Guatemala

GUATEMALA | Neoliberalismus mit harter Hand und absolut straffrei


foto atitlan 200Sechzehn Jahre nach Abschluss der Friedensabkommen ist das mittelamerikanische Land immer noch weit entfernt vom Frieden. Ein geschwächter und verarmter Staat, eine zerstrittene Zivilgesellschaft, eine selbstherrliche Unternehmerschaft, das organisierte Verbrechen und die omnipräsente Kriminalität lassen den Handlungsspielraum für nachhaltige Entwicklung und soziale Reformen immer kleiner werden. Auch von einer grundlegenden Aufarbeitung des 36 jährigen Bürgerkriegs kann kaum die Rede sein.

Ehemalige Militärs verdingen sich heute als Auftragsmörder im Dienst der Drogenkartelle oder verfolgen politische Aktivist*innen, die sich gegen Megaprojekte oder die Verletzung von Menschenrechten wehren. Der Staat bekommt die notorische Korruption seiner Exekutive und Legislative nicht in den Griff und setzt stattdessen auf eine Politik der ,,harten Hand“.
Dem heutigen Präsidenten Otto Pérez Molina, einem ehemaligen General, werden immer wieder Verstrickung in Menschenrechtsverbrechen während des Bürgerkriegs vorgeworfen. Mit harter Hand setzt er seit seinem Amtsantritt die Umsetzung neoliberaler Politik durch, die vor allen Dingen der guatemaltekischen Oberschicht und transnationalen Unternehmen dient.
Großprojekte wie Bergbau, Staudämme und Agrobusiness werden gegen den Willen der zum Großteil indigenen Bevölkerung durchgesetzt, ihr Protest gewaltsam unterdrückt. 2011 wurden allein zehn Gewerkschafter*innen und andere Aktivist*innen ermordet.
Lucía Escobar, guatemaltekische Journalistin und Mitbegründerin des digitalen Radios ,,Ati“, hat diese Verfolgung am eigenen Leib erlebt, als sie in ihrem Blog las otras luchas Straflosigkeit und Lynchjustiz im Touristenzentrum Panajachel unter die Lupe nahm.

 

::Studiogast:

Lucía Escobar, Journalistin, Radiomacherin, Mitbegründerin von Radioatí und Aktivistin. 2011 wurde sie aufgrund ihrer Arbeit massiv bedroht und musste ihren Wohnort verlassen. (Beitrag dazu auf Al Jazeera)

Wir freuen uns, wenn ihr das Programm in euren Radios sendet.

Euer OndaViva-Team

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