Guatemala Lateinamerika

Amerikanisches Sozialforum in Guatemala: Hintergrund Frauenmorde


Hintergrundbeitrag anlässlich des Amerikanischen Sozialforums vom 7.-12. Oktober in Guatemala. Beitrag aus dem Jahre 2005/06

Jeden Tag werden es mehr. Beinahe 600 Frauen sind in diesem Jahr bereits in Guatemala umgebracht worden, doppelt so viele wie noch vor vier Jahren. Die Opfer: Hausfrauen, Arbeiterinnen, Prostituierte, Studentinnen, Mitglieder von Jugendbanden… Häufig werden die Frauen vor ihrem Tod vergewaltigt und verstümmelt, in vielen Fällen legen die Mörder Teile der Leichen an verschiedenen Orten ab.

Was steckt hinter den Morden? Häusliche Gewalt? Gewöhnliches Verbrechen? Strafverfolger ordnen viele der Taten Jugendbanden zu, Menschenrechtler sprechen von einem Netz der Organisierten Kriminalität, in das Polizisten, Militärs, Politiker und die Drogenmafia eingebunden sind. Zweifellos erinnert die Grausamkeit der Verbrechen an die Zeit des Bürgerkrieges. Sexuelle Gewalt sei damals „Teil der Aufstandsbekämpfungsstrategie“ gewesen, bestätigt Amnesty International in einem Bericht zu den Frauenmorden, der im Juni 2005 erschienen ist.

Mangelnde Ermitttlungen lassen bis heute keine eindeutigen Schlüsse über den Hintergrund der Morde zu. Doch in einem sind sich Frauenorganisationen und Menschenrechtler einig: Straflosigkeit, Korruption und Gleichgültigkeit sorgen dafür, dass die Zahl der Morde weiterhin zunimmt. Schon jetzt werden in keinem Land Lateinamerikas soviele Frauen ermordet wie in Guatemala.

Kurze Bitte an die Kolleg*innen der Freien Radios: Wenn Ihr Hintergrundbeiträge und aktuelle Reportagen vom FSA in Guatemala sendet, dann gebt uns doch bitte kurz Bescheid: Am Besten eine kurze Mail an ondainfo@npla.de schicken mit kurzer Angabe, was Ihr gesendet habt. Das würde uns ungemein für die Projektdokumentation helfen. Vielen Dank, Euer MatracOnda-Kollektiv

CC BY-SA 4.0 Amerikanisches Sozialforum in Guatemala: Hintergrund Frauenmorde von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

onda-info 444
41
Hallo und Willkommen zum onda-info 444! Trotz der Schnapszahl gibt es wenig zu feiern, denn auch wir verfolgen mit Sorge die aktuellen Entwicklungen in Brasilien. Der rechtsextreme Bolsonaro geht als Favorit in die Stichwahl. Droht Brasilien eine faschistische Regierung oder gar eine neue Militärdiktatur? Eine aktuelle Einschätzung könnt ihr unter https://mais1cafe.org/2018/10/09/de-brasilien-unter-schock/ unter anderem von unserem Mitarbeiter Nils Brock hören. Doch im ...
Massaker von Tlatelolco: 50 Jahre Straflosigkeit
49
(Mexiko-Stadt, 2. Oktober 2018, desinformémonos).- 50 Jahre nach dem Massaker an Studierenden auf dem Platz der drei Kulturen im Stadtteil Tlatelolco von Mexiko-Stadt, hat das Hochkommissariat für Menschenrechte der Vereinten Nationen fehlende Ermittlungen beklagt: „Im Zusammenhang mit der Studierendenbewegung von 1968 wurden schwere Grundrechtsverletzungen begangen. Aber weder gab es wirkliche Ermittlungen, noch wurden die Verantwortlichen bestraft.“ Das Hochkommissariat ...
Frauen gegen Bolsonaro
140
(Montevideo, 17. September 2018, comcosur/poonal).- Der brasilianische rechte Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro ist bekannt für seine Geringschätzung gegenüber Frauen, Schwarzen und Homosexuellen. Nun sieht er sich einer neuen Herausforderung gegenüber: Den Frauen. Am 29. September gingen in den wichtigsten Städten Brasiliens hunderttausende Menschen, vor allem Frauen, gegen Bolsonaro auf die Straße. Organisiert wurden die Proteste von der Initiative „Frauen gemeinsam g...
Interview: „Frau, schwarz, aus den Favelas und lesbisch”
195
(Buenos Aires, 7. September 2018, Página 12).- Mit ihrer Reise nach Argentinien will Mónica Benicio auf die weiterhin andauernde Straflosigkeit nach der Ermordung ihrer Lebensgefährtin, der Stadträtin Marielle Franco, aufmerksam machen. Marielle Franco befand sich an jenem 14. März auf der Rückreise von einer Versammlung in Río de Janeiro, als das Auto von einem anderen Fahrzeug gestoppt wurde. Marielle wurde durch fünf Schüsse in den Kopf getötet, auch der Fahrer ihres Wagen...
Streik der Studierenden an der UNAM
95
(Berlin, 11. September 2018, poonal).- An mindestens 32 Einrichtungen der Nationalen Autonomen Universität Mexikos – kurz UNAM – traten die Studierenden am 4. September in den Streik. Diesem schlossen sich binnen kürzester Zeit Kommiliton*innen in ganz Mexiko an. Zehntausende von ihnen gingen in Mexiko-Stadt und weiteren Städten des Landes auf die Straße und forderten ein Ende der Gewalt an Mexikos Hochschulen. Streik für Verbesserung der Sicherheitslage Mit ihrem Streik re...