Mexiko

Mexikanische Regierung entschuldigt sich bei Lydia Cacho


Lydia Cacho

Unbeugsam: Die anerkannte Journalistin und Aktivistin Lydia Cacho. Foto: Eneas de Troya/Flickr (CC BY 2.0)

(Oaxaca-Stadt, 16. Januar 2019, npl).- Am 10. Januar dieses Jahres erkannte der mexikanische Staat offiziell seine Verantwortung für die Entführung und Misshandlung der Journalistin Lydia Cacho an. In einer Zeremonie im Innenministerium in Mexiko-Stadt bat die mexikanische Regierung die international bekannte Journalistin um Entschuldigung. Die Entschuldigung erfolgte knapp sechs Monate nachdem Ende Juli 2018 die UN-Menschenrechtskommission Mexiko aufgefordert hatte, eine unparteiische und in die Tiefe gehende Untersuchung der Entführung Cachos einzuleiten.

Cacho nach Buchveröffentlichung entführt und gefoltert

Zur Erinnerung: Kurz nach Veröffentlichung des Buches „Los Demonios del Edén“ im Jahr 2005 wurde Lydia Cacho in Cancún verhaftet und in den Bundesstaat Puebla gebracht. Während der Fahrt von Cancún nach Puebla war die Journalistin verbaler und physischer sexueller Gewalt ausgesetzt. Veranlasst wurde Cachos Verhaftung durch einen im Buch erwähnten Unternehmer. In „Los Demonios del Edén“ weist Cacho nämlich die Beteiligung hochrangiger Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft an einem in Cancún ansässigen Kinderpornografie-Ring nach.

Weiterer Folterpolizist verhaftet

Anfang Dezember letzten Jahres gab die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft bekannt, dass ein weiterer an der Entführung Cachos beteiligter Beamter verhaftet wurde. Es handelt sich um Alejandro Rocha Laureano, der zur Zeit seiner Verhaftung immer noch als Kriminalpolizist in Puebla arbeitete.

Bereits im Oktober 2017 wurde der Polizist José Montaño Quiroz wegen der Misshandlung Lydia Cachos zu fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. In einem von beiden Seiten angestrebten Revisionsverfahren erhöhten die Richter*innen das Strafmaß dann auf sechs Jahre. Sie erkannten explizit an, dass Lydia Cacho aufgrund ihrer Arbeit als Journalistin verhaftet und gefoltert wurde. Weiterhin heißt es in dem Urteil, dass es wichtig sei, jegliche Aggression gegen Journalist*innen zu unterbinden.

Vollständige Aufarbeitung der Vorfälle steht noch aus

Von den 17 an der Entführung Cachos beteiligten Beamt*innen wurden bisher allerdings nur drei strafrechtlich verfolgt. Es steht auch noch aus, dass die hinter der Aggression gegen Cacho stehenden Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zur Verantwortung gezogen werden. Zu diesen gehört unter anderem Pueblas damaliger Gouverneur Mario Marín. Aus dem Mitschnitt eines Telefongesprächs mit dem Unternehmer Kamel Nacif geht hervor, dass die beiden abgesprochen hatten, die Journalistin „maßregeln“ zu lassen.

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