{"id":3081,"date":"2020-07-17T12:33:47","date_gmt":"2020-07-17T11:33:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.internationalallende.org\/?p=3081"},"modified":"2020-10-26T08:42:04","modified_gmt":"2020-10-26T08:42:04","slug":"agrarreform-das-land-denen-die-es-bestellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/de\/agrarreform-das-land-denen-die-es-bestellen\/","title":{"rendered":"Agrarreform \u2013 Das Land denen, die es bestellen"},"content":{"rendered":"<div class=\"container\">\n<div class=\"row\">\n<div class=\"col-sm-12\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3012\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/0_Hall_Titulo.jpg\" alt=\"\" width=\"1108\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/0_Hall_Titulo.jpg 1108w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/0_Hall_Titulo-300x195.jpg 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/0_Hall_Titulo-768x499.jpg 768w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/0_Hall_Titulo-1024x665.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1108px) 100vw, 1108px\" \/><\/p>\n<h4>Chile: ein armes feudales Land<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail class=\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/1_Tancredo_Pinochet_LeBrun-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Chile 1916. Schon seit Tagen notiert der als Tagel\u00f6hner verkleidete Politiker und Publizist Tancredo Pinochet Le-Brun die Zust\u00e4nde des Landlebens auf der Hacienda Camarica in sein Notizbuch. Aus n\u00e4chster N\u00e4he erlebt er einen Arbeitsalbtraum:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEs wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gearbeitet. Zum Fr\u00fchst\u00fcck gibt es ein St\u00fcck Brot, ohne Kaffee oder Tee, ohne hei\u00dfes Wasser; ein Teller Bohnen zum Mittag, ohne Brot; und noch ein St\u00fcck Brot am Tagesende. Nach all dem geht das menschliche Tier [\u2026] nicht in ein Schlafzimmer, um sich auszukleiden: es wirft sich unter freiem Himmel auf einen Strohhaufen, und am n\u00e4chsten Tag steht es wieder auf, ohne sich zu waschen, streckt sich und beginnt von neuem zu arbeiten, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3018\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2_Portada_Inquilinos-en-la-hacienda-de-Su-Excelencia-222x300.png\" alt=\"\" width=\"222\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2_Portada_Inquilinos-en-la-hacienda-de-Su-Excelencia-222x300.png 222w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2_Portada_Inquilinos-en-la-hacienda-de-Su-Excelencia.png 634w\" sizes=\"auto, (max-width: 222px) 100vw, 222px\" \/>Die Schilderungen des Alltags auf dem Gutssitz des damals amtierenden Pr\u00e4sidenten Juan Luis Sanfuentes sorgen f\u00fcr einen Sturm der Emp\u00f6rung \u2013 f\u00fcr die mehr als zwei Millionen betroffenen Menschen, die ohne ausreichende Grundversorgung und ohne Bildungsm\u00f6glichkeiten in quasi-feudalen Verh\u00e4ltnissen auf dem Land leben, \u00e4ndert sich in den n\u00e4chsten drei Jahrzehnten jedoch kaum etwas.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von der 1954 in Guatemala gewaltsam vereitelten Agrarreform bekommt die chilenischen Landbev\u00f6lkerung nichts mit. Daf\u00fcr sprechen sich die Erfolge der Kubanische Revolution (1953-1959) herum, die f\u00fcr eine noch radikale Umverteilung der \u00c4cker steht&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.memoriachilena.gob.cl\/602\/w3-article-98588.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Inquilinos en la hacienda de Su Excelencia<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Frankreich: Verarmtes Zentrum, umk\u00e4mpfte Peripherie<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3036\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/4_Abb\u00e9_Pierre_1955-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/4_Abb\u00e9_Pierre_1955-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/4_Abb\u00e9_Pierre_1955-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/4_Abb\u00e9_Pierre_1955.jpg 953w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Europa k\u00e4mpft zu Beginn der 1950er Jahre derweil noch immer mit den Folgen des 2. Weltkriegs. Auch hier sind gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung verarmt, in Paris grassieren, unbeachtet von der urbanen Bourgeoisie, Hunger und Obdachlosigkeit. Gerade hat der 27-j\u00e4hrige Henri Antoine Grou\u00e8s, der sp\u00e4ter in aller Welt als Abb\u00e9 Pierre bekannt werden sollte, die Wohlt\u00e4tigkeitsorganisation Emmaus gegr\u00fcndet. Er teilt seinen relativen Wohlstand mit den \u00c4rmsten und versucht das Land auf die soziale Misere aufmerksam zu machen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;Eine Frau ist heute fr\u00fch auf dem B\u00fcrgersteig des Boulevards von Sebastopol erfroren, in der Hand hielt sich noch immer den Ausweisungsbescheid aus ihrer Wohnung,\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3040\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/5_Portada_Revista_Tiers_Monde.jpeg\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"281\" \/>emp\u00f6rt sich Abb\u00e9 Pierre w\u00e4hrend des harten Winters 1954 im Sender Radio Luxembourg.<\/p>\n<p>\u201cWir k\u00f6nnen nicht akzeptieren, dass Menschen wie sie weiterhin sterben. M\u00f6ge so viel Schmerz die wunderbare Seele Frankreichs erwecken!\u201d<\/p>\n<p>Die Wut des \u00fcberkonfessionellen Kapuziner-Aktivisten richtet sich auch gegen die herrschenden Verh\u00e4ltnisse in jenem Teil der Erde, der zu dieser Zeit als \u201eDritte Welt\u201c bezeichnet wird. Gemeinsam mit dem Soziologen Yves Goussault gr\u00fcndet er Iram (Institut de recherche et d&#8217;application de m\u00e9thodes de d\u00e9veloppement), ein Forschungsinstitut, um praktische Aktionen gegen das globale Elend anzuleiten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.cairn.info\/article.php?ID_ARTICLE=RTM_176_0951#\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hommage Yves Goussault in Revue Tiers Monde_2003_4<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3042\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/7_Briefmarke_Unabha\u0308ngigkeit_Marroko.jpg\" alt=\"\" width=\"230\" height=\"297\" \/>1956 nehmen Goussault und einige Mitstreiter im gerade unabh\u00e4ngig gewordenen Marokko die Arbeit auf. W\u00e4hrend die franz\u00f6sischen Regierungen ihre Kolonien nur ungern aufgeben und in Algerien sogar Krieg f\u00fchren, schauen junge Absolventen der Agrarschulen wie Dominique Genty mit anderen Augen nach Afrika: Sie wollen den jungen Staaten beim Weg in die Unabh\u00e4ngigkeit helfen, sie als Fachkr\u00e4fte von Iram bei der l\u00e4ndlichen Entwicklung unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie meisten Leute bei Iram waren politisch vom Algerienkrieg gepr\u00e4gt, der uns in mehrfacher Hinsicht Sorgen bereitete. Wir haben die Epoche der Unabh\u00e4ngigkeitsk\u00e4mpfe gelebt, unsere Generation war f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit. Und so schien es ganz nat\u00fcrlich zu sagen: Das Ziel unserer Generation ist es, beim Aufbau der Unabh\u00e4ngigkeit zu helfen. Wir waren technisch interessiert, aber ich denke, dass wir auch politisch alle sensibel f\u00fcr die Entwicklungsprobleme waren, die die Unabh\u00e4ngigkeit mit sich brachte: die Ausbildung von Nationalkadern, andere Beziehungen zu den Bauern usw.\u201c<\/p>\n<div style=\"width: 640px;\" class=\"wp-video\"><video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-3081-1\" width=\"640\" height=\"360\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/8_Dominique_Genty.mp4?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/8_Dominique_Genty.mp4\">https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/8_Dominique_Genty.mp4<\/a><\/video><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>USA: Eine Allianz f\u00fcr den Fortschritt f\u00fcr Ruhe im Hinterhof<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3049\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/9_Kennedy.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"963\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/9_Kennedy.jpg 1000w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/9_Kennedy-300x289.jpg 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/9_Kennedy-768x740.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Politisches Aufbegehren in Afrika, b\u00e4rtige Guerilleros in der Karibik \u2013 die USA sehen sich in ihrer Rolle als Weltpolizist unter Zugzwang. 1961, im gleichen Jahr als Franz Fanon in seinem bekannten Werk Die Verdammten dieser Erde offen zum Kampf gegen den Kolonialismus und Imperialismus aufruft, wendet sich US-Pr\u00e4sident John F- Kennedy in einer Fernsehansprache an die Bewohner*innen Lateinamerikas:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cIn ganz Lateinamerika, einem Kontinent, der reich an Ressourcen und an den spirituellen und kulturellen Errungenschaften seiner Menschen ist, leiden Millionen von M\u00e4nnern und Frauen unter den t\u00e4glich Erniedrigungen von Armut und Hunger. Es fehlt ihnen an einer angemessenen Unterkunft oder am Schutz vor Krankheiten. Ihre Kinder werden der Bildung oder der Arbeit beraubt, die das Tor zu einem besseren Leben sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Deshalb rufe ich alle Menschen der Hemisph\u00e4re auf, sich einer neuen Allianz f\u00fcr den Fortschritt &#8211; Alianza para [el] Progreso &#8211; anzuschlie\u00dfen, einer gewaltigen kooperativen Anstrengung, die in Gr\u00f6\u00dfe und Zweckm\u00e4\u00dfigkeit beispiellos ist, um die Grundbed\u00fcrfnisse der amerikanischen Bev\u00f6lkerungen nach Haus, Arbeit und Land, Gesundheit und Schulen &#8211; Techo, Trabajo y Tierra, Salud y Escuela &#8211; zu befriedigen.\u201d<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3052\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/10_Campo_Karl_Jagare.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"1279\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/10_Campo_Karl_Jagare.jpg 1920w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/10_Campo_Karl_Jagare-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/10_Campo_Karl_Jagare-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/10_Campo_Karl_Jagare-1024x682.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><br \/>\nTierra \u2013 Land ist ein Bed\u00fcrfnis, dem in Lateinamerika vor allem der Gro\u00dfgrundbesitz im Wege steht. In Chile konzentrieren noch Mitte der 1950er Jahre 10.000 L\u00e4ndereien 80 Prozent aller Agrarfl\u00e4chen, w\u00e4hrend die H\u00e4lfte der Bauern \u00fcberhaupt kein Land besitzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3054\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/11_Marmaduke_Grove_Vallejo_Cropped-208x300.png\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/11_Marmaduke_Grove_Vallejo_Cropped-208x300.png 208w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/11_Marmaduke_Grove_Vallejo_Cropped.png 301w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/>Und diese soziale Ungleichheit hat Folgen: die seit den 1920er Jahren aktiven Landarbeitergwerkschaften (Ligas Campesinas) bekommen Zulauf und linke Parteien, wie die 1933 gegr\u00fcndete Sozialistische Partei (Ps), finden auch auf dem Land Unterst\u00fctzung. So muss die seit 1958 regierende liberal-konservative Koalition von Pr\u00e4sident Jorge Alessandri bei den Parlamentswahlen 1961 gro\u00dfe Verluste hinnehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Regierung kann nicht l\u00e4nger die soziale Frage auf dem Land ignorieren \u2013 noch dazu wo die USA nun unverhohlen droht, allen L\u00e4ndern die Wirtschaftshilfe zu streichen, die keine strukturellen Ver\u00e4nderungen einleiten.<\/p>\n<h4>Barraclough und die Blumentopfreform<\/h4>\n<p>1962 erl\u00e4sst Alessandri schlie\u00dflich ein Gesetz dass in Chile heute als \u201eBlumentopfreform\u201c bekannt ist. Statt weitreichender Ver\u00e4nderungen umfasst es einige Absichtserkl\u00e4rungen, macht theoretisch zwar Enteignungen m\u00f6glich, f\u00fchrt unterm Strich jedoch nur zum Kauf und der Umverteilung von 50.000 Hektar Land \u2013 damals gerade mal ein Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4che.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor allem die Gro\u00dfgrundbesitzer \u2013 oftmals direkt vertreten im Kongress \u2013 setzen alles daran, die Landbev\u00f6lkerung \u00fcber ihre neuen Rechte im Unklaren zu lassen. Flugbl\u00e4tter werden zerst\u00f6rt, Gewerkschaftern der Zugang auf ihr G\u00fcter verwehrt. So schmuggeln Kinder und Jugendlich wie Francisca Rodr\u00edguez die Nachrichten zu den Arbeiter*innen:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"12_Francisca_Rodr\u00edguez\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430139373?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eWir waren diejenigen, die rein konnten. [\u2026] Wir waren es gewohnt, Propaganda zu schmuggeln. Und die Propaganda war immer mit Zeichnungen versehen, weil die Bauern nicht lesen konnten. Die Felder der Landg\u00fcter lagen hinter verschlossenen Toren. Nur wir konnten rein und \u00fcber mittern\u00e4chtliche Treffen informieren. Es war eine absolut geheime Arbeit. [\u2026] Zuerst habe ich die Boteng\u00e4nge unbewusst gemacht, wie so viele Dinge auf dem Land, die einem einfach befohlen wurden. In meinem Fall schickte mich mein Gro\u00dfvater. Er war einer der ersten Anarchosyndikalisten.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trotz aller Unzul\u00e4nglichkeiten legt das neue Gesetz den Grundstein f\u00fcr das Nationale Institut f\u00fcr landwirtschaftliche Entwicklung (Indap), den Rat f\u00fcr landwirtschaftliche Entwicklung (Consfa) und das staatliche Unternehmen Cora \u2013 sp\u00e4ter, unter anderen politischen Vorzeichen, allesamt wichtige Instrumente einer progressiven Agrarpolitik. Gemeinsam mit dem interamerikanischen Komitee f\u00fcr Agrarentwicklung (Cida) ver\u00e4ndern diese Organisationen allm\u00e4hlich den Blick der Stadtbewohner*innen auf das Landleben, erinnert sich der damalige Student Luis Salinas:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"13_Luis_Salinas\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430139531?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eDie Frage der Agrarreform stellte sich aus akademischer Sicht so: wir k\u00f6nnen keine vern\u00fcnftige Landwirtschaft betreiben, wenn der Staat nur den Interessen einiger Weniger dient und die Produktion auf verwaisten Fl\u00e4chen mit geringen Ertr\u00e4gen stattfindet. Dazu kamen die technischen Berichte, im Jahre 1965 dann auch eine Studie von Cida, die offen sagte, die Landverteilung in Chile sei schlicht ein Skandal.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-3099\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/14_Solon_Barraclough-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Treibende Kraft hinter vielen dieser Berichte ist der Harvard-Absolvent Solon Barraclough, der sich zuvor als kritischer \u00d6konom in den S\u00fcdstaaten der USA einen Namen gemacht hatte, wo er sich auch f\u00fcr Landlose und Tagel\u00f6hner einsetzte.<\/p>\n<h4>Die Frankreich-Brasilien-Connection<\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/cpdoc.fgv.br\/producao\/dossies\/Jango\/artigos\/NaPresidenciaRepublica\/A_questao_agraria_no_governo_Jango\">Agrarreform Brasilien<\/a><\/p>\n<p>Auch Iram bereitete 1963 erste Eins\u00e4tze in Lateinamerika vor. In Paris wirbt der junge chilenische Agrarwirt Jacques Chonchol, der gerade an der Sorbonne promoviert, f\u00fcr einen Einsatz in Chile. Doch die Leitung von Iram will lieber nach Brasilien gehen, wo die Regierung von Jo\u00e3o \u201eJango\u201c Goulart im M\u00e4rz 1964 eine gro\u00dfe Enteignung und Umverteilung von Ackerland ank\u00fcndigt \u2013 und deshalb nur drei Wochen sp\u00e4ter von putschenden Milit\u00e4rs ins Exil getrieben wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Also doch Chile. Ein Berater des franz\u00f6sischen Au\u00dfenministeriums empfiehlt in Kontakt mit einem gewissen \u201eChonchol\u201c zu treten, der zur\u00fcck in Santiago gerade Vizedirektor des Indap geworden ist und nur zur gern internationale Helfer ins Land holen will&#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3101\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/17_Chonchol.jpg\" alt=\"\" width=\"1051\" height=\"686\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/17_Chonchol.jpg 1051w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/17_Chonchol-300x196.jpg 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/17_Chonchol-768x501.jpg 768w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/17_Chonchol-1024x668.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1051px) 100vw, 1051px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Die Agrarreform der Christdemokraten<\/h4>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.memoriachilena.gob.cl\/archivos2\/pdfs\/MC0055720.pdf\">PDF Revista Campo lindo<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit 1964 regiert in Chile Eduardo Frei Montalva von der Christdemokratischen Partei (Dc). Fortschrittliche Geistliche der Katholischen Kirche organisieren f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung schon seit l\u00e4ngerem Bildungsangebote und unterst\u00fctzen sie bei arbeitsrechtlichen Forderungen. Mit einem zweiten Gesetz erweitert die Regierung Frei 1967 die Agrarreform entscheidend. Die Enteignung und Umverteilung von Land sollen erleichtert werden und die Grundversorgung der Bev\u00f6lkerung weiter verbessert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Weiterbildungsinstitut Incira (das dem Indap angeh\u00f6rt) treffen bald auch die ersten Agrarwirte aus Frankreich ein. Olivier Delahaye von Iram erinnert sich gut an den ersten Kulturschock:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"19_Olivier_Delahaye\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430139672?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201cIn Chile hatten wir einen ganz anderen Kontext, als in Algerien oder im Niger. Dort gab es eine, wie es schien, fest verwurzelte Latifundienstruktur. Mit den chilenischen Bauern zu arbeiten war etwas ganz anderes. Die chilenischen Bauern hatten die Idee eines Patrons, eines Herren verinnerlicht. Zu Beginn der Agrarreform redeten sie oft auch die Leiter der Agrarsiedlungen, die von der Beh\u00f6rde geschickt wurden, mit \u201ePatron\u201c oder \u201eChef\u201c an. Wo sollte man da machen? Es war ein bisschen kompliziert und wir dachten damals, dass man wohl ganz unten anfangen m\u00fcsse.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-3102\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20_Paulo_Freire-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p>Ganz unten, das hei\u00dft die Menschen darin zu st\u00e4rken, selbst zu entscheiden. Lesen und Schreiben sind dabei wichtige Voraussetzungen, die jedoch die wenigsten Landarbeiter*innen beherrschen. Dieser Aufgabe widmet sich der brasilianische P\u00e4dagoge Paulo Freire, der gemeinsam mit vielen weiteren Exilenten bei Incira t\u00e4tig wird, darunter Minister und Berater der gest\u00fcrzten Regierung Goularts. Gemeinsam bringen sie viel technische Expertise f\u00fcr Agrarfragen mit. Und Freire sorgt neben speziellen Alpahebtisierungskursen auch daf\u00fcr, dass die technischen Weiterbildungen f\u00fcr alle verst\u00e4ndlich sind, erinnert sich Francisca Rodr\u00edguez:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"21_Francisca_Rodr\u00edguez\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430139917?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eDie gesamte Struktur des staatlichen Ausbildungsinstituts Incira wurde von Paulo Freire konzipiert. Er schuf ein ganzes System aus Schaubildern. Ich denke bis heute daran, die waren sehr sch\u00f6n gemacht und vor allem f\u00fcr die Alphabetisierung n\u00fctzlich. Die Grafiken waren ebenso entscheidend wie die Alphabetisierungslehrer. Es gab richtige Alphabetisierungsbrigaden. Nicht nur Paulo Freire, sondern alle, sahen Bildung immer aus Sicht der l\u00e4ndlichen Gemeinden und ihrer Organisation.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr die regierende Dc ist es wichtig, bei all diesen Ver\u00e4nderungen tonangebend zu bleiben, denn die Landbev\u00f6lkerung bildet f\u00fcr sie eine wachsende W\u00e4hlerbasis. Seit 1949 k\u00f6nnen in Chile auch Frauen w\u00e4hlen. Ihre politische Organisation ist jedoch gering, die Rollenverteilung eindeutig: Gerade mal sechs Prozent der l\u00e4ndlichen Gewerkschaftsmitglieder sind zu dieser Zeit Frauen. In sogenannten \u201eM\u00fctterzentren\u201c (Centros de Madres) soll deshalb auch die weibliche Landbev\u00f6lkerung einen Raum f\u00fcr Begegnungen und Bildung erhalten. Alicia Mu\u00f1oz, die seit klein auf als Hilfskraft f\u00fcr eine Gutsherrin arbeitete, warnt davor diese Orte wegen ihres wenig emanzipativen Titels vorschnell abzulehnen:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"22_Alicia_Mu\u00f1oz\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430139808?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eDer Besuch des M\u00fctterzentrums war f\u00fcr mich von grundlegender Bedeutung. Denn hier traf ich Menschen aus Kleinst\u00e4dten, die den Prozess der Agrarreform unterst\u00fctzten, die uns Lesen und Schreiben beibrachten. Sie waren unsere Lehrer.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zugleich kn\u00fcpfen in diesen Kursen auch die Frauen vom Land einen engeren Kontakt:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"23_Alicia_Mu\u00f1oz\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430142130?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eZum ersten Mal konnte wir aus den H\u00e4usern raus und uns an einem \u00f6ffentlichen Ort treffen. Das M\u00fctterzentrum war klein aber wir konnten hier \u00fcber verschiedene Dinge sprechen. Denn sonst lebten wir alle in weit entfernten H\u00e4usern. Um uns zu besuchen, und sei es nur um ein Huhn zu verschenken, mussten wir viele Kilometer laufen. Manchmal ging f\u00fcr so einen Besuch der ganze Tag drauf oder du musstest von vornherein eine \u00dcbernachtung einplanen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was die Enteignungen angeht kommt die Agrarreform jedoch nicht so schnell voran wie geplant. Auch wenn bis zum Ende von Freis Regierungszeit \u00fcber drei Millionen Hektar Land sozialisiert werden, macht das insgesamt nur 13 Prozent aller Anbaufl\u00e4chen aus. Die Christdemokraten versuchen sich in einem schwierigen Spagat: sie wollen die Forderungen der Bauern nicht der politischen Linken \u00fcberlassen und es sich zugleich nicht mit der l\u00e4ndlichen Oligarchie verscherzen. Als eine \u201eRevolution in Freiheit\u201c verkauft Frei diese Idee \u2013 doch bei den Gro\u00dfgrundbesitzern kann er damit wenig punkten, schreibt der engagierte \u00d6konom Solon Barraclough 1968:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWissen Sie, was viele der traditionellen Grundbesitzer in Chile, die in letzter Zeit durch eine \u00e4u\u00dferst bescheidene Agrarreform etwas Land verloren haben, am meisten ver\u00e4rgert? Wissen sie, warum sie bereit w\u00e4ren, fast alles zu tun, um das wieder r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen? Es ist nicht so sehr der Verlust von Reichtum oder gar Land, sondern, dass die Campesinos nicht mehr so bescheiden und ehrerbietig sind.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch junge Christdemokraten wie der Agrarwirt Luis Salinas verlieren Ende der 1960er Jahre so langsam die Geduld mit der Dc. Es kommt zu einer Reihe von Parteiaustritten und 1969 gr\u00fcnden die Dissidenten \u2013 unter ihnen auch Jacques Chonchol \u2013 die Bewegung der Unitaren Volksaktion (kurz: Mapu). F\u00fcr Salinas und die anderen ist klar: die Agrarreform muss mit anderen Mitteln fortgesetzt werden:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"24_Luis_Salinas\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430142556?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eDa der Prozess nicht in Gang kam, weil die Agrarunternehmer sich in den Tarifverhandlungen nicht bewegten, dr\u00e4ngten die Bauern auf andere Mittel. Sie begannen L\u00e4ndereien zu besetzten. Die Presse kam und berichtete ausf\u00fchrlich. Studenten kamen, um sie zu unterst\u00fctzen. Auch andere Arbeiterorganisationen gingen hin, und die Mapu stand auch dahinter. Alle besuchten die Besetzungen und zeigten ihre Solidarit\u00e4t.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der christdemokratische Interessenausgleich ist gescheitert. Zwischen 1968 und 1970 nimmt die Zahl der Landarbeiterstreiks um ein zehnfaches zu, auf ganze 1.580 Arbeitsniederlegungen. Die Besetzung von \u00c4ckern vervierfacht sich im selben Zeitraum auf fast 2.000. Unter den angeeigneten Fl\u00e4chen befinden sich auch L\u00e4ndereien im S\u00fcden des Landes, die den Mapuche-Indigenas seit dem 19. Jahrhundert von Siedlern europ\u00e4ischer Abstammung gewaltsam geraubt worden. Nun stehen einige Mapuche Seite an Seite mit Aktivist*innen der Bewegung der revolution\u00e4ren Linken (MIR) und machen Anspr\u00fcche geltend&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3103\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/25_Mujer_mapuche_Hall.jpg\" alt=\"\" width=\"1821\" height=\"1188\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/25_Mujer_mapuche_Hall.jpg 1821w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/25_Mujer_mapuche_Hall-300x196.jpg 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/25_Mujer_mapuche_Hall-768x501.jpg 768w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/25_Mujer_mapuche_Hall-1024x668.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1821px) 100vw, 1821px\" \/><\/p>\n<h4>Ein neuer Aufbruch auf dem Land<\/h4>\n<p><a href=\"http:\/\/www.socialismo-chileno.org\/PS\/quimantu\/Nosotros\/03.La.lucha.por.la.tierra..pdf\"> QUIMANTU Nosotros los chilenos. La lucha por la tierra<\/a><\/p>\n<p>1970 ist in Chile Wahljahr, an dass die Schriftenreihe Nosotros los Chilenos im Band \u201eDer Kampf ums Land\u201c (La Lucha por la tierra) r\u00fcckblickend so erinnert:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie ersten Monate des Jahres 1970 vergingen und das Datum der Pr\u00e4sidentschaftswahlen, die die Zukunft Chiles bestimmen sollten, r\u00fcckte n\u00e4her. Die Gro\u00dfgrundbesitzer wurden immer wagemutiger und hofften auf eine erneute Wahl des inzwischen senilen Jorge Alessandri. Es wurde bereits offen \u00fcber die auf den Haciendas gelagerten Waffenarsenale gesprochen, \u201aum sich vor Enteignungen zu sch\u00fctzen\u2018. Doch Angesichts der Mobilmachung der Patrone vervielfachte sich die Besetzungen von Besitzt\u00fcmern, vor allem in den Provinzen Caut\u00edn und Vald\u00edvia.\u201c<\/p>\n<p>Der Kandidat der Dc, Radomir Tomic versucht eine Mehrheit f\u00fcr die Fortsetzung der Regierungsarbeit zu finden, verspricht zudem die Agrarreform zu intensivieren \u2013 vergeblich. Am Ende entscheidet das linke B\u00fcndnis Unidad Popular (UP) um den Sozialisten Salvador Allende die Abstimmung f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>Im Ma\u00dfnahmenkatalog der UP hei\u00dft es unter Punkt 24:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>EINE ECHTE AGRARREFORM<\/p>\n<p>Wir werden die Agrarreform vertiefen, die auch den Mittel- und Kleinbauern, Kleinunternehmern, Zwischenh\u00e4ndlern, Angestellten und Au\u00dfenstehenden zugute kommen wird. Wir werden die Agrarkredite ausweiten. Wir werden einen Markt f\u00fcr alle landwirtschaftlichen Produkte sicherstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3107\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/28_Programa_UP.png\" alt=\"\" width=\"776\" height=\"1100\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/28_Programa_UP.png 776w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/28_Programa_UP-212x300.png 212w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/28_Programa_UP-768x1089.png 768w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/28_Programa_UP-722x1024.png 722w\" sizes=\"auto, (max-width: 776px) 100vw, 776px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.abacq.net\/imagineria\/medidas.htm\">40 Medidas PDF<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch die Vertiefung der Agrarreform entpuppt sich schwierig. Tagel\u00f6hner haben oft andere Visionen vom Landleben als Kleinbauern. Und die Parteien der Regierungskoalition verkomplizierten diese Debatten auf ihre Weise, erinnert sich Olivier Delahaye von Iram:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"30_Olivier_Delahaye\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430143013?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eDie Unidad Popular war ja ein B\u00fcndnis aus sieben Parteien. Und es gab etwas ganz Fatales, n\u00e4mlich Quotenreglungen. Mit anderen Worten, \u00fcberall wurden Verantwortliche strikt nach dem bei den Wahlen erzielten Stimmenproporz registriert, gew\u00e4hlt und ernannt \u2013 auf allen Ebenen, bis hin zur lokalen. Das war wirklich katastrophal.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alicia Mu\u00f1oz dagegen meint, dass die Agrareform mit dem Regierungsantritt der UP eine neue Qualit\u00e4t entwickelt, besonders f\u00fcr die Frauen \u2013 und trotz aller Parteiquerelen:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"31_Alicia_Mu\u00f1oz\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430143364?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eIn der Zeit der Unidad Popular hab ich gelernt was Unterst\u00fctzung von Au\u00dfen hei\u00dft, vor allem von den Frauen in den Agrarkommissionen der Parteien. Die Agrarkommission der Sozialistischen Partei war f\u00fcr mich sehr wichtig. Deren Agrarwirtinnen, die aufs Land kamen, beteiligten sich auch an Bildungsma\u00dfnahmen. Aber sie wollten die B\u00e4uerinnen nat\u00fcrlich ebenfalls f\u00fcr ihre Parteien gewinnen und ich lernte, was eine politische Partei eigentlich ist. Ich denke, wenn zuerst die Kommunistische Partei gekommen w\u00e4re, w\u00e4re ich Kommunistin geworden, denn wir waren alle ziemlich naiv. Was uns an den Parteien gefiel war vor allem ihre Haltung, ihre Solidarit\u00e4t.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Agrarwirt Luis Salinas ist in dieser Zeit viel in den l\u00e4ndlichen Siedlungen unterwegs und versucht zu vermitteln. Gerade die hitzigen Debatten dar\u00fcber, ob nach den Enteignungen eine individuelle Aufteilung des Landes oder der Aufbau von Genossenschaftsmodelle erfolgen soll, h\u00e4tte anfangs unn\u00f6tig Kraft gekostet:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"32_Luis Salinas\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430144533?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eIm Grunde war das eine recht theoretische Frage. Denn laut Gesetz gab es ohnehin eine dreij\u00e4hrige \u00dcbergangszeit zwischen der Enteignung und der Vergabe von Landtiteln. In dieser Zeit sollten die Bauer beginnen selbst das Land zu verwalten. [\u2026] Ich glaube, dass alle Techniker der Meinung waren, der beste Weg sei es, dass Land in Form von Genossenschaften zu organisieren. F\u00fcr die Produktion h\u00e4tte so ein gro\u00dffl\u00e4chigerer Ma\u00dfstab Vorteile gebracht. Aber viele Campesinos waren dagegen, die dachten eher individuell und waren es gewohnt, ein kleines St\u00fcck Land zu beackern&#8230;\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um diese endlose Eigentumsdebatte zu beenden, lenkt auch das Agrarministerium \u2013 inzwischen geleitet von Jacques Chonchol \u2013 den Blick immer wieder auf Weiterbildung und Selbstverwaltung. Kein einfaches Unterfangen, erinnert sich Olivier Delahaye:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"33_Olivier_Delahaye\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430144750?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eEine gro\u00dfartige Idee kam von einem Chilenen, Gonzalo Pugas, der zu mir sagte: \u201aSchau, nimm die gro\u00dfen Packpapierb\u00f6gen hier und die Filzstifte. Die Bauern sollen selbst berechnen, wie ihre wirtschaftliche Bilanz im letzten Jahr ausgefallen ist und einen Wirtschaftsplan f\u00fcr das kommende Jahr machen. Sie sollen alle Kosten des Anbaus mit ihren eigenen Daten kalkulieren.\u2018 Das war au\u00dfergew\u00f6hnlich und zweifellos eine gro\u00dfe Entdeckung \u2013 f\u00fcr die Bauern ebenso wie f\u00fcr uns. Ein Bauer, mit einem Filzstift in der Hand, f\u00fchlte sich gest\u00e4rkt. Und im Gespr\u00e4ch wussten die Genossen pl\u00f6tzlich, wie sie ihre Projekte ausarbeiten mussten. Das war ein gro\u00dfer Erfolg, Sp\u00e4ter entstand aus dieser Erfahrung auch ein Handbuch, das Blaue Buch, wenn ich mich recht erinnere.\u201c<\/p>\n<h4>Beschleunigte Enteignungen, mangelnde Maschinen, neuer Streit<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/1971_11_LA_NACION_Impacto-de-\u201cpunto-final\u201d-con-entrevista-de-Debray-a-Allende_51971_12_LA_NACION_Nacionalizaci\u00f3n-del-cobre-se-votar\u00eda-antes-del-7-de-abril_5..jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"450\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1486\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/1971_11_LA_NACION_Impacto-de-\u201cpunto-final\u201d-con-entrevista-de-Debray-a-Allende_51971_12_LA_NACION_Nacionalizaci\u00f3n-del-cobre-se-votar\u00eda-antes-del-7-de-abril_5..jpg 320w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/1971_11_LA_NACION_Impacto-de-\u201cpunto-final\u201d-con-entrevista-de-Debray-a-Allende_51971_12_LA_NACION_Nacionalizaci\u00f3n-del-cobre-se-votar\u00eda-antes-del-7-de-abril_5.-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/es\/compras-para-el-socialismo\/\">1971_KW12 <\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/1971_16_LA_NACION_Trabajadores-del-agro-firmes-junto-a-campa\u00f1a-de-produccion_7.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"450\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1497\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/1971_16_LA_NACION_Trabajadores-del-agro-firmes-junto-a-campa\u00f1a-de-produccion_7.jpg 320w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/1971_16_LA_NACION_Trabajadores-del-agro-firmes-junto-a-campa\u00f1a-de-produccion_7-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/es\/violentos-enfrentamientos-en-el-campo\/\">1971_KW16<\/a><\/p>\n<p>Ein halbes Jahr nach dem Amtsantritt Allendes hat die Regierung bereits 750.000 Hektar Land f\u00fcr die Agrarreform enteignet. Die \u00dcbergabe der Fl\u00e4chen l\u00e4uft nicht immer ohne Konflikte ab. Mal zerst\u00f6ren die ehemaligen Eigent\u00fcmer mutwillig Bew\u00e4sserungsanlagen oder Produktionsmittel, mal sind die fr\u00fcheren Herrenh\u00e4user Ziel von Angriffen, erinnert sich Francisca Rodr\u00edguez:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"36_Francisca_Rodr\u00edguez\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430145419?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eEs gab viel Hass und Wut. Manchmal r\u00e4chten sich die Bauern, indem sie das Haus der fr\u00fcheren Eigent\u00fcmer niederbrannten. Dabei h\u00e4tte das Haus des Patrons auch ein Gemeindezentrum oder eine Schule werden k\u00f6nnen. Klar, aber ihre Reaktion nach all den Jahren der Unterwerfung war leidenschaftlich und trieb die Menschen zu solchen Aktionen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oftmals k\u00f6nnen die Latifundisten einen Teil ihres Landes behalten, wobei sie dann nat\u00fcrlich die fruchtbarsten Fl\u00e4chen w\u00e4hlen und dort alle mobilen Ger\u00e4tschaften und Maschinen zusammentragen, um sie vor der Verstaatlichung zu sch\u00fctzen. Auch deshalb kann die Agrarreform ihr Ziel einer raschen Produktionssteigerung nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einfach neue Traktoren im Ausland zu kaufen, entpuppt sich als ein doppeltes Problem. Der chilenische Peso verliert 1971 zunehmend an Wert. Au\u00dferdem verhindert die US-Regierung von Richard M. Nixon gezielt den Export landwirtschaftlicher Maschinen nach Chile. Der Ausweg hei\u00dft Universal-650: ein orangefarbener Traktor made in Rumania, von dem die chilenische Regierung 10.000 St\u00fcck bestellt. Doch der Einsatz des unbekannten Gef\u00e4hrts ist nicht einfach, schildert der Landarbeiter Lucho Montoya r\u00fcckblickend im Buch Viaje a las Estepas:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;Sie kamen, um den Traktor abzuholen, und als sie auf ihrem Feld ankamen, blieb er stehen. Die Treckerfahrer wussten wohl nicht, wie sie ihn Instand halten mussten und hatten vergessen genug \u00d6l nachzuf\u00fcllen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ebenso schwierig wie die rum\u00e4nischen Traktoren am Laufen zu halten, ist es die Bauern und B\u00e4uerinnen f\u00fcr eine kollektive Produktionsweise zu gewinnen \u2013 f\u00fcr Olivier Delahaye von Iram eines der Haupthindernisse:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"40_Olivier_Delahaye\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430145511?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eDas Problem in einem kollektiven Unternehmen ist, dass viele Menschen dort nicht unbedingt fanatisch der Arbeit nachgehen, ganz im Gegenteil. Wie bringt man also Menschen dazu, zu arbeiten? Mit ideologischen Argumenten funktioniert das nicht. Am besten lief es dort, wo unter den neu angesiedelten Bauern auch ein fr\u00fcherer Vorarbeiter lebte. Dann war es sehr einfach, der Vorarbeiter legte z.B. fest, 600 Meter Salat pro Stunde zu j\u00e4ten. Das war eine klare Ansage, die alle verstanden.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Mangel an Maschinen und Motivation wird vielerorts mit Arbeitseins\u00e4tzen von Freiwilligen ausgeglichen. Nicht nur aus Chile, auch aus Argentinien und Uruguay kommen in den Sommerferien junge Helfer*innen aufs Land. Francisca Rodr\u00edguez ist bis heute begeistert von dieser solidarischen Zusammenarbeit:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"41_Francisca Rodr\u00edguez\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430145667?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201cDie gr\u00f6\u00dfte Unterst\u00fctzung waren die Studierenden und Freiwilligen die aufs Land kamen. Die Freiwilligenbrigaden. Es wurden auch riesige Bauvorhaben umgesetzt. Ich hab mich erst neulich wieder gefragt, was ist eigentlich aus dem Cabildo-Zug geworden? 2000 junge Leute, Studierende und Dorfbewohner arbeiteten damals einen ganzen Sommer lang am Bau eines Staudamms, der eine bessere Bew\u00e4sserung garantieren sollte. Auch viele weitere Arbeiten wurden von den jungen Leuten \u00fcbernommen, die aufs Land kamen: der Bau von Schulen, Alphabetisierungskurse und Ernteeins\u00e4tze. Die Freude, das Gef\u00fchl dabei zu sein, war unvergleichlich. Wir f\u00fchlten uns alle wie Helden, bei dem, was wir taten.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den Held*innen schl\u00e4gt Ende 1971 neuer Widerstand entgegen. Im Parlament hat die Vertiefung der Agrarreform viele politische Gegner, auch in Reihen der Christdemokraten, Die Dc ist l\u00e4ngst in der Opposition aktiv. Zudem gibt es erste Anschl\u00e4ge von paramilit\u00e4rischen Gruppen, um Produktion und Versorgung zu sabotieren. So zerst\u00f6ren Unbekannte bei einem Brandanschlag im November Tausende Tonnen Lebensmittel, die f\u00fcr den Einzelhandel in Valparaiso bestimmt waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 19. November verk\u00fcndet die Bewegung der revolution\u00e4ren Linken (MIR), an ihren Besetzungen f\u00fcr eine \u201erevolution\u00e4re Agrarreform\u201c festzuhalten. Solidarisch beteiligen sich auch Menschen aus der Stadt, unter ihnen Internationalisten, wie der deutsche Soziologe Klaus Meschkat:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"43_Klaus_Meschkat\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430682376?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eIch erinnere mich, dass ich das Leben auf dem Land nie mochte \u2013 ich bin ein Stadtmensch. Aber einmal gingen wir nach Temuco, um an einer Aktion des MIR [Bewegung der Revolution\u00e4ren Linken) teilzunehmen. Wir waren keine Mitglieder, eher Sympathisanten. Ich war mit einem befreundeten Journalisten aus Deutschland unterwegs und gemeinsam machten wir bei der Besetzung einer Hacienda in der N\u00e4he von Temuco mit. Die Nacht verbrachten wir in einem Zelt. Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich die Nacht in einem Zelt verbrachte. Und ich werde diese Erfahrung sicher nicht wiederholen. Aber f\u00fcr die gute Sache, wie die Besetzung einer Hacienda, da macht man eben verr\u00fcckte Dinge.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 13. Dezember schlagen regionale Gruppen der Unidad Popular und die Bewegung der revolution\u00e4ren Linken (MIR) im \u201eAbkommen von Linares\u201c eine gemeinsame Linie f\u00fcr Enteignungen im Agrarsektor vor. Die Idee: die sofortige Aufl\u00f6sung allen privaten Gro\u00dfgrundbesitzes und die entsch\u00e4digungslose Kollektivierung aller Agrarfl\u00e4chen ab einer Gr\u00f6\u00dfe von 40 Hektar. Die Kommunistische Partei erkl\u00e4rt den Vorschlag als nichtig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1678\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/1971_46_EL_CLARIN_La-clase-obrera-y-campesina-principales-figuras-en-la-exposicion-de-la-Hacienda-Publica-hecha-por-el-Ministro-Zorrilla_3.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/1971_46_EL_CLARIN_La-clase-obrera-y-campesina-principales-figuras-en-la-exposicion-de-la-Hacienda-Publica-hecha-por-el-Ministro-Zorrilla_3.jpg 320w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/1971_46_EL_CLARIN_La-clase-obrera-y-campesina-principales-figuras-en-la-exposicion-de-la-Hacienda-Publica-hecha-por-el-Ministro-Zorrilla_3-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/es\/juntas-de-abastecimiento-y-disputa-sobre-el-curso-de-colectivizacion\/\">1971_KW46<\/a><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1673\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/1971_45_EL_SIGLO_\u00a1BIENVENIDO_13.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/1971_45_EL_SIGLO_\u00a1BIENVENIDO_13.jpg 320w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/1971_45_EL_SIGLO_\u00a1BIENVENIDO_13-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/es\/cerca-de-una-nueva-alianza\/\">1971_KW50<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Noch mehr Brasilianer&#8230;<\/h4>\n<p>Anfang 1972 beteiligen sich bereits hunderte internationale Unterst\u00fctzer*innen an der Agrarreform. Da sind zum Beispiel die Agrarwissenschaftler der University of California, die den Handelsboykott ihrer Regierung zu lindern suchen und ihre Erfahrungen mit einem vergleichbaren Klima einbringen. Oder auch Bew\u00e4sserungsexperten der israelischen Kibuzbewegung, die im Valle de Choapa ein bis heute genutztes Kanalsystem anlegen. Auch ehemalige internationale Kommilitonen von Luis Salinas beteiligen sich:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"48_Luis_Salinas\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430146819?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df zum Beispiel, dass ich Kollegen in der Agrarschule hatte, die aus Ecuador oder Haiti kamen und sp\u00e4ter auf den Feldern arbeiteten oder auch in landwirtschaftlichen Institutionen in leitenden Positionen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu diesem Expertenkreis gesellen sich bald mehr und mehr Fl\u00fcchtende. In Uruguay wird die militante Linke, vor allem die Tupamaru-Guerilla, gezielt verfolgt. In Brasilien nutzen inhaftierte Regimekritiker*innen die Chance, sich ins Ausland abschieben zu lassen \u2013 und vor allem die chilenische Regierung zeigt sich bereit Menschen aufzunehmen. Auf dem Land finden viele von ihnen ein neues Zuhause oder gr\u00fcnden gemeinsam mit chilenischen Bauern auf enteigneten Fl\u00e4chen neue Siedlungen. Alicia Mu\u00f1oz kennt daf\u00fcr einen besonders Fall, den der Choapinos:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"49_Alicia_Mu\u00f1oz\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430146926?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eDie Chapinos waren Bauern aus dem Valle de Choapa. Deshalb tauften sie ihre neue Siedlung Los Chapinos. Und an diesem Ort, einem Dorf mitten im Aufbau, tauchten irgendwann brasilianischen Genossen auf. Die Menschen dort erinnern sich bis heute daran, wie sie auf den Feldern und in der Siedlung mithalfen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3115\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/50_Portada_Monde_Dipl_Chonchol-208x300.png\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/50_Portada_Monde_Dipl_Chonchol-208x300.png 208w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/50_Portada_Monde_Dipl_Chonchol.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/>Um die einzelnen Siedlung und ihre Produktion effektiv und landesweit zu organisieren, schl\u00e4gt die UP dem Kongress vor, Bauernr\u00e4te einzuf\u00fchren. Als die Regierung keine Mehrheit findet, bringt sie diese neuen Vertretungen per Dekret auf den Weg. Doch die praktische Einf\u00fchrung blieb konfliktreich, erinnert sich der fr\u00fchere Agrarminister Jacques Chonchol anl\u00e4sslich des 50. Jahrestags der Agrarreform in einem Artikel:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eJede Bauerngruppe wollte, dass die ersten enteigneten Gutsh\u00f6fe jene seien, die sie vorgeschlagen hatten [&#8230;] Dar\u00fcber hinaus gab es auch den Fall von Grundst\u00fccken, die laut Gesetzes nicht enteignet werden konnten. All dies wurde teilweise durch die Festlegung von Priorit\u00e4ten in den einzelnen geographischen Gebieten gel\u00f6st, unter Vermittlung der entsprechenden Bauernr\u00e4te. Es gab rechtliche Beschr\u00e4nkungen [&#8230;] und dennoch konnten die Bauernr\u00e4te in mehr als 150 Gemeinden des Landes eingef\u00fchrt werden.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lemondediplomatique.cl\/2017\/06\/la-revolucion-chilena-en-el-campo.html\">\u201cLa revoluci\u00f3n chilena en el campo.\u201d<\/a><\/p>\n<h4>Mapuche und Kollektivierungen<\/h4>\n<p>Auff\u00e4llig ist bei der Umsetzung aller Reformma\u00dfnahmen, dass in der Regierungszeit der UP scheinbar wenig auf die Belange der Mapuche eingegangen wird. Luis Salinas erkl\u00e4rt warum:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"52_Luis Salinas\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430147030?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eDie Bev\u00f6lkerung der Mapuche wird nicht einbezogen, weil die Agrarreform nur Bauern kennt. Also werden auch die Mapuche als Bauern subsumiert und nicht als eigenes Volk, nicht als Ethnie. Es geht um Land, nicht um angestammte Territorien. Auf diese Idee kommt niemand, auch wenn uns das heute logisch erscheint. Niemand schenkte den Gemeinden der Mapuche gro\u00dfe Bedeutung.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das stimmt so nicht ganz. Pr\u00e4sident Allende reagiert kurz nach seinem Amtsantritt schnell auf die Proteste und Vorschl\u00e4ge der Mapuche und bringt ein neues Indigenen-Gesetz auf den Weg. Zudem ordnet er die beschleunigte Enteignung von indigenem Land an. Allein von Dezember 1970 bis M\u00e4rz 1971 werden 150.000 Hektar r\u00fcck\u00fcbertragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesen Tagen sucht Agrarminister Chonchol im s\u00fcdchilenischen Temuco Rat bei dem tschechischen Anthropologen Milan Stuchlik, der Seit Ende der 1960er in Mapuche-Gemeinden lebt und forscht. Der r\u00e4t davon ab, die Mapuche-Siedlungen als Agrar-Kollektive zu reorganisieren, das sie jegliche staatliche Einmischung auf ihrem Land vehement ablehnen w\u00fcrden. Am Ende der Kontroverse steht ein Kompromiss, bei dem indigene Kleinbauern im Rahmen von Pilotprojekte die Vorz\u00fcge kollektiven Wirtschaften lernen sollen. Begleitet werden diese Initiativen erneute von Bildungsangeboten und dem staatlichen Ankauf von Handstrickwaren in indigenen Gemeinden. Die deutsche P\u00e4dagogin, Ilse Schimpf-Herken, die in dieser Zeit im S\u00fcden Chile arbeitet, sieht diese Vorgehen r\u00fcckblickend ambivalent:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"53_Ilse_Schimpf-Herken\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/439190494?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eAlso es gab dann schon auch eine kommunikative Ann\u00e4herung. Aber ich bin nicht kritisch genug gewesen, um mich zu fragen was bedeutet eigentlich Analphabetisierung auf Spanisch? Was bedeutet es, die indigenen Frauen so in die Marktwirtschaft zu integrieren? Was macht das mit ihrem Leben, ihrer kulturellen Rolle? An all das habe ich damals nicht gedacht. Wir waren so sicher dass der Sozialismus der richtige Weg ist.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zweifel am Gelingen der Agrarrefom kommen auch Milan Stuchlik und seine Partnerin Jarka, als sie 1972 einige enteignete Latifundien im S\u00fcden Chiles besuchen, zu denen die Unterst\u00fctzung der staatlichen Landwirtschaftsinstitutionen nicht vordringt. Jarka Stuchlik schreibt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eW\u00e4hrend dieser Reisen stellten wir fest, dass in den Latifundien, in denen die Reform bereits angewendet wurde, absolutes Chaos herrschte. Niemand hat geerntet, niemand hat ges\u00e4t, niemand hat gepfl\u00fcgt. Statt zu arbeiten, waren alle auf dem Kriegspfad. Die Bauern, die davon \u00fcberzeugt waren, dass sie jeden Augenblick von ihren ehemaligen Herren angegriffen werden w\u00fcrden, patrouillierten Tag und Nacht mit dem Gewehr. Alle waren \u00fcberzeugt, dass eine Hungersnot vor der T\u00fcr steht&#8221;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3117\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/54_Flores_de_Cobre.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"645\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/54_Flores_de_Cobre.jpg 420w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/54_Flores_de_Cobre-195x300.jpg 195w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Kampf um die Versorgung<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/1972_11_-LA_NACION_CAMPESINOS-SE-MOVILIZAN-EN-APOYO-AL-GOBIERNO_1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"450\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2014\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/1972_11_-LA_NACION_CAMPESINOS-SE-MOVILIZAN-EN-APOYO-AL-GOBIERNO_1-1.jpg 320w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/1972_11_-LA_NACION_CAMPESINOS-SE-MOVILIZAN-EN-APOYO-AL-GOBIERNO_1-1-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/de\/opposition-warnt-vor-knappen-lebensmitteln-und-inflation\/\">1972_KW11<\/a><\/p>\n<p>Seit 1972 tobt in Chile ein offener Kampf um die Produktion \u2013 und um die K\u00f6pfe. So erkl\u00e4rt Am 11. M\u00e4rz die nationale Vertretung der chilenischen Gro\u00dfgrundbesitzer, dass das Land 40 Prozent des Weizenverbrauchs durch Importe decken m\u00fcsse. Die Situation auf dem Land sei katastrophal, die Erzeuger in einer instabilen Situation, \u201eangesichts der Bedrohungen und illegalen Besetzungen der CORA, die einen dauerhaften Versto\u00df gegen Personen und Gesetze darstellen\u201c. Die Regierung geht nicht direkt auf die Kritik ein, best\u00e4tigt jedoch, dass Chile mit einer Inflation zu k\u00e4mpfen habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Olivier Delahaye von Iram bekommt mit, wie sich die Versorgungslage langsam verschlechtert.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"57_Olivier_Delahaye\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430147165?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eEs fehlte doch vieles im Alltag, aber es war nicht so katastrophal wie sp\u00e4ter in Venezuela, nicht zu vergleichen. Es war oft so: Du sahst auf der Stra\u00dfe eine Menschenschlange, hieltst an und fragtest, wof\u00fcr die Menschen anstanden, und oft stellte mensch sich einfach dazu.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch wenn niemand hungern muss, sorgen solche Situation f\u00fcr Unmut. Handelsboykotte und Sabotage hin oder her, es gab auch selbst gemachte Probleme. R\u00fcckblickend empfindet Francisca Rodr\u00edguez es als gro\u00dfen Fehler, nicht das spezifische Wissen der B\u00e4uerinnen st\u00e4rker f\u00fcr den Aufbau selbstverwalteter Strukturen genutzt zu haben.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"58_Francisca_Rodriguez\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/442265825?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>&#8220;Das einzige selbst\u00e4ndige Produktionssystem auf dem Land, war die Bestellung eines kleinen Felds, dass vor allem alten Menschen f\u00fcr den Eigenanbau zur Verf\u00fcgung gestellt wurde. Und dieses St\u00fcck Land wurde meist Frauen und Kindern bearbeitet. Mit anderen Worten, die Fraun hatten viel mehr Klarheit \u00fcber den Produktionsprozess, um die Familie zu ern\u00e4hren, als die Bauern, die nur auf Anweisung hin arbeiteten. Es gab also Unterschiede und es war ein Fehler der Agrarrefom uns zu ignorieren. Frauen wurden nicht ber\u00fccksichtigt.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Frauen hatten auch nicht die Chance vollwertige Mitglieder in einer Agrarkooperative zu werden. Der US-Agrarexperte Solon Barraclough macht daf\u00fcr weniger die regierende UP sondern eher die machistischen Strukturen auf dem Land verantwortlich. In einem Text beschreibt er ein Treffen zwischen einer Regierungsdelegation und einigen Bauern, das letztere mit den Worten beendeten:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;Wir haben immer f\u00fcr Don Salvador (Allende) gestimmt, aber wenn er darauf besteht, dass unsere Frauen und T\u00f6chter ihre Hausarbeit und Kinder vernachl\u00e4ssigen, um uns dabei zu helfen, unsere Genossenschaft zu f\u00fchren, sollte er in Zukunft nicht auf uns z\u00e4hlen.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der gesellschaftlicher Wandel braucht Zeit und die hat die Unidad Popular nicht. St\u00e4ndig gilt es neue Krisen zu meistern und zu improvisieren: Versorgungskommissionen, Arbeitseins\u00e4tze, Importe aus anderen sozialistischen L\u00e4ndern. Langfristig soll die internationale Kooperation verbessert werden. Noch am 4. September 1973 werden Dutzende junge Bauern und B\u00e4uerinnen zur Ausbildung an eine sowjetische Agrarschule entsandt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis Mitte 1973 hatte die regierende UP 6,6 Millionen Hektar Land enteignet \u2013 der Gru\u00dfgrundbesitz war in Chile nahezu Geschichte, sagt Luis Salinas:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"59_Luis_Salinas\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/442265903?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>&#8220;Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Agrarfl\u00e4chen wurde im letzten Jahr von Allendes Regierung enteignet. Aus diesem Grund war es f\u00fcr die Rechte sehr leicht, nach dem Putsch auf die alten Pfade zur\u00fcckzukehren, denn der Prozess der Neuorganisation war nicht abgeschlossen, auch wenn es viele Fortschritte gab.\u201c<\/p>\n<h4>Putsch, Exil und Gegenagrareform<\/h4>\n<p>\u00dcbers Radio erf\u00e4hrt auch die chilenische Landbev\u00f6lkerung schnell, dass am 11. September 1973 ein Milit\u00e4rputsch die zivile Regierung der Unidad Popular gest\u00fcrzt hat. Gezielt greifen die neuen Machthaber politisch aktive Bauern und Funktion\u00e4re der Agrarreform an. Luis Salinas, der gerade ist mit einem Gewerkschaftskomitee unterwegs und inspizierte Kooperativen als er verhaftet wird.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"60_Luis_Salinas\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/442265938?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201cSie schoren mir die Haare ab. Nach der Verhaftung wurden wir bis in die Nacht hinein verh\u00f6rt. Schlie\u00dflich wurden die Bauern freigelassen und die beiden Funktion\u00e4re und der Fahrer ins Gef\u00e4ngnis gesteckt und in Isolationshaft gehalten. Ich war zehn Tage lang dort. Dann wurde ich zu einem anderen Regiment gebracht, um dort unter Folter weiter verh\u00f6rt zu werden.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sischen Agrarwirte von Iram kommen glimpflicher davon. Doch auch sie bekommen schnell zu sp\u00fcren, dass bei der Landwirtschaftbeh\u00f6rde ICIRA nach dem Putsch ein anderer Wind weht, erz\u00e4hlt Olivier Delahaye:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"61_Olivier_Delahaye\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430682670?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>&#8220;Der neue Direktor von ICIRA, ein junger 24-j\u00e4hriger Agronom, kam in Begleitung von vier Soldaten auf Arbeit. Bald schickte er einen Brief an alle ausl\u00e4ndischen Experten, in dem es schlicht hie\u00df: &#8216;Sie sind entlassen&#8217;. Was f\u00fcr ein K\u00fcndigungsschreiben! Und wir dachten, was tun wir jetzt? Also gehen wir in die Botschaft, zum Gl\u00fcck gab es einen Kulturberater, mit dem wir uns sehr gut verstanden. Dem sagten wir: \u201aHier sind wir und wir w\u00fcrden gerne hier bleiben, um Menschen bei der Flucht zu helfen. Aber wir haben diesen Brief hier bekommen.\u2018 Und er sagte: \u201aGut, dann m\u00fcssen wir bluffen.\u2018 Und dann setzte er einen Brief mit dem gleichen Datum auf in dem stand, der erste Brief sei nicht mehr g\u00fcltig. Und so blieben wir und verhalfen, \u00fcberall wo wir konnten, Menschen zu politischem Asyl. Wir blieben drei Monate.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem die Putschisten anf\u00e4ngliche Pl\u00e4ne eines punktuellen Bombardements von Agrarbetrieben verwerfen, verfolgt die milit\u00e4risch-zivile Diktatur in den folgenden 17 Jahren um so konsequenter eine langw\u00e4hrende Gegenagrarreform. Ehemalige F\u00fchrungskr\u00e4fte werden verfolgt, ermordet oder ins Exil gezwungen, Ein Drittel der verstaatlichte Fl\u00e4chen wird an die latifundistas r\u00fcck\u00fcbertragen, ein anderes Drittel an Investoren verkauft \u2013 der Grundstein Chiles heutiger exportorientierter Monokulturen. Der Rest der Fl\u00e4chen wird unter den Campesino-Familien aufgeteilt, um sich deren stille Unterst\u00fctzung zu erkaufen. Ein Ausnahme bilden die den Mapuche zugesprochenen L\u00e4ndereien, die ihnen entsch\u00e4digungslos und unter Einsatz von Gewalt fast vollst\u00e4ndig wieder entrissen worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es dauert eine Zeit, bis sich ein Teil der Landbev\u00f6lkerung erneut organisiert. Die gewerkschaftliche Arbeit erfolgt nun wieder im Geheimen, wie in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. Entscheidenden Anteil daran haben Frauen wie Alicia Munoz und Francisca Rodr\u00edguez:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"62_Francisca_Rodr\u00edguez\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430683125?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>&#8220;Ich habe ziemlich lange, also ein paar Jahre klandestine Gewerkschaftsarbeit gemacht, auch in der Organisation. Wir haben viel organisiert, so auch den ersten Hungerstreik der Frauen. Viele Dinge, die wir scherzhaft \u201aHeldentaten\u2018 nannten. Vom Gef\u00e4ngnis aus bastelten die compa\u00f1eros sogar Medaillen f\u00fcr die Frauen.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um internationale Unterst\u00fctzer wie Solon Barraclough fernzuhalten, bezichtigt die Milit\u00e4rjunta die einstigen leitenden Mitarbeiten nachtr\u00e4glich der Unterst\u00fctzung bewaffneter Gruppen und marxistischer Propagandarbeit gegen die chilenischen Streitkr\u00e4fte. Haltlose Vorw\u00fcrfe, die auch dazu genutzt werden Tonnen an Bildungsmaterial zu zerst\u00f6ren. Nichts soll bleiben von diesem gesellschaftlichen Wandel auf dem Land.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dennoch wird die chilenische Agrarreform au\u00dferhalb des Landes fortgeschrieben, vor allem in sozialistischen und blockfreien Staaten Afrikas. Dort arbeiten chilenische Agronomen als Berater f\u00fcr Regierungen oder als Experten f\u00fcr NGOs und internationale Organisationen. Auch die Aktivit\u00e4ten von Iram in Algerien werden 12 Jahre lange von Daniel Rey, einem ehemaligen Cora-Mitarbeiter koordiniert. Und der war nicht er einzige, erinnert sich der damalige Leiter von Iram, Dominique Genty:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"64_Dominque_Genty\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430683348?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>&#8220;Mein Kontakt zu Chile entstand in der Zeit nach dem Putsch. Es gab damals viele Chilenen, denen wir halfen, nach Frankreich auszureisen. Au\u00dferdem hatten wir einen Einsatz in Algerien, bei dem es um landwirtschaftliche Beratung ging. In unserem Team vor Ort gab es acht Chilenen und einem Franzosen. Wir haben recht gut zusammengearbeitet, mit einigen Schwierigkeiten zuweilen, aber insgesamt lief es gut. Das war auch eine Form Chile zu unterst\u00fctzen.&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.mesaquillayes.cl\/2017\/07\/mi-historia-en-valle-alto-jose-maldonado-la-reforma-agraria-fue-buena-para-los-que-supimos-cuidar-nuestros-derechos\/\">PRENSA EXTERNA<\/a><\/p>\n<h4>Agrarreform Gestern und Heute<\/h4>\n<p>Heute, mehr als 50 Jahre nach Beginn der Blumentopfreform ist die chilenische Landwirtschaft weltweit in aller Munde: Wein, Heidelbeeren, Avacados &#8211; alles hecho en Chile. Die d\u00f6rflichen Strukturen sind vielerorts verschwunden. Viele kleine Parzellen wurden in den 1990ern aufgekauft und sind heute Teil einer agroindustriellen gr\u00fcnen W\u00fcste. Auf dem Land der Mapuche stehen heute die Waldplantagen einer Handvoll Unternehmerfamilien, die sich in den Jahren der Diktatur zu arrangieren wussten. Erntearbeiter*innen aus Peru, Haiti und Bolivien schuften als prek\u00e4re Saisonkr\u00e4fte und kleinb\u00e4uerliche Familien k\u00e4mpfen t\u00e4glich ums \u00dcberleben und schimpfen auf importierte Kartoffeln aus Bulgarien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was also ist von der Agrarreform geblieben? F\u00fcr die Kleinbauern sei die Situation wieder teils wieder wie in den 1950er Jahren, findet Luis Salinas:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"65_Luis_Salinas\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430683499?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>&#8220;Die landwirtschaftliche Produktionsweise hat sich gewandelt, aber f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung hat sich nicht viel ver\u00e4ndert. Die alten Zeiten sind zur\u00fcck. Nat\u00fcrlich gibt es ein paar Verbesserungen, alte Leute haben jetzt Fahrr\u00e4der oder einen Lastwagen, aber die Lage ist immer noch sehr prek\u00e4r, sehr schwierig f\u00fcr sie. Das Problem bleiben die geringen Preise, die sie mit dem Verkauf ihrer Produkte erzielen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch die Regierenden Chiles vertrauen seit dem Ende der Diktatur rechts wie links der unsichtbaren Hand der M\u00e4rkte, anstatt die landwirtschaftliche Entwicklung im Interesse der Bev\u00f6lkerung aktiv mitzugestalten. Solon Barraclough, der nach seinem Wirken in Chile noch viele Jahre weltweit f\u00fcr eine gerechte Agrarpolitik k\u00e4mpfte kritisierte dieses neoliberale Dogma 1999 sehr treffend:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;Der Beweis steht aus, dass wirksame Landreformen aus einer &#8216;marktfreundlichen&#8217; Politik allein resultieren k\u00f6nnten. Die \u00dcbertragung von Landtiteln und die Erleichterung von Immobilientransaktionen zwischen willigen Verk\u00e4ufern und willigen K\u00e4ufern ver\u00e4ndern nicht die Machtverh\u00e4ltnisse zugunsten der armen Landbev\u00f6lkerung. In vielen Situationen d\u00fcrfte eine solche Politik die herrschenden Agrarstrukturen sogar st\u00e4rken, indem sie Gro\u00dfgrundbesitzern und Spekulanten zus\u00e4tzlichen Rechtsschutz bietet, w\u00e4hrend die Verhandlungsmacht der Armen unver\u00e4ndert bleibt oder geschm\u00e4lert wird&#8221;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zudem gef\u00e4hrde die heute Exportorientierung die Ern\u00e4hrungssicherheit der Bev\u00f6lkerung, warnt der franz\u00f6sische Agronom Yves-Roger Marchant der Ende der 1960er mit Iram ebenfalls einige Jahre in Chile war:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"66_Yves-Roger_Marchant\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/430683575?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>&#8220;Im Jahr 2008 gab es in etwa 30 L\u00e4ndern der Welt politische Unruhen, weil pl\u00f6tzlich der Preis f\u00fcr Reis und Weizen innerhalb weniger Monate um 50 oder 100 Prozent nach oben sprang. L\u00e4nder, die zu sehr von Nahrungsmittelimporten abh\u00e4ngig sind, k\u00f6nnen so in eine extrem gef\u00e4hrliche Situation geraten. Also, ja, Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t ist ein Konzept, das weiterentwickelt werden muss. Und deshalb ist f\u00fcr mich der Import von Trauben oder \u00c4pfeln aus Chile, auch wenn ich Chile sehr mag, ein Irrweg. Es macht einfach in keiner Hinsicht Sinn.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sehen das Alicia Mu\u00f1oz und Francisca Rodriquez. Gemeinsam mit weiteren Frauen organisieren sie sich seit Jahren im landesweiten Verein von Campesinas und Indigenas, Anamuri. Ihr Anliegen ist klar. Chile braucht eine neue Agrarreform, sagt Mu\u00f1oz:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"67_Alicia_Mu\u00f1oz\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/439190825?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eWir werden nicht aufgeben. Ganz im Gegenteil. Vielleicht ist es eine Utopien, wie manche sagen. Vielleicht sind wir verr\u00fcckt, aber dennoch wird der lateinamerikanische und weltweite Kampf weitergehen. Ich halte das f\u00fcr eine ungeheure Hoffnung,\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit diese Utopie Wirklichkeit wird, betreibt Anamuri eine feministische Agrarschule, organisiert Treffen und setzt sich ein f\u00fcr den Aufbau von Bio-Kooperativen, die f\u00fcr die lokale Bev\u00f6lkerung produzieren statt f\u00fcr den Export. Es sind kleine Schritte aber Francisca Rodr\u00edguez ist sich sicher: es ist der richtige Weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.anamuri.cl\/\">anamuri<\/a><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"68_Francisca_Rodr\u00edguez\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/439191064?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe><\/p>\n<p>\u201eJede unserer Aktionen ist ein Ausbildungsprozess. Jede noch so kleine Aktivit\u00e4t ist ein Entstehungsprozess. Ich glaube, wir haben viel von den Brasilianern gelernt. Wir haben eine Mystik der Organisation aufgebaut, die in all unserer Debatten pr\u00e4sent ist. Wir h\u00fcten die Symbole des Lebens. Die sind wichtig, um unseren Planten zu erhalten aber auch um Politik zu machen. Wir sind antikapitalistisch, wir sind antipatriarchalisch und wir sind antiimperialistisch.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie wichtig eine wirkliche Alternative ist, zeigt ein Blick auf die Arbeitszeiten von Saisonkr\u00e4ften auf den chilenischen Latifundien des 21. Jahrhunderts. Die geh\u00f6ren heute zum Beispiel ehemaligen Ministern wie Gabriel Ruiz-Tagle. Vor allem Frauen ernten dort wochenlang f\u00fcr den Mindestlohn Trauben, oft mehr als 16 Stunden am Tag, \u201cvon Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang\u2026\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3120\" src=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/69_Pic_Ciperchile.png\" alt=\"\" width=\"950\" height=\"622\" srcset=\"https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/69_Pic_Ciperchile.png 950w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/69_Pic_Ciperchile-300x196.png 300w, https:\/\/www.npla.de\/internationalallende\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/69_Pic_Ciperchile-768x503.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 950px) 100vw, 950px\" \/>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chile: ein armes feudales Land Chile 1916. 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