Argentinien

Argentinien: Post von Zanon


SAM 0005kleinSolidarität mit der selbstverwalteten Fliesenfabrik Zanon in Neuquén/ Argentinien!                                                                  

Der Fliesenfabrik Zanon, einem der bekanntesten der übernommenen Betriebe in Argentinien, droht wegen der Weigerung der Regierung, bereits zugesicherte Kredite auszuzahlen, das ökonomische Aus. Die inzwischen hoffnungslos veraltete Maschinerie bedarf dringend einer Erneuerung. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, sammeln die compañerxs von Zanon nun auch international Unterschriften. Hier die Übersetzung ihres Briefes: Wir schreiben Euch / Ihnen diesen Brief mit der Bitte, uns wie bisher schon immer zu unterstützen. Ohne die enorme Unterstützung und Solidarität, die wir in all diesen Jahren auch international erfahren haben, wäre der Kampf um Zanon nicht möglich gewesen. Von daher bitten wir um Ihre / Eure Unterschrift unter diesen Brief, der der argentinischen Regierung übergeben und breit veröffentlicht werden soll. Die Arbeiterselbstverwaltung der ehemaligen Fabrik Cerámica Zanon besteht seit 13 Jahren. Als die Chefs diese Fabrik Ende 2001 mit einem betrügerischen Konkurs verließen, haben wir sie mit 250 Arbeiter*innen besetzt und wieder ans Laufen gebracht. Ohne unseren Kampf und die Unterstützung der Bevölkerung wäre von dieser Fabrik nur eine leere Halle voll Schrott übriggeblieben. Um gegen die Arbeitslosigkeit zu kämpfen, organisierten wir uns in Versammlungen und öffneten die größte Fabrik Neuquéns für die Bevölkerung. Während wir nach und nach die Produktionslinien in Gang brachten, organisierten wir gleichzeitig Konzerte, Ausstellungen und viele soziale Aktivitäten. Wir konnten vier Räumungsbefehle abwenden und waren mehrfach heftiger Repression ausgesetzt. Mit dem Hochfahren der Produktion schufen wir zig Arbeitsplätze. Nach Jahren von Auseinandersetzungen wurde 2009 die Enteignung der Fabrik im Parlament verabschiedet. 2013 wurde die Fabrik schließlich vollständig in Arbeiterhand übergeben. Heute sind wir 450 Arbeiterfamilien, die in der Kooperative FaSinPat (Fábrica Sin Patrones – Fabrik ohne Chefs) organisiert sind und dort unseren Lebensunterhalt verdienen. Aber die Fabrik ist bedroht, und damit auch unsere Zukunft. Die Maschinerie ist inzwischen veraltet. Dies erschwert die Produktion und treibt den Energieverbrauch in astronomische Höhen. Alle anderen Keramikfabriken konnten in diesen Jahren ihre Technologie mit Mitteln der Landes- und der Provinzregierungen erneuern – von der direkt neben uns befindlichen Fabrik Cerámica Neuquén bis zu Cerámica Alberdi in Salta (deren Bau vollständig von der Landesregierung finanziert wurde). Wir haben unseren Plan zur technologischen Erneuerung 2013 bei der Regierung eingereicht und wurden in das Kreditprogramm zum Bicentenario (Zweihundertjahrfeier der Unabhängigkeit Argentiniens) aufgenommen. Nach diesem Programm wurden mehr als 11 Milliarden argentinische Pesos an 500 Unternehmen ausgeschüttet, von denen viele zu Multis gehören (wie Toyota, Carraro oder Metalpar). Während die Situation in unserer Fabrik immer schwieriger wurde, verlangten sie von uns immer weitere Papiere (die wir alle abgegeben haben). Im Januar 2015 sagten uns Regierungsbeamte schließlich, dass sie uns den benötigten Kredit aus dem Programm Fondear (der Fortsetzung des Bicentenario-Programms) nicht geben würden. Wir hakten nach und wurden am 25. Februar in den Regierungspalast Casa Rosada eingeladen, wo uns Kabinettschef Jorge Capitanich im Beisein von Beamten des Wirtschaftsministeriums mitteilte (und zwar öffentlich), dass sie uns über Fondear einen Kredit von 32 Millionen argentinischer Pesos für die technologische Erneuerung geben würden, aufgeteilt in zwei Raten, die Ende März und Anfang April ausgezahlt würden. Dieser Termin ist bereits verstrichen, aber der Kredit ist nicht angekommen. Am 31. März versicherte Wirtschaftsminister Kiciloff uns in Neuquén, dass die Kreditzusage der Regierung umgesetzt würde. Aber am 8. April bestellten sie uns zum Wirtschaftsministerium und teilten uns mit, dass sie den Fondear-Kredit nicht auszahlen würden. Wir Arbeiterinnen und Arbeiter von Zanon wollen nichts geschenkt haben. Wir fordern vom Staat nichts anderes als einen Kredit für den Kauf von Maschinerie und die technologische Erneuerung eines Teils der Fabrik. Dies ist unserer Meinung nach eine gerechtfertigte Forderung, um die Produktion weiterführen und die Arbeitsplätze erhalten zu können. Wir würden uns freuen, wenn Sie / Ihr unsere Forderung unterstützen würdet. 

Unterschriften bitte an folgende Mailadresse: soli_zanon@gmx.de

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