{"id":3594,"date":"2020-10-24T11:44:32","date_gmt":"2020-10-24T10:44:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.internationalallende.org\/?p=3594"},"modified":"2020-10-27T14:37:48","modified_gmt":"2020-10-27T14:37:48","slug":"opium-oder-revolution-sozialistische-christen-in-zeiten-der-unidad-popular","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/de\/opium-oder-revolution-sozialistische-christen-in-zeiten-der-unidad-popular\/","title":{"rendered":"Opium oder Revolution?. Sozialistische Christen in Zeiten der Unidad Popular"},"content":{"rendered":"<div class=\"container\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_1_heroes_en_las_paredes-1024x665.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"416\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3618\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_1_heroes_en_las_paredes-1024x665.jpg 1024w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_1_heroes_en_las_paredes-300x195.jpg 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_1_heroes_en_las_paredes-768x499.jpg 768w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_1_heroes_en_las_paredes.jpg 1108w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Ende 1971 marschiert ein bekannter Vollbart durch Santiago. Fidel Castro, das kubanische Staatsoberhaupt ist zu Besuch und will auf einer Rundreise den \u201echilenischen Weg in den Sozialismus\u201d aus n\u00e4chster N\u00e4he kennenlernen. Anders als der chilenische Pr\u00e4sident Salvador Allende ist Castro 1959 nicht an der Wahlurne, sondern nach erfolgreichem Guerillakampf, an die Macht gekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_2_Fidel__Allende-1024x574.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"359\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3626\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_2_Fidel__Allende.jpg 1024w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_2_Fidel__Allende-300x168.jpg 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_2_Fidel__Allende-768x431.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in Chile die Landreform und Verstaatlichungen m\u00fchselig innerhalb der bestehenden Gesetze vorangebracht werden, setzt die Kubanische Revolution von Beginn auf die Brechstange, um die Oligarchie und das koloniale Erbe zu beseitigen. Rabiat gehen die barbudos dabei auch gegen die Katholische Kirche vor, die allesamt als Reaktion\u00e4re abgestempelt werden. <\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_3_Quilapay\u00fan.jpg\" alt=\"\" width=\"474\" height=\"266\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3628\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_3_Quilapay\u00fan.jpg 474w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_3_Quilapay\u00fan-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch hier in Chile tritt Castro mit seiner Religionskritik etwas vorsichtiger auf. Es soll da ein Gruppe namens \u201eChristen f\u00fcr den Sozialismus\u201d geben, die sich mit ihm treffen m\u00f6chte. Tagelang h\u00e4lt er erfolglos Ausschau nach schwarzen Soutanen. Und als es endlich zu einer Begegnung kommt, entf\u00e4hrt dem Comandante folgendes: <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIhr bringt mich ganz sch\u00f6n durcheinander. Als Gruppe revolution\u00e4rer Pfaffen seid ihr ja \u00fcberhaupt nicht zu erkennen. Daf\u00fcr sind mir auf der Treppe der Technischen Universit\u00e4t vier Typen mit langen schwarzen Gew\u00e4ndern begegnet. Ich war mir sicher: dass m\u00fcssen jetzt die Priester sein. Ich gr\u00fc\u00dfe sie, dann schau ich noch mal genau hin und erst da merke ich, dass sind ja die S\u00e4nger von Quilapay\u00fan, dieser Folkloregruppe!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Eine Kirche auf Selbstfindungstrip<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_4_Chile_Iglesia.jpg\" alt=\"\" width=\"688\" height=\"322\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3632\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_4_Chile_Iglesia.jpg 688w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_4_Chile_Iglesia-300x140.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 688px) 100vw, 688px\" \/><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht nur die religi\u00f6se Kleiderordnung hat sich Anfang der 1970er Jahre ver\u00e4ndert. Die Katholische Kirche steckt mitten in einem Erneuerungsprozess \u2013 und das nicht ganz freiwillig. Die Trennung von Kirche und Staat ist vielerorts bereits vollzogen, in Chile seit 1925. Die Di\u00f6zesen verlieren Einfluss und Macht. Um weiterhin eine relevante soziale Kraft zu bleiben, m\u00fcssen die Pastoren und Bisch\u00f6fe Antworten auf die Befindlichkeiten ihrer Sch\u00e4fchen finden.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_5_Movimiento_obrero-1024x512.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"320\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3636\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_5_Movimiento_obrero.jpg 1024w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_5_Movimiento_obrero-300x150.jpg 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_5_Movimiento_obrero-768x384.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nEntgegen vieler Vorstellungen sind Priester und Seelsorger damals weder im l\u00e4ndlichen Raum noch in den wachsenden Elendsvierteln der St\u00e4dte sonderlich aktiv. Doch eben hier entstehen unter Landarbeiter*innen und Siedler*innen neue Organisationen, die f\u00fcr ein w\u00fcrdevolles Leben auf Erden eintreten. Kurzum, die Basis br\u00f6ckelt. So beruft Papst Johannes XXIII von 1962 bis 1965 das II. Vatikanische Konzil ein. Die kirchlichen Dogmen sollen erneuert werden. Vor allem christliche Basisgemeinden aus S\u00fcdamerika nutzen den Dialog, um offen f\u00fcr mehr weltliches Engagement von Geistlichen zu werben, besonders bei der Bek\u00e4mpfung der Armut. So formuliert der peruanische Theologe Gustavo Gutierrez: <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eMan kann den Armen nicht sagen, dass Gott sie liebt, und sie gleichzeitig verhungern lassen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_6_Segundo_Concilio_Vaticano.jpg\" alt=\"\" width=\"770\" height=\"433\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3638\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_6_Segundo_Concilio_Vaticano.jpg 770w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_6_Segundo_Concilio_Vaticano-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_6_Segundo_Concilio_Vaticano-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 770px) 100vw, 770px\" \/><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Das Konzil und eine 1968 im kolumbianischen Medellin stattfindende Lateinamerikanische Bischofskonferenz sind wichtige Impulse, um die christliche Botschaft neu zu interpretieren. Diese sogenannte Befreiungstheologe w\u00fcrde bald auch das Selbstverst\u00e4ndnis vieler europ\u00e4ischer Priester pr\u00e4gen. <\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_7_Camilo_Torres.jpg\" alt=\"\" width=\"770\" height=\"433\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3639\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_7_Camilo_Torres.jpg 770w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_7_Camilo_Torres-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_7_Camilo_Torres-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 770px) 100vw, 770px\" \/><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>In der Alten Welt entstehen bereits in den 1950er Jahren Str\u00f6mungen wie die Nouvelle Theologie oder Organisationen wie die Emmaus-Bruderschaft, die eine Hinwendung zu weltlichen Problemen propagieren. Auch Seminaristen aus Lateinamerika debattieren fr\u00fch an theologischen Fakult\u00e4ten mit, besonders in Belgien und Frankreich. Unter ihnen ist Gutierrez aber auch der Kolumbianer Camilo Torres, der sp\u00e4ter als Guerilla-Priester bekannt wird und der Chilene Mariano Puga. Puga beschreibt den Aufenthalt in Europa als eine Zeit, in der er viele Gewissheiten seines Glaubens hinterfragt:<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"vimeo-player\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/472499742\" width=\"640\" height=\"480\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIch wurde nach Paris entsandt, um religi\u00f6se Zeremonien und Riten aus der Zeit vor dem 2. Vatikanischen Konzil zu studieren. Beim Studium dieser Quellen besch\u00e4ftigte ich mich auch mit der Liturgie im Evangelium. Ich las \u00fcber die ersten christlichen Gemeinden, von Menschen, die das Evangelium Christi leben wollten. Von Menschen, die, um Christ zu sein, ihren Besitz verleugnen und teilen mussten. Einem reichen Mann wurde gesagt, dass er kein J\u00fcnger Jesu sein k\u00f6nne, wenn er seinen Besitz nicht mit den Armen teile.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr junge Priesteranw\u00e4rter aus Europa haben die Empfehlungen des II. Vatikanischen Konzils noch weitere, ganz praktische Konsequenzen: sie werden dazu ermutigt nach Lateinamerika zu gehen, wo gerade im l\u00e4ndlichen Raum dringend Priester gesucht werden. Unter ihnen ist auch der junge Jesuit Toon Mondelaers aus dem belgischen L\u00f6wen:<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"vimeo-player\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/472499906\" width=\"640\" height=\"480\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDas [II. Vatikanische Konzil] war mir gar nicht so wichtig. Aber Lateinamerika brauchte Priester. Ich wollte einfach raus aus Belgien und so bin ich nach Chile gegangen. Als Priester hast du keine Ahnung von Politik, Soziologie, usw. Alles ist christliche Lehre, Philosophie, Dogmen. Ich kam als Mann guten Willens nach Chile, mit der \u00dcberzeugung, dass die Kirche immer Recht hat.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und nicht nur M\u00e4nner brechen nach Chile auf. Aus christlicher \u00dcberzeugung, aber nicht als Nonne sondern als Sozialarbeiterin macht sich auch die damals 30-J\u00e4hrige Maruja Braekman auf den Weg Richtung S\u00fcden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"vimeo-player\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/472500094\" width=\"640\" height=\"480\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eMir wurde mit einem Mal klar, dass ich etwas anderes mit meinem Leben anfangen wollte. In Chile zog ich mit drei oder vier anderen Frauen zusammen, es war eine Art Experiment. Am Ende blieb ich zehn Jahre. Vor dem Austausch konnte man angeben, in welches Land man gehen wollte. Just in diesem Moment trafen wir einen Belgier, der in Chile lebte und uns etwas \u00fcber das Land erz\u00e4hlte. Er war wohl recht \u00fcberzeugend, ich w\u00e4hlte Chile.\u201c<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<h4>Revolution in Freiheit<\/h4>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_8_Christdemocratas.jpg\" alt=\"\" width=\"421\" height=\"425\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3641\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_8_Christdemocratas.jpg 421w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_8_Christdemocratas-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_8_Christdemocratas-297x300.jpg 297w\" sizes=\"auto, (max-width: 421px) 100vw, 421px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gebremst wird der befreiungstheologische Aufbruch in Chile zun\u00e4chst von den regierenden Christdemokraten (1964-1970). Die Regierung von Pr\u00e4sident Eduardo Frei bringt Alphabetisierungsprogramme und eine Reihe sozialer Reformen auf den Weg, ist jedoch stets um einen Klassenausgleich bem\u00fcht. Der Staat interveniert, die herrschenden Verh\u00e4ltnisse aber werden nicht grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt. Einigen politisch engagierten Christen, war das zu wenig, analysiert der spanische Historiker Mario Amor\u00f3s in seinem Artikel \u201eLa Iglesia que nace del pueblo\u201c:<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_9_Clotario_Blest.jpg\" alt=\"\" width=\"474\" height=\"660\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3642\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_9_Clotario_Blest.jpg 474w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_9_Clotario_Blest-215x300.jpg 215w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eObwohl sich einige Christen seit langem f\u00fcr die sozialistische Umgestaltung der chilenischen Gesellschaft eingesetzt hatten \u2013 daf\u00fcr gibt es wohl kein besseres Beispiel als Clotario Blest, ehemaliger Seminarist und erster Pr\u00e4sident des Gewerkschftsdachverbands CUT \u2013,  war 1965 ein ganz entscheidendes Jahr f\u00fcr den \u201aDialog\u2018 zwischen Marxisten und Christen in Chile. Hatten die Gl\u00e4ubigen im September 1964 noch massiv f\u00fcr Eduardo Frei gestimmt, um den Sieg Allendes im Rahmen einer heftigen Terrorkampagne gegen den \u201eatheistischen Kommunismus&#8221; zu verhindern, so demonstrierten Marxisten und Christen im April und Mai des folgenden Jahres zum ersten Mal vereint, um die nordamerikanische Invasion der Dominikanischen Republik zu verurteilen, die den verfassungsm\u00e4\u00dfigen Pr\u00e4sidenten Juan Bosch st\u00fcrzte und dem repressiven Regime von Joaqu\u00edn Balaguer den Weg ebnete.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es bleibt nicht bei Demonstrationen. Im 11. August 1968 besetzt eine Gruppe die sich Iglesia Joven (Junge Kirche) nennt f\u00fcr 14  Stunden die Kathedrale Santiagos. \u00d6ffentlichkeitswirksam halten die mehr als 200 Beteiligten eine Messe gegen den Vietnamkrieg und f\u00fcr die lateinamerikanische Arbeiterklasse ab. Vor dem Gotteshaus prangt in gro\u00dfen Lettern ihre Botschaft: \u201eF\u00fcr eine Kirche an der Seite der Bev\u00f6lkerung und ihrer K\u00e4mpfe. Gerechtigkeit und Liebe.\u201c Kardinal Silva Henr\u00edquez droht, unterst\u00fctzt von Pr\u00e4sident Frei, eine gewaltsame R\u00e4umung an. Kurz vor Ablauf des Ultimatums zieht sich die Junge Kirche zur\u00fcck. <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch in vielen christlichen Gemeinden w\u00e4chst der Unmut. Auch die chilenischen Frauen beginnen langsam an moralrelig\u00f6se Dogmen zu zweifeln und interessieren sich zunehmend f\u00fcr politische Fragen und ihre sozialen Rechte. Auch in den D\u00f6rfern im S\u00fcden des Landes, sei das sp\u00fcrbar gewesen, erinnert sich Maruja Braekman. Und manchmal hilft sie ein bisschen nach&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"vimeo-player\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/472500160\" width=\"640\" height=\"480\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n\u201eAlso das war noch unter der Pr\u00e4sidentschaft von Frei. Da begannen die bereits existierenden M\u00fctterzentren gut zu funktionieren. Aber die Frauen, die dorthin kamen, hatten viel Aufholbedarf. Sie wussten wenig \u00fcber die politische Lage in Chile. Also brachte ich ihnen das St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck n\u00e4her, beim Stricken. Ganz allm\u00e4hlich lief das, ganz behutsam \u2013 aber es funktionierte.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_10_Mapu-1024x625.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"391\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3646\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_10_Mapu-1024x625.png 1024w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_10_Mapu-300x183.png 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_10_Mapu-768x469.png 768w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_10_Mapu.png 1186w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Schneller voran schreitet dagegen die Spaltung der Christdemokraten. Das schlechte Abschneiden bei den Parlamentswahlen 1969 und ein brutaler Polizeieinsatz gegen urbane Landbesetzer in der N\u00e4he von Puerto Montt bringt zwei linke Str\u00f6mungen dazu, mit der Partei zu brechen. Die Bewegung der Unit\u00e4ren Volksunion (MAPU) und Izquierda Cristiana (Christliche Linke) schlie\u00dfen sich schnell der Wahlkampagne des Linksb\u00fcndnisses Unidad Popular (UP) an. Junge Geistliche, die sich selbst \u201eArbeiterpriester\u201c nennen, beteiligen sich am Wahlkampf. Unter ihnen ist auch der junge Katalane Antoni Llid\u00f3 der in einem Brief an seine Familie, am\u00fcsiert die politische \u00dcberzeugungsarbeit beschreibt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;Wir haben die alten Betschwestern davon \u00fcberzeugt, f\u00fcr Allende zu stimmen. Wenn nicht, seien sie hoffnungslos verdammt&#8221;.<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<h4>Die Christen der Unidad Popular<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Wahlsieg der UP ziehen sich die religi\u00f6sen Wahlhelfer nicht etwas auf die Kanzeln zur\u00fcck. Die Vereinbarkeit von Glaube und marxistischen \u00dcberzeugungen ist Thema vieler Debatten, so auch auf einem richtungsweisenden Treffen von 80 engagierter Priester im Fr\u00fchjahr 1971. Mariano Puga war dabei:<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"vimeo-player\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/472500231\" width=\"640\" height=\"480\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eGemeinsam mit einigen Priestern aus den Armenvierteln trafen wir uns, um dar\u00fcber nachzudenken, was unsere Aufgabe in einem sozialistischen Chile seien w\u00fcrde. So kamen 80 Priester zusammen. Wir diskutierten \u00fcber die Herausforderungen, Diener eines befreienden Evangeliums Jesu im Sozialismus zu sein, der nach den gewonnen Wahlen nun aufgebaut werden sollte. Die Journalisten gaben uns den Namen \u201eChristen f\u00fcr den Sozialismus&#8221;. Denn jedes mal wenn sie uns fragten, welcher Partei wir angeh\u00f6rten, antworteten wir: \u201akeiner, aber wir sind f\u00fcr den Sozialismus.\u2018 \u201aAber verurteilt die Kirche den Sozialismus nicht? [fragten die Journalisten und wir antworteten:] \u201aDie Praxis des Sozialismus wird nirgendwo verurteilt. Denn sie [die regierende UP] will das selbe, was auch Jesus wollte: eine Welt der Gleichen, eine br\u00fcderliche Welt.\u2018 Der Sozialismus steht dem Christentum n\u00e4her als der Kapitalismus.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_11_El_Cardinal.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"600\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3647\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_11_El_Cardinal.jpg 800w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_11_El_Cardinal-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_11_El_Cardinal-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Nur zwei Wochen nach dem Treffen von Los Ochenta, l\u00e4uft Kardinal Raul Silva Henriquez auf der 1.Mai-Demonstration im Gewerkschaftsblock mit \u2013 die christlichen Sozialisten scheinen an Einfluss zu gewinnen. Noch nur kurze Zeit sp\u00e4ter, verurteilen die chilenischen Bisch\u00f6fe in einem gemeinsamen Text jegliche politischen Aktivit\u00e4ten von Geistlichen und warnen davor mit den sozialistischen Kr\u00e4ften zu kollaborieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch die elegante Drohung verf\u00e4ngt nicht. Im Gegenteil, wenig sp\u00e4ter gr\u00fcndet sich eine zweite Gruppe, die diesmal 200 Geistliche umfasst, und die im Gegensatz zu Los Ochentas nicht so stark auf politische und soziale Interventionen setzt, sondern sich kritisch mit den internen Strukturen und Konzepten der Katholischen Kirche auseinandersetzt. Sie argumentieren dabei zun\u00e4chst recht bibeltreu, dass die Kirche den Anspruch haben m\u00fcsse, \u201eeinen neuen Himmel und eine neue Erde\u201c zu schaffen. Daraus ziehen die kritischen Theologen wiederum ganz praktische Schl\u00fcsse: alle Christen sind verpflichtet, auf der Seite der Befreiung zu k\u00e4mpfen und sich gegen den \u201eG\u00f6tzen\u201c des Marktes zu richten. <\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_12_Mariano_Puga.png\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"373\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3648\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_12_Mariano_Puga.png 512w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_12_Mariano_Puga-300x219.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Mariano Puga nimmt intensiv teil an dieser Debatte. Im Jahr 2016 erinnert er im Interview mit dem linken Theologen Michael Ramminger auxh an die Beitr\u00e4ge internationaler Geistlicher, unter ihnen der brasilianische Intellektuelle Hugo Assmann, die w\u00e4hrend der Unidad Popular in Chile lebten. Puga erinnert sich wie Assmann und andere,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;&#8230;die sich mit den Lehren des Marxismus und der gro\u00dfen Revolutionen gut auskannten, uns unbeschreiblich gut getan haben. Sie waren es, die uns \u00fcber die russische Revolution, \u00fcber die sozialistischen Republiken Europas und andere Tendenzen informierten.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der belgische Jesuit Toon Mondelears bekommt davon im S\u00fcden Chiles zun\u00e4chst wenig mit. Sein Auftrag ist es, die Studierenden von Concepci\u00f3n zu treuen Besucher*innen der universit\u00e4ren Pfarrkirche zu machen. Und tats\u00e4chlich bekommt er viel Besuch, vor allem von Unterst\u00fctzer*innen der Bewegung der Revolution\u00e4ren Linken (MIR). <\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"vimeo-player\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/472500319\" width=\"640\" height=\"480\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n\u201eDiese Bewegung eroberte immer mehr Einfluss und selbst meine Student*innen und die Katholik*innen in der Universit\u00e4tsgemeinde standen unter dem Einfluss der MIR. Einige Studierende zum Beispiel, die der MIR beigetreten waren, wurden in Kuba als K\u00e4mpfer*innen ausgebildet. Sie schrieben mir Briefe. Nach der Ausbildung kamen sie zur\u00fcck. So kamen immer mehr Studierende unter den Einfluss der MIR und marxistischer Ideen.  Uns [Jesuiten] lehrten sie aufmerksam zu sein und die Realit\u00e4t so zu sehen, wie sie ist, und nicht doktrin\u00e4r darauf zu beharren, alles zu wissen. Sie zeigten uns die Wirklichkeit so wie sie war. Es war der Beginn eines gro\u00dfen Widerspruchs: wir gaben in der Pfarrkirche Marx-Lesekreise zu organisieren, f\u00fcr die Studierenden der Universit\u00e4tsgemeinde.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fasziniert beobachtet der deutsche \u00d6konom und Theologe Franz Hinkelammert diesen christlich-marxistischen Dialog, der im September 1971 in der offiziellen Gr\u00fcndung der Gruppe Cristianos por el Socialismo (CpS), also Christen f\u00fcr den Sozialismus m\u00fcndet. Hinkelammert ist als Fachkraft der Konrad-Andenauer-Stiftung (KAS) im Land. Die sei damals interessiert gewesen, an der reformistischen Linie der chilenischen Christdemokraten und offen f\u00fcr einen Dialog mit linken Ideen. Hinkelammert widerum anaylsiert, beobachtet und diskutiert an den Schnittstellen christdemokratischer Gewerkschaften, marxistischer Forschungsgruppen und kritischer \u00d6konomen. \u00dcberall dort wo Bewegungen entstehen, will er dabei sein. Und auch den Staatsbesuch des kubanischen Revolutionsf\u00fchrers Castro im November 1971 verfolgt er sehr genau:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"vimeo-player\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/472500394\" width=\"640\" height=\"480\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDas war auch interessant, als Fidel Castro in Chile war. Hinterher wurde die Politik gegen\u00fcber den Kirchen v\u00f6llig ver\u00e4ndert in Kuba. Und er musste jetzt sprechen, und welches Beispiel fiel ihm ein &#8211; das waren die Christen in der ersten zwei Jahrhunderten gegen\u00fcber dem r\u00f6mischen Imperium, die da verfolgt wurden. Das war das Bild, von dem er immer anfing oder h\u00e4ufig anfing. Aber je mehr er das machte, desto mehr hat er das auch ernst genommen f\u00fcr sich selbst. Es war eine hochinteressante Sache, diese Pr\u00e4senz von Fidel Castro in Chile. Den Sozialismus sowjetischer Art konnte er da nicht vorlegen, denn es handelte sich nicht darum. Und da war er v\u00f6llig klar und hat das respektiert. F\u00fcr ihn war das absolut akzeptierbar.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf Einladung Castros besucht im Februar 1972 eine CpS-Delegation Kuba. Die Besucher sind bei Zuckerernten dabei und machen sich auf einer Rundreise mit der sozialen Realit\u00e4t der Karibikinsel vertraut. In einer gemeinsamen Abschlusserkl\u00e4rung verurteilen sie den Kapitalismus als treibende Kraft der Unterentwicklung und r\u00e4umen eine historische Mitschuld der Kirche ein \u2013 sehr zum Unwohl des traditionellen Klerus in Chile.<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<h4>Vom revolution\u00e4ren Volksk\u00f6rper zur Theologie des Massakers<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_13_80-sacerdotes-1024x628.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"393\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3649\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_13_80-sacerdotes-1024x628.jpg 1024w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_13_80-sacerdotes-300x184.jpg 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_13_80-sacerdotes-768x471.jpg 768w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_13_80-sacerdotes.jpg 1234w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Als die CpS f\u00fcr April 1972 ein erstes lateinamerikanisches Treffen revolution\u00e4rer Christen in Santiago organisiert, geht die Kirchenspitze auf Distanz und warnt die Dioz\u00f6sen der Nachbarl\u00e4nder vor einer Teilnahme. Dennoch gibt es prominente Unters\u00fctzung, u.a. vom mexikanischen Bischoff S\u00e9rgio M\u00e9ndez Arceo. Am Ende beteiligen sich \u00fcber 400 Delegierte und G\u00e4ste aus Lateinamerika und der Welt an der Veranstaltung.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_14_Pujadas.jpg\" alt=\"\" width=\"492\" height=\"212\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3650\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_14_Pujadas.jpg 492w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_14_Pujadas-300x129.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 492px) 100vw, 492px\" \/><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Beide Seiten vermeiden in den folgenden Monaten einen offenen Schlagabtausch. Die Unterschiede zwischen Befreiungstheologie und der \u2013 wie Hinkelammert es nennt \u2013 \u201eTheologie der Unterdr\u00fcckung\u201c treten jedoch trotzdem zu Tage. W\u00e4hrend die SpS die kapitalistische Gesellschaft als strukturelle Gewalt begreift, verteidigt Kardinal Silva Henriquez  in einer Osterbotschaft diskret die gesellschaftliche Ungleichheit:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWenn wir den Wert des Eigentums verteidigt haben, so haben wir ganz besonders an die M\u00f6glichkeit und das Recht aller gedacht.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf den Aufruf der CsP an alle Christen, sich aus N\u00e4chstenliebe am Kampf f\u00fcr eine gerechtere Welt zu beteiligen, antwortet der Kardinal im Juni 1972 mit einer langen schriftlichen Erkl\u00e4rung, in der es u.a. hei\u00dft:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie Existenz einer klassenlosen Gesellschaft ist nach der kirchlichen Doktrin utopisch und nicht realisierbar, denn sie gr\u00fcndet sich weder auf die Natur des Menschen noch auf die der Gesellschaft: sie sieht von einer f\u00fcr den sozialen Fortschritt notwendigen Trennung und Spannung ab, die nach dem Urteil der Kirche in der Natur des Menschen und der Gesellschaft selbst wurzeln.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Dorn im Auge sind dem konservativem Klerus vor allem Arbeiterpriester aus anderen L\u00e4ndern. Ihr Engagement wird als Einmischung verstanden und in der Weihnachtsbotschaft Ende 1972 ruft Silva Henrique dazu auf, <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201ezu verhindern, dass ausl\u00e4ndische Werte, Gebr\u00e4uche und M\u00e4chte uns vergessen machen, was unser ist, diese Gesamtheit, die wir Chilenit\u00e4t nennen.\u201c <\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_15_Llido.jpg\" alt=\"\" width=\"281\" height=\"205\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3651\" \/><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Exemplarisch f\u00fcr diese Linie stehen die Entlassungen der katalanischen Arbeiterpriester Ignacio Pujadas und Antonio Llido, die anfangs auch des Landes verwiesen werden sollen. Doch Llido bleibt seiner Basisgemeinde O\u2019Higgens erhalten, \u00fcbernimmt dort leitende Funktionen beim MIR, gibt eine befreiungstheologische Zeitschrift heraus und koordiniert das \u00f6rtliche Versorgungskomitee JAP, um bei Lebensmittelengp\u00e4ssen eine gerechte Verteilung zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Temuco engagiert sich auch Maruja Braekman im \u00f6rtlichen Versorgungskomitee. Im ersten Jahr ihres Aufenthalts hatte sie sich vor allem dem endemischen Problem h\u00e4uslicher Gewalt gewidmet und Frauen zu mehr politischer Teilhabe angespornt. Nun ging es darum den Plan der Rechten zu vereiteln, mittels einer k\u00fcnstlich verknappten Grundversorgung die Bev\u00f6lkerung gegen die Regierung aufzubringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"vimeo-player\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/472500505\" width=\"640\" height=\"480\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEs musste einfach Leute geben, die sicher stellten, dass auch etwas bei der Bev\u00f6lkerung ankam, Es gab eine Metzgerei, einen Laden, in dem vieles verkauft wurde.  Da mussten Leute sein und ein Auge auf [die Verteilung] haben. Die Ladenbesitzerin war eine Christdemokratin und ihr Mann arbeitete bei der Marine. Ich hatte da also eine Frau vor mir, die mehr als konservativ war. Sie und ihre Nachbarin waren w\u00fctend auf mich, weil ich als Mitglied des katholischen Jugendverbands (JOC) f\u00fcr das Versorgungskomitee JAP arbeitete.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_16_Mani_massiva-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3657\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_16_Mani_massiva-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_16_Mani_massiva-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_16_Mani_massiva-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberall in Chile beteiligen sich christliche Sozialarbeiterinnen und Arbeiterpriester an der m\u00fchsamen Aufgabe, die Unidad Popular gegen Sabotageakte und politische Propaganda zu verteidigen. Sie beteiligen sich an Alphabetisierungskursen, Landbesetzungen und Gewerkschaftsg\u00fcndungen. In Santiago versucht sich die Gruppe der CpS zudem weiterhin als Vermittler zwischen den zunehmend polarisierten politischen Lagerm, u.a. bei den hitzigen Debatten rund um die Reform des Bildungswesens. <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch die Zeit der Kompromisse ist vorbei. In der Kathedrale Santiagos werden w\u00e4hrend des Gottesdiensts Flugbl\u00e4tter des Arbeiterpriesters Llido verbrannt. Der chilenische Befreiungstheologe Pablo Richard beschwert sich \u00fcber eine \u00f6ffentliche Kampagne der Konrad-Adenauer-Stiftung gegen die sozialistischen Christen, die von der Zerrissenheit der Christdemokratie ablenken soll. Und der prominente Hassprediger Raul Hasb\u00fan untermauert am 5. September 1973 im Fernsehen die an Pr\u00e4sident Allende gerichtete Forderung der chilenischen Rechten: R\u00fccktritt oder Selbstmord. <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sechs Tage sp\u00e4ter ersch\u00fcttert ein Milit\u00e4rputsch Chile. W\u00e4hrend die Armee mit Verfolgung, Mord und Folter gegen einen Teil der Bev\u00f6lkerung vorgeht, sieht der Arbeiterpriester Mariano Puga schockiert, wie andere feiern:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"vimeo-player\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/472500592\" width=\"640\" height=\"480\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIch ging durchs Zentrum [Santiagos] und kam an der Avenida Rep\u00fablica vorbei. Da stand eine Frau auf der Stra\u00dfe, die die chilenische Fahne schwenkte. Ich schrie sie an: \u201eIn diesem Moment bringen Chilenen andere Chilenen um.  Was auch immer deine Position ist, nimm die Fahne herunter.&#8221; Aber die Dame schwenkte weiter die Fahne. Leute tanzten auf der Stra\u00dfe, mit chilenischen Fahnen. Ich kam in [meinem Viertel] Villa Francia an, hier, wo nur \u00e4rmliche H\u00fctten standen und sah etwa hundert Fahnen. Ich legte mich auf den Boden meines Zimmers und weinte. Das war mein 11. September.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_17_Cura_Hasbun.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"341\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3652\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_17_Cura_Hasbun.jpg 700w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_17_Cura_Hasbun-300x146.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend des Putschs wird eine Ausgangssperre erlassen. Von der Stra\u00dfe dringt der L\u00e4rm  von Panzern und Sch\u00fcssen in die Wohnzimmer. Wie viele Menschen sitzt auch Franz Hinkelammert vor dem Fernseher und protokolliert fassungslos die \u00dcbertragung von Kanal 13, die einzige TV-Station die noch auf Sendung ist. Sp\u00e4ter wird er auf Grundlage der Mitschriften das Konzept einer \u201eTheologie des Massakers\u201c entwickeln. An diesem Tag ist auf Kanal 13 nur eine Stimme zu h\u00f6ren, die von Pater Hasb\u00fan:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHabt keine Furcht. Ihr seid mehr wert als ein Schwarm von V\u00f6geln. In der Welt werdet Ihr leiden m\u00fcssen, aber bewahrt den Mut. Ich habe die Welt besiegt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Vikariat der Solidari\u00e4t, CpS in Europa und DEI<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"vimeo-player\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/472500694\" width=\"640\" height=\"480\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie meisten Priester der Christen f\u00fcr den Sozialismus wurden des Landes verwiesen oder get\u00f6tet. Die S\u00e4uberungen in der Kirche, um die fortschrittlichen Priestern loszuwerden, waren tief greifend. All jene [Priester] die gemeinsamen mit der Bev\u00f6lkerung in den Armenvierteln gelebt hatten, mussten das Land verlassen.\u201c <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Toon Mondelaers ist einer von hunderten Priestern, die nach dem Putsch in Chile unerw\u00fcnscht sind. In einem Erlass vom 13. September 1973 stellt die Kirchenf\u00fchrung klar, dass ab sofort kein Priester mehr den Christen f\u00fcr den Sozialismus angeh\u00f6ren darf. Kardinal Silva Henriquez l\u00e4sst sich mit den Worten zitieren, er erhoffe sich von den Putschisten mehr als von Allende\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nur wenige internationale Geistliche wagen es in Chile zu bleiben. Sie setzen ihre solidarische Arbeit in den Armenvierteln fort und vermeiden politisches Aufsehen. Auch die chilenischen Mitstreiter von CpS organisieren ihre Netz zun\u00e4chst im Verborgenen. Mariano Puga beschreibt die ersten Wochen nach dem Putsch:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"vimeo-player\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/472500769\" width=\"640\" height=\"480\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEine Reihe von Priestern gr\u00fcndeten in der Umgebung Santiagos ein Netzwerk, in La Legua, La Victoria, Villa Francia, Pudahuel Sur, La Pincoya. Und die verfolgten Parteien begannen uns zu fragen, ob wir sie verstecken k\u00f6nnten: \u201aHey, wir waren doch gemeinsam dabei, k\u00f6nnt ihr uns helfen unterzutauchen? Der da, den suchen sie, um ihn umzubringen.\u2018 Und ich sagte: \u201aGlaubst du, dass der Verfolgte Christus ist? Glaubst du es, oder nicht? Wenn nicht, dann frag mich nicht. Glaubst du es?\u2018 \u201aJa [war die Antwort] und sind Sie bereit diese Person f\u00fcr eine Weile zu verstecken?\u2018 [Die Antwort war] \u201aJa, bringt ihn zu mir.\u2018 Da ich ganz gut mit Sprachen konnte, nahm ich Kontakt mit den Botschaften auf. Die Botschafter sagten zu uns: \u201aWir laden die Bullen [die vor der Botschaft patrouillieren] zum Fr\u00fchst\u00fcck ein und ihr bringt sie derweil zum Hintereingang rein.\u2018 Das Vikariat der Solidarit\u00e4t begann sich zu formieren und in diesen christlichen Gemeinschaften begannen R\u00e4ume f\u00fcr den Schutz der Menschenrechte zu entstehen.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_18_Vicaria_de_la_solidaridad.jpg\" alt=\"\" width=\"474\" height=\"317\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3653\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_18_Vicaria_de_la_solidaridad.jpg 474w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_18_Vicaria_de_la_solidaridad-300x201.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Heute wird diese Geschichte oft so erz\u00e4hlt, als ob das Vikariat der Solidarit\u00e4t auf eine pers\u00f6nliche Initiative von Silva Henriquez zur\u00fcckginge. Tatsache ist, dass der Kardinal ab einem bestimmten Zeitpunkt seinen politischen Einfluss nutzte, Verfolgten der milit\u00e4risch-zivilen Diktatur zu helfen und die Verbrechen international bekannt zu machen. Aber er war kein Regimegegner der ersten Stunde \u2013 und Menschen, die im bewaffneten Kampf gegen die Diktatur ihr Leben riskierten, konnten von Silva Henriquez nie Hilfe erwarten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Europa sind viele der ehemaligen internationalen Priester in Chile-Komitees aktiv. Sie vermitteln Chilen*innen, die ins Exil gehen m\u00fcssen, Wohnungen, Arbeits- und Studienpl\u00e4tze. Und sie versuchen sich an einer Fortsetzung der befreiungstheologischen Arbeit, erz\u00e4hlt Toon Mondelaers<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"vimeo-player\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/472500880\" width=\"640\" height=\"480\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eGemeinsam gr\u00fcndeten wir dann die europ\u00e4ische Bewegung der Christen f\u00fcr den Sozialismus. Das war unser Beitrag. Wir haben auch etwas in Chile beigetragen und doch waren eher Nutznie\u00dfer der chilenischen Geschichte. Chile wurde eher von Chilenen ver\u00e4ndert, von oppositionellen Parteien, usw. Weniger von uns. Ich habe in Lateinamerika gelernt, was Befreiungstheologie ist, welche anderen Lesarten der Bibel und des Evangeliums es gibt, usw.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_19_CpS.jpg\" alt=\"\" width=\"474\" height=\"474\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3654\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_19_CpS.jpg 474w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_19_CpS-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto_19_CpS-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nAuch Franz Hinkelammert setzt seine theologisch- \u00f6konomischen Reflexionen fort. In Costa Rica gr\u00fcndet er gemeinsam mit Pablo Richards (dem ehemaligen Generalsekret\u00e4r der Christen), Hugo Assmann und anderen das interdisziplin\u00e4re und \u00f6kumenische Forschungsinstitut (DEI). Von hier aus entwickelt er seine \u00dcberlegungen zur G\u00f6tzenkritik weiter und entwickelt wichtige Beitr\u00e4ge zur Globalisierungskritik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vereinzelt lassen sich vor allem in Europa heute noch Gr\u00fcppchen finden, die sich als Christen f\u00fcr den Sozialismus bezeichnen. Eine politische Rolle spielen sie im Gegensatz zur befreiungstheologischen Str\u00f6mung der katholischen Kirche jedoch nicht mehr. Deren Vertreter*innen wiederum ist meist der \u201esozialistische Kompass\u201c abhanden gekommen. Dabei seien die CpS nicht an ihren \u201emarxistischen Instrumentarien\u201c gescheitert, findet der kritische Theologe Michael Ramminger, sondern an dem gewaltsamen Putsch und dem Widerstand der kirchlichen Hirarchien. Sich intensiver mit den Ideen der Gruppe zu besch\u00e4ftigen, lohne jedoch nach wie vor:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr alle ChristInnen allerdings, die noch um die biblische Vorstellung einer Welt in Autonomie und Egalit\u00e4t wissen, bleiben die CPS eine, wie es in der politischen Theologie hei\u00dft, \u201agef\u00e4hrliche Erinnerung\u2018 im doppelten Sinne. CPS erinnert daran, dass der biblische Weg der Gerechtigkeit deshalb gef\u00e4hrlich ist, weil er den eigenen Glauben und das eigene Leben existentiell herausfordert und weil er zu einem Weg werden kann, der das eigene Leben gef\u00e4hrdet. Das ist der Preis der Glaubw\u00fcrdigkeit, ein Preis, den \u00fcbrigens alle einsetzen m\u00fcssen, die sich f\u00fcr eine gerechte Welt einsetzen.\u201c<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende 1971 marschiert ein bekannter Vollbart durch Santiago. 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