, da dabei Abmachungen verschleiert werden können, die missbräuchliche Konditionen mit sich bringen. Außerdem bleiben dabei oft Gewalt und Misshandlung unentdeckt.

Die dieser Art von Arbeiten zugrunde liegenden Bedingungen – niedrige Löhne und unzureichender sozialer Schutz – verschlechtern allgemein die Situationen der Minderjährigen. Diese verwandeln sich in unsichtbare, im Verborgenen tätige Arbeiter*innen, die anfälliger für Ausnutzung und schwer zu schützen sind. Im Falle der Mädchen erhalten 55 Prozent kaum einen Mindestlohn oder weniger und zwei Prozent gehen vollkommen leer aus.

 

Dieser Artikel ist Teil unseres Themenschwerpunkts:

2013-banner-entwicklung 2013 klein

CC BY-SA 4.0 1,3 Millionen Mädchen arbeiten und erleben Dreifachbelastung von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

„Dahinten, da ist was rot“ – Frauen in der Colonia Dignidad Von Ute Löhning (Berlin, 27. Dezember 2017, npl).- Wenig ist bekannt über das Leben von Frauen in der Colonia Dignidad. Welche Rolle spielten Frauen in jener deutschen Sektensiedlung, die der Laienprediger Paul Schäfer 1961 mit einigen Gefolgsleuten in Chile gegründet hatte? Wo massive Menschenrechtsverletzungen gegen Bewohnerinnen und Bewohner an der Tagesordnung waren und wo während der chilenischen Diktatur Oppositionelle gefoltert und ermordet wurden.  Wie haben Fr...
In La Paz regeln als Zebras verkleidete Student*innen den Verkehr Von Thomas Guthmann (La Paz, 08. Januar 2018, npl).- La Paz ist in Teilen wildwüchsig entstanden. Fast eine Million Einwohner*innen drängeln sich heute in dem auf über 3.000 Metern gelegenen Hochtal. Die Stadt platzt aus allen Nähten und eine Blechlawine überfüllt die engen Straßen der Metropole. Kein guter Platz zum Wohnen? Vor 16 Jahren ging die Stadtverwaltung einen ungewöhnlichen Schritt. Sie begann mit einem Projekt der Verkehrserziehung und wollte damit die Siche...
Die „Zebras“ in La Paz: Unterwegs mit urbanen Verkehrserziehern In La Paz sorgen Menschen, die sich als Zebras verkleidet haben, für die Sicherheit in der Stadt und ein respektvolles Miteinander aller Verkehrsteilnehmer. Wie viele Städte in Lateinamerika ist auch La Paz an vielen Stellen wildwüchsig entstanden und gewachsen. Heute platzt die bolivianische Metropole aus allen Nähten und eine Blechlawine überfüllt die engen Straßen. Vor 16 Jahren ging die Stadtverwaltung einen ungewöhnlichen Schritt in der Verkehrserziehung. Das Projekt „Ze...
Paraguay unter den Ländern mit den geringsten Investitionen in Soziales (Caracas, 3. Januar 2018, telesur).- Einer Studio der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und der Karibik CEPAL (Comisión Económica para América Latina y el Caribe) gemäß befindet sich Paraguay unter den drei Ländern Lateinamerikas, die am wenigsten Mittel für soziale Investitionen zur Verfügung stellen. Zwischen 2003 und 2004 gab Paraguay 129 US-Dollar pro Kopf für den öffentlichen Sektor aus. Im Jahr 2013 lag der Betrag bei  305 US-Dollar pro Einwohner*in. Dem gegenü...
Wiederholter sexueller Missbrauch von Mädchen Von Hazel Zamora Mendieta (Mexiko-Stadt, 12. Oktober 2017, cimacnoticias).- Im Jahr 2016 haben in Mexiko 11.785 Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren ein Kind zur Welt gebracht. Davon waren drei Prozent (353 Fälle) schon bis zu drei Mal schwanger. Diese Daten wurden von der Organisation für reproduktive Rechte Ipas Mexiko (eine Organisation, die sich dafür einsetzt, Behinderungen und Todesfälle durch unsichere Abtreibungen zu reduzieren, Anm. d. Ü.) mit Hilfe des Gesundh...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.