Venezuela

ondainfo 155 – Putsch-Spezial


Venezuela vor genau fünf Jahren:
Demonstrationen, Streiks und mediales Bombardement markierten den Beginn einer gigantischen Verschwörung. Eine Verschwörung, die am 11. April 2002 in einem Staatsstreich gipfelte – gegen den gewählten Präsidenten Hugo Rafel Chávez Frías und seine Regierung.
Ein Coup, der von der geballten Macht der Unternehmer, der privaten Medien, der traditionellen Parteien, von Teilen der Erdölarbeiter und sogar von der Kirchenführung getragen wurde. Mitorgansisiert oder zumindest gutgeheißen von den Regierungen der USA und Spaniens. Der zynisch und minutiös vorbereitete Versuch eines Staatsstreiches, der dennoch scheitern sollte.
In diesem Ondainfo wollen wir an die Ereignisse in Venezuela vor fünf Jahren erinnern. Wir greifen dabei auf zwei venezolanische Filmprduktionen zurück, die die Ereignisse vor, während und nach dem Staatsstreich dokumentieren. Crónica de un golpe de estado und Puente Llaguno, Claves de una masacre.
Beide Dokus könnt Ihr Euch in der Originalversion in guter Qualität auch aus dem Netz saugen, z.B. bei http://es.arcoiris.tv mit dem Suchbegriff Venezuela. Wir streuen außerdem Meldungen und Kommentare der oppositionellen Presse ein.
Welche Auswirkungen hat der Erfolg der bolivarischen Revolution und der fehlgeschlagene Putschversuch auf die Entwicklung in Lateinamerika. Darüber sprachen wir mit Simon Ramírez-Voltaire, Lehrbeauftragter am Berliner Lateinamerika-Institut.

Der Wahlsieg von Hugo Chávez beendete 1998 eine knapp vier Jahrzente dauernde Zweiparteienherrschaft aus Christsozialen und Sozialdemokraten. Angetreten war diese „große venezolanische Koalition“ mit dem Versprechen, Venezuela in die Moderne führen und den Venezolanern zu Wohlstand zu verhelfen.
Doch schon Ende der siebziger Jahre zeigte sich, dass dieses Modernitäts- und Wohlstandsmodell Europäischer Prägung längst nicht für alle offen war. Obzön zur Schau getragener Reichtum gegenüber massiver Verarmung.
Proteste gegen diese Politik wurden wie beim Aufstand von 1989, dem sogenannten Caracazo, blutig unterdrückt. Mit Chávez Wahlsieg 1998 verlor das reiche Venezuela die politische Macht – und ging geschlossen in die Opposition: das traditionelle Parteienspektrum von Christsozialen über Sozialdemokraten bis zu Sozialisten, die Unternehmervereinigung wie der Gewerkschaftsdachverband, die großen Zeitungen, die privaten Fernsehkanäle, die meisten Beamten in den Ministerien, die staatliche Ölgeselschaft PDVESA, sogar der Klerus.

CC BY-SA 4.0 ondainfo 155 – Putsch-Spezial von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Dahinten, da ist was rot – Frauen in der Colonia Dignidad Wenig ist bekannt über das Leben von Frauen in der Colonia Dignidad. Jener deutschen Sektensiedlung im Süden Chiles, die der Laienprediger Paul Schäfer 1961 mit einigen Gefolgsleuten gegründet hatte. In der Colonia Dignidad waren massive Menschenrechtsverletzungen gegen Bewohnerinnen und Bewohner an der Tagesordnung. Während der chilenischen Diktatur wurden auf dem Gelände Oppositionelle gefoltert und ermordet. Welche Rolle spielten Frauen in der deutschen Siedlung? Wie habe...
ILO-Bericht: Lateinamerikaner*innen sind schlecht oder gar nicht sozialversichert (Lima, 12. Dezember 2017, noticias aliadas).- In Lateinamerika und der Karibik verfügt 38,6 Prozent der Bevölkerung über keinerlei Sozialversicherung. Dieser Prozentsatz entspricht 241 Millionen Menschen. Zudem zahlen 61,4 Prozent für Versicherungen, deren tatsächlicher Schutz nur sehr gering ist. Dies geht aus dem am 4. Dezember veröffentlichten Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zur Sozialversicherungssituation der Menschen weltweit hervor. Landarbeiter*...
Auftraggeber von Massaker an Landlosen-Aktivisten im Gefängnis Von Benjamin Bunk, Belo Horizonte (19. Dezember 2017, amerika 21).- Der Großgrundbesitzer Adriano Chafik Luedy, in Brasilien rechtskräftig wegen Mordes verurteilt, ist am 14. Dezember in Salvador de Bahia verhaftet worden. Die Nachricht über die Festsetzung von Chafik in Brasilien platzte direkt in das Jahrestreffen der Landlosenbewegung MST. Am 20. November 2004 waren in der Nähe von Felisburgo in der Grenzregion zwischen den Bundesstaaten Minas Gerais und Bahia fünf ...
Würdige Arbeit selbstorganisiert. Frauen aus Chachapoyas   Chachapoyas, so heißt die Hauptstadt der Provinz Amazonas, im Norden Perus. Rund dreißigtausend Menschen leben hier – unter ihnen Marilyn Velásquez. Am Hauptplatz der Stadt betreibt die Mittdreißigerin das "Café Fusiones", ein Lokal mit fair gehandelten Produkten lokaler Produzent*innen. Ihre Kunden: vor allem Touristen, die immer häufiger nach Chachapoyas kommen, gibt es doch hier reichlich kulturelles Erbe und idyllische Natur zu bezahlbaren Preisen. Marilyn s...
onda-info 423 In dieser vorweihnachtlicher Sendung, die ihr vielleicht auf dem mp3 Playern im Zug oder im Stau auf der Autobahn hört, erwarten euch spannende Beiträge. Martin Reischke hat sich für uns die ZEDE in Honduras angeschaut, jene Sonderwirtschaftszonen, in denen nicht der Staat, sondern allein die Investoren das Sagen haben. Eine Reportage im Rahmen der Reihe „Menschenrechte und Unternehmen“, einer Zusammenarbeit zwischen onda und dem FDCL in Berlin. In Peru besuchen wir ein Thera...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.