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Honduras: Interview mit dem argentinischen Soziologen und Politologen Atilio Borón über den Putsch gegen Präsident Zelaya


Atilio Borón ist argentinischer Politologe und Soziologe, Profesor an der Sozialwissenschafltichen Fakultät der Universität Buenos Aires. Borón schreibt außerdem in verschiedene Print- und Online-Zeitungen.

"Was in Honduras geschieht ist meiner Meinung nach folgendes. Dort hast du eine Regierung, die aus einer liberal-konservativen Partei entstand. Mit einem Mann, der aus einer liberal konservativen Tradition kommt. Während seiner Regierungszeit erkennt er die sozial-ökonomische Wirklichkeit seines Landes, Als Präsident hat er genügend Flexibilität bewiesen, daraus Konsequenzen zu ziehen und zu reagieren: Er beginnt, seine Ideen und Vorstellungen zur Diskussion zu stellen. Dies führt ihn zu Verhandlungen mit Venezuela und mit Petro-Caribe. Und letztendlich tritt Honduras der Witschaftsgemeinschaft Alba bei. Das musste eine Reaktion der herrschenden Klassen des Landes hervorrufen: Ein Land, das sehr rückständig und konservativ ist. Honduras war schon immer ein strategischer militärischer Punkt der USA in Zentralamerika. Hier treffen sich also die Interessen einer sehr reaktionären Oligarchie, die von so etwas wie einer Landreform gar nichts hören will, geopolitische Interessen der USA und Interessen einiger US-Firmen, die schon sehr lang in der Region arbeiten. Für sie ist Zelaya ein Verräter. Jemand der sich von ihnen abgewendet hat und zu den Linken übergelaufen ist. Was nicht stimmt, aber er ist Allianzen eingegangen, die in den herrschenden Sektoren nicht gut angekommen sind.

Dieser Putsch war sehr brutal: Da sind Sachen passiert, die Du nicht bei vielen Staatsstreichen erlebt hast: Die sind in das Haus des Präsidenten eingedrungen, er wurde geschlagen, seine Familie wurde eingeschüchtert, er wurde im Schlafanzug aus dem Haus gezerrt und dann hat man ihn nach Costa Rica geschickt. Das ist ein sehr aggressiver Symbolismus, wenn Du siehst, dass sie selbst die Botschafter von Kuba, Venezuela und Nikaragua geschlagen haben.

Meine Einschätzung ist aber dennoch, dass dieser Putsch keine Zukunft hat. Diese neue Regierung ist total isoliert. Es gibt keine internationale Unterstützung, die USA, die OEA und die UN, alle lehen sie ab. In der PutschRegierung gibt es große interne Konflikten und im Land eine sehr starke Opposition gegen den Putsch. So dass ich der Meinung bin, dass der Putsch im Kürze sein Ende findet. Die internationale Reaktion auf den Putsch war sehr gut! Die Argentinische Präsidentin hat schnell eine harte Deklarationen veröffentlicht und die Geschichte zeigt uns, dass es auf dem lateinamerikanischen Kontinent keinen erfolgreichen Putsch ohne Unterstützung der USA gibt. Und dieser Putsch hat sie nicht. Ich hoffe, ich irre mich nicht."

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