Mexiko

Atenco überall: düstere Perspektiven für die Menschenrechte in Mexiko


marchadesaparecidos-070-77e87Am 1. Dezember wird mit Enrique Peña Nieto der Verantwortliche für die gewaltsamen Repressionen von Atenco die Präsidentschaft Mexikos übernehmen. In dem Dorf wurden 2006 bei einem Polizeieinsatz zwei Menschen ermordet und zahlreiche Frauen von Sicherheitskräften vergewaltigt. Schon unter der Regierung seines Vorgängers Felipe Calderón werden die Menschenrechte mit Füßen getreten: im Namen des ,,Krieges gegen die Drogen starben mindestens 60.000 Menschen, zwischen 3000 und 10.000 Personen verschwanden spurlos. Menschenrechtsverteidiger*innen werden bedroht, gefoltert, ermordet, ohne dass die Täter*innen zur Rechenschaft gezogen werden. Während auf der einen Seite die Straflosigkeit eines der größten Probleme der mexikanischen Justiz bleibt, sitzen auf der anderen Seite immer wieder Unschuldige über Jahre ohne ein ordentliches Verfahren im Gefängnis.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Brüder Cerezo: Héctor, Alejandro und Antonio Cerezo wurden im Jahr 2001 unter dem Vorwurf, sich an einem Sprengstoffanschlag in Mexiko-Stadt beteiligt zu haben, verhaftet und zu hohen Haftstrafen im Hochsicherheitsgefängnis verurteilt. Dort waren sie Schikanen und Folter ausgeliefert. Allerdings entbehrte die Anklage jeder Grundlage, weshalb das Berufungsverfahren erfolgreich war und Alejandro im Jahr 2005 freigelassen wurde. Seine Brüder saßen noch weitere vier Jahre im Gefängnis.?

 

ondaWir freuen uns, wenn ihr die Ankündigung weiterleitet und/oder das Programm in euren Radios sendet.

Euer OndaViva-Team

 

 

Um die Festnahme der Brüder anzuprangern und ihre Freilassung zu fordern, gründete sich 2001 das ebenfalls ausgezeichnete ,,Comité Cerezo„. Nach und nach weitete die Organisation ihren Wirkungsbereich auf ganz Mexiko aus und steht heute für die Verteidigung der Rechte von politisch Inhaftierten und Gewissensgefangenen ein. Gleichzeitig verteidigt das ,,Comité Cerezo die Rechte der Zivilbevölkerung, die besonders im sogenannten „Krieg gegen die Drogen“ der mexikanischen Regierung angegriffen, entführt, unschuldig inhaftiert und ermordet werden.??

Nun sind die beiden Menschenrechtsverteidiger in Deutschland, wo sie Anfang September für ihre Arbeit mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet wurden.

Das OndaViva-Team spricht mit ihnen über ihr Engagement und die Situation in Mexiko – vor allen Dingen im Hinblick auf den bevorstehenden Präsidentschaftswechsel.

 

Den Podcast zu dieser und allen anderen Sendungen von NPLA findet ihr auch unter

onda
http://www.npla.de/de/onda/podcast

CC BY-SA 4.0 Atenco überall: düstere Perspektiven für die Menschenrechte in Mexiko von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Proteste zur VW-Aktionärsversammlung
118
(Berlin, 14. Mai 2019, npl).- Am 14. Mai fand in Berlin die Jahreshauptversammlung der VW-Aktionär*innen statt. Neben den anreisenden Aktionär*innen kamen eine Reihe ungeladener Gäste. Extinction Rebellion Berlin, Gegenstrom Berlin und Robin Wood Berlin hatte zu einem „Die-in“ als Auftakt der VW-Aktionärsversammlung eingeladen. Während Ermittler*innen der drei Organisationen untersuchten, woran die vielen Toten gestorben seien, erklärten Redner*innen, warum der Autobauer für ...
4 Monate Bolsonaro: Im Gespräch mit dem brasilianischen Schriftsteller Luiz Ruffato
221
Luiz Ruffato ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Schriftsteller Brasiliens – und mischt sich als Intellektueller immer wieder in politische Diskussionen ein. Am 2. Mai sprach er als Gastredner auf der diesjährigen Democracy Lecture der „Blätter für deutsche und internationale Politik“ in der Volksbühne Berlin. Wie ist es um die brasilianische Demokratie bestellt, vier Monate nachdem der rechte Präsident Jair Bolsonaro sein Amt angetreten hat? Wir sprachen mit Luiz Ruff...
100 Jahre Frauenwahlrecht: Und heute?
71
(Berlin, 1. April 2019, npl).- Trotz der Einführung von Gesetzen zur Gleichstellung von Männern und Frauen, hapert es auch heute noch gewaltig an deren Umsetzung: weltweit verdienen Frauen im Schnitt ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen. Der Anteil der Parlamentarierinnen beträgt global keine 24 Prozent und Mädchen und Frauen leisten durchschnittlich 2,6-mal so viel unbezahlte Reproduktionsarbeit wie ihre männlichen Pendants. Und es gibt sogar Rückschritte: Der 19...
100 TAGE AMLO: Austerität auch für Frauenhäuser und -organisationen
165
(Mexiko-Stadt, 12. März 2019, Cimacnoticias).- Andrés Manuel López Obrador, der mexikanische Präsident, war im Wahlkampf der einzige Kandidat, der einen Plan für die Gleichstellung von Frauen und Männern befürwortete, der erste Staatschef, der ein paritätisches Kabinett hatte und der vor kurzem einen Notfallplan zur Bekämpfung der Feminizide in Mexiko vorgelegt hat. Doch 100 Tagen nach seinem Amtsantritt sind erste Signale zu erkennen, dass es bei den Frauenrechten zu Rücksch...
onda-info 455
98
Hallo und willkommen zum onda-info 455. Diesmal haben wir zwei längere Beiträge für Euch. Anlässlich des dritten Jahrestages der Ermordung der honduranischen Umweltaktivistin Berta Cáceres beleuchten wir welchen Gefahren Menschenrechts- und Umweltaktivist*innen in Lateinamerika ausgesetzt sind. Danach folgt ein Beitrag der Kolleg*innen von Radio Dreyeckland. Sie haben sich das mexikanische Justizsystem genauer angeschaut und gehen der Frage nach, ob Gefängnisse ein Spie...