Uruguay

Ein Ende des Schweigens? Die neue Regierung Uruguays und die Aufarbeitung der Militärdiktatur


Alljährlich wird am 20. Mai in Uruguay wieder mit einer großen Demonstration in der Innenstadt von Montevideo und in einigen Städten im Landesinntern der Opfer der Militärdiktatur gedacht. Denn wie in den meisten Ländern Lateinamerikas begegnete man in den siebziger Jahren auch in Uruguay der fundamentalen Opposition mit einer repressiven Militärdiktatur, die in diesem Fall fast 12 Jahre lang dauerte. Doch dieses Jahr ist nicht wie jedes Jahr: Mit der Wahl des Sozialisten Tabaré Vázquez zum uruguayischen Präsidenten im Oktober 2004 wurden auch in der Frage der Vergangenheitspolitik neue Akzente gesetzt. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt Anfang März kündigte Vázquez umfassende Nachforschungen an, um das Schicksal der Diktaturopfer zu klären, deren Verbleib bislang unbekannt ist. Eine Frage, die nicht nur für die Menschenrechtsbewegung, sondern auch für die Regierung von unmittelbarem Interesse ist: Denn nicht wenige der Politiker, die heute im Parlament sitzen oder sogar Minister sind, kämpften einst für eine radikale Umgestaltung der Gesellschaft und mussten dies mit jahrelangem Freiheitsentzug, Exil oder der Ermordung zahlreicher Mitstreiter bezahlen.

CC BY-SA 4.0 Ein Ende des Schweigens? Die neue Regierung Uruguays und die Aufarbeitung der Militärdiktatur von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Uruguay lehnt Asyl für Alan García ab
97
(Lima, 3. Dezember 2018, servindi/poonal). - Der peruanische Ex-Präsident Alan García hat die Residenz des uruguayischen Botschafters in Peru, Carlos Barros, verlassen, in die er sich geflüchtet hatte. Zuvor hat der Präsident Uruguays, Tabaré Vázquez, dessen Bitte nach politischem Asyl abgelehnt. Als Begründung gab Vázquez an, in Peru sei die unabhängige und freie staatliche Gewaltenteilung intakt. „Wir haben der Bitte nach Asyl nicht stattgegeben, da in Peru die drei Staatsg...
Protest aus dem „Irrenhaus“
61
(Montevideo, 12. Oktober 2018, comcosur).- Mitteilung des Radio Vilardevoz aus dem Psychatrischen Krankenhaus Vilardebó vom 2. Oktober 2018: „Ja, die Welt ist ein Irrenhaus, aber leider wird sie nicht von ihren Patient*innen regiert.“ Erneut hat unser Präsident Tabaré Vázquez gesagt, dass die Welt ein Irrenhaus sei, das von seinen Patient*innen regiert werde – dieses Mal auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Wir verstehen seine Aussagen so, dass er als Arzt de...
Widersprüche unter dem gewählten Präsidenten Andrés Manuel López Obrador
341
(Mexiko-Stadt, September 2018, informationsstelle lateinamerika).- Er tritt erst am 1. Dezember 2018 offiziell sein Amt als neuer mexikanischer Präsident an. Doch seit seinem überwältigenden Wahlsieg am 1. Juli bestimmt Andrés Manuel López Obrador, kurz AMLO genannt, die politische Agenda im Land. Tag für Tag. Mit nicht immer unumstrittenen Personalentscheidungen. Mit der Ankündigung, nicht im Präsidentenpalast Los Pinos residieren zu wollen, sondern diesen Ort für die allgem...
Jujuy: Macri verlässt wegen massiver Proteste Veranstaltung im Hubschrauber
67
(Buenos Aires, 19. August 2018, anred).- Am Freitag, 17. August 2018, musste der argentinische Präsident Mauricio Macri eine Veranstaltung im Nordwesten Argentiniens wegen massiver Proteste im Helikopter verlassen. Die Veranstaltung fand in Purmamarca in der Provinz Jujuy statt. Weitere Protestkundgebungen wurden unter anderem in Tilcara und der Provinzhauptstadt San Salvador de Jujuy durchgeführt. Der Präsident wollte in Purmamarca seinen Plan vorstellen, das Militär zukünft...
Argentinien: Aktivierung der Streitkräfte im Inneren
38
(Buenos Aires, 23. Juli 2018, lavaca/poonal).- Der Präsident Mauricio Macri bestätigte am 23. Juli auf der Militärbasis Campo de Mayo den offiziellen Plan, das Militär auch bei Aufgaben der inneren Sicherheit einzusetzen. Die Ankündigung alarmierte Menschenrechts-organisationen und sorgte für Ablehnung auf Seiten der Opposition. „Es erinnert mich an die schlimmsten Zeiten, die wir in Argentinien erlebt haben: Wenn sie beginnen die Streitkräfte zu aktivieren, heißt das, dass s...