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Poonal Nr. 863 von 14.09.2009 bis 20.09.2009 PDF Imprimir Correo electrónico
Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes lateinamerikanischer Agenturen 14.09.2009 bis 20.09.2009

Inhalt


CHILE

COSTA RICA

EUROPA-LATEINAMERIKA

GUATEMALA

KOLUMBIEN

MEXICO

PERU


CHILE

(Venezuela, 21. August 2009, telesur).- (Venezuela, 21. August 2009, telesur).- Gemäß der Entscheidung eines chilenischen Militärgerichts verbleibt der Militärpolizist Patricio Jara Muñoz in Untersuchungshaft. Den Antrag der Verteidigung auf Haftverschonung wies das Gericht zurück. Jara Muñoz wird vorgeworfen, den Mapuche Jaime Mendoza Collío mit einem Schuss in den Rücken getötet zu haben. Bisher steht fest, dass der tödliche Schuss aus der Waffe des Polizisten abgefeuert wurde. Die Anklage lautet auf „unangemessenen Einsatz von Gewalt mit Todesfolge“.

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Der Mapuche Jaime Mendoza Collió wurde am 12. August während der Räumung eines Grundstücks in der Stadt Angol im Norden der chilenischen Region Araukanien tödlich verletzt. Das Gericht hält an ihrem Verdacht gegen den Oberstabsgefreiten fest, der auf Anordnung des Militärstaatsanwalts Rodrigo Vera im Kommissariat in Angol verbleibt.

Der 24jährige Mendoza Collío hatte an der Besetzung der Farm San Sebastián in der Gemeinde Collipulli teilgenommen, als er von dem tödlichen Schuss getroffen wurde. Ermittlungen des rechtsmedizinischen Instituts in Angol zufolge traf ihn die Kugel im Rücken und trat auf Höhe des Brustkorbs wieder aus. Ferner konnte festgestellt werden, dass der Schuss aus der Waffe des Polizisten Jara Muñoz abgefeuert wurde.

Eine interne Untersuchung der Vorfälle lehnte die Polizei zunächst ab. Mendoza habe von seinem „Recht auf Verteidigung" Gebrauch gemacht und in Notwehr gehandelt. Diese Behauptung erwies sich jedoch als nicht haltbar: An den Fingern des Opfers wurden keinerlei Schmauchspuren und somit keine Hinweise auf Schusswaffengebrauch festgestellt. Im Süden des Landes und in der Hauptstadt hat die Ermordung des jungen Mapuche zu heftigen Protesten geführt, bei denen zahlreiche Menschen verhaftet und etliche (Polizisten wie Mapuches) verletzt wurden.

Die Vorgeschichte

Mit 600.000 Angehörigen stellen die Mapuche etwa sechs Prozent der Gesamtbevölkerung. Sie gelten als die zahlenmäßig größte indigene Ethnie in Chile. Die Besetzung von San Sebastián fand im Rahmen einer breiter angelegten Aktion zur Wiedergewinnung von Gebieten statt, die von den Mapuche historisch als ihr Land gesehen werden, auf denen sich aber forstwirtschaftliche Betriebe und Privatbesitzer befinden. Die Rückgabe dieser Gebiete wird bereits seit langem von den Mapuche gefordert. Seit dem 24. Juli werden die Mobilisierungen durch die Gebietsallianz der Mapuche (Alianza Territorial del Pueblo Mapuche) vorangetrieben.

Die Mapuche-Gemeinden der Region hatten mit den Protestaktionen begonnen, nachdem eine 100 Personen starke Delegation in der Hauptstadt Santiago das Gespräch mit der Regierung gesucht hatte, aber von keinem bzw. keiner Regierungsangehörigen empfangen wurde.

In Reaktion auf die Aktionen erhöhte die Polizei ihrerseits ihre Präsenz in den einzelnen Gebieten. Seither haben die Beschwerden über Polizeiwillkür erheblich zugenommen. Collío wurde während einer dieser Protestaktionen ermordet.

von Andres Figueroa

(Fortaleza, 15. September 2009, adital).- Am Sonntag, den 13. September, fand der diesjährige Gedenkmarsch statt, der jedes Jahr an die Opfer der Diktatur unter Pinochet erinnert, die das Land vom September 1973 bis 1990 beherrschte. Die Demonstration endete mit 18 Festnahmen, unter ihnen acht AktivistInnen der Bewegung der Völker und der ArbeitnehmerInnen MPT (Movimiento del Pueblo y los Trabajadores). Auch deren Vorsitzende, Cecilia Olivares, wurde zusammen mit ihren zwei Söhnen verhaftet und in einem Fahrzeug der Polizei von Militärpolizisten beschimpft und geschlagen. Sie erlitt einen Schock und musste medizinisch betreut werden.

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Etwa 4.000 Personen hatten sich zuvor an der Alameda eingefunden. In Sprechchören prangerten sie die Verbrechen des Militärregimes an, einem der grausamsten in der Geschichte Lateinamerikas. Die Demonstration, die von circa 1.000 Militärpolizisten hermetisch abgeschirmt wurde, verlief über die Straße San Martín, über den Mapocho-Fluß und die Avenida Recolecta bis hin zum Zentralfriedhof.

COSTA RICA

von Torge Löding

(San José, 19. September 2009, voces nuestras).- Mit ihrem Entwurf für ein neues Wassergesetz strebt die landesweite Allianz zur Verteidigung des Wassers ANDA eine Ordnung des „legalen und institutionellen Chaos“ an, welches sie verorten. Das aktuelle Gesetz stammt aus dem Jahr 1942 und ist in vielen Punkten hinfällig. „Mittlerweile mussten wir erkennen, dass Wasser nicht unendlich vorhanden ist. Das Gesetz von 1942 trägt dem keine Rechnung“, sagte Carlos Manuel Álvarez, der sich in Heredia für den Zugang zum Trinkwasser einsetzt. Im mittelamerikanischen Costa Rica ist dieser recht vorbildlich umgesetzt, die öffentlichen Wasserwerke gewährleisten diesen für 97 Prozent der Bevölkerung in Stadt und Land. Damit das so bleibt, sieht das neue Gesetz demokratische Partizipation der AnwohnerInnen in Wasserausschüssen vor.

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Schulkinder übergaben der Protokollchefin des costaricanischen Parlaments am vergangenen Donnerstag während einer feierlichen Veranstaltung die tausenden Unterschriftenlisten, auf denen mehr als 150.000 wahlberechtigte CostaricanerInnen für das neue Wassergesetz unterzeichnet hatten. Es ist der zweite Gesetzentwurf, der als Volksinitiative eingebracht wird, nachdem ihn mehr als fünf Prozent der Wahlberechtigten unterstützt hatten. Das ist seit dem Jahr 2007 möglich. „Mit diesem Akt haben wir in Costa Rica ein Fenster hin zur partizipativen Demokratie geöffnet“, sagte Rolando Castro, Vorsitzender des Zentrums für Umweltrecht und natürliche Ressourcen CEDARENA (Centro de Derecho Ambiental y de los Recursos Naturales).

„Die größte Gefahr geht von der Privatisierung aus. Ich habe an internationalen Konferenzen teilgenommen, wo insbesondere VertreterInnen aus Südamerika berichteten, wie internationale Konzerne mit großen Versprechen kamen, die öffentlichen Wasserversorger aufkauften und die Konsequenzen dann fatal waren. Preise stiegen, die Qualität wurde miserabel. In Costa Rica müssen wir das verhindern!“, sagte Marco Mellín Delmore vom Wasserverteilungskomitee in Concepción Naranjo.

Der Gesetzesvorschlag definiert den Zugang zum Trinkwasser als Menschenrecht, die Interessen von AnwohnerInnen wiegen dann also schwerer als z.B. Hotelburgen, die den Menschen heute vor allem in Guanacaste im wahrsten Sinne des Wortes drohen, das Wasser abzugraben. Außerdem definiert er Wasser als öffentliches Gut, dass weder privatisiert noch gewinnbringend verkauft werden dürfe. Den Export von Wasser verbietet er nicht, aber knüpft ihn an klare Spielregeln.

„Damit steht das Gesetz den Interessen mächtiger Konzerne im Weg, die sich über Freihandelsabkommen den Weg zu unseren natürlichen Ressourcen bahnen wollen“, sagte der Anwalt Rolando Castro. Seine Auslegung des Textes des CAFTA Abkommens mit den USA ermögliche den Schutz des Wassers. Doch die nächste Gefahr steht vor der Tür: Derzeit wird das Assoziierungsabkommen von EU und Zentralamerika verhandelt. Insbesondere Konzerne aus Frankreich und Spanien werfen begehrliche Blicke auf die costaricanischen Wasservorkommen.

Als einziger Parlamentarier wohnte José Merino von der Linkspartei „Frente Amplio“ (Breite Front) der Unterschriftenübergabe bei. „Das Gesetz hat nur eine Chance, wenn sich die Zusammensetzung des Parlamentes ändert. Die 150.000 UnterstützerInnen müssen sich in politische AktivistInnen verwandeln und dafür sorgen, dass im Februar keine KandidatInnen der Parteien gewählt werden, die für Privatisierung sind!“, sagte Merino. Innerhalb von zwei Jahren muss das Parlament den Gesetzesvorschlag umsetzen, kann bis dahin aber jede Menge Änderungen vornehmen.

Vor wenigen Wochen beschloss unterdessen das Parlament des Nachbarlandes Nicaragua ein Gesetz, welches auf dem Vorschlag von ANDA basiert. Damit hat es das fortschrittlichste in der Region.

EUROPA-LATEINAMERIKA

von Astrid Schäfers

(Berlin, 15. September 2009, npl).- Ob Obama für Klimaschutz wirbt, Frau Merkel einen radikalen EU–Aktionsplan einfordert oder die Grünen einen grünen New Deal vorschlagen: Über Klimawandel und Klimaschutz zu sprechen ist in der letzten Zeit in Mode gekommen. Das viele Reden über Klimaschutz täuscht jedoch leicht über die geringe Handlungsbereitschaft vieler Staaten, ihre Emissionen zu reduzieren, hinweg. Die Europäische Union hatte vereinbart, ihre Emissionen bis 2020 gegenüber 1990 um ein Fünftel zu reduzieren. Die Umsetzung dieser Vereinbarung scheiterte bisher an der fehlenden Bereitschaft einiger Staaten, Klimaschutzmaßnahmen aus einem gemeinsamen Topf zu finanzieren.

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Indigene Bevölkerungsgruppen sind besonders stark vom Klimawandel betroffen. Sie leben zum größten Teil in Wäldern, in denen sich 70% der biologischen Vielfalt befinden oder auf Inseln, die bei einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels in wenigen Jahren überflutet würden. Ihre Forderung nach einem Mitspracherecht im Klimaschutz und bei den Klimaverhandlungen werden jetzt lauter und dringlicher. In der öffentlichen Debatte fanden ihre Forderungen bisher jedoch kaum Beachtung. Weitgehend unbemerkt trafen sich im April dieses Jahres indigene Delegierte aus aller Welt in Alaska zu einem eigenen Gipfeltreffen. Sie berieten dort über Maßnahmen und Forderungen zur Bekämpfung weiterer Beeinträchtigungen und der Zerstörung ihrer Lebensräume. Außerdem versuchten sie, eine gemeinsame Position für die Klimaverhandlungsrunden in Kopenhagen zu finden.

Während indigene Gruppen also schon sehr bemüht sind, eine gemeinsame Position für die Verhandlungen zu finden, haben die Regierungen knapp drei Monate vor Verhandlungsbeginn noch keine Absprachen oder Vereinbarungen über gemeinsame Positionen getroffen. Großbritannien, Italien und einige andere Staaten drängen plötzlich darauf, jedes EU–Land möge sich in Kopenhagen einzeln verpflichten. Ablauf und Ausgang der Verhandlungen sind deshalb noch völlig offen, erklärte Michael Müller, Staatssekretär im Umweltministerium, auf der Tagung: “Klimagerechtigkeit – Chancen und Bedrohung für indigene Selbstbestimmung”, die vom Institut für Ökologie und Aktionsethnologie Infoe, dem deutschen Koordinationskreis ILO 169 und dem Klimabündnis organisiert wurde und vom 04. – 06. September in Schwerte stattfand.

Im April dieses Jahres hatte Präsident Correa angekündigt, er werde auf die Erdölförderung im Nationalpark Yasuní, im Süden Ecuadors, verzichten, wenn die internationale Staatengemeinschaft für die Verluste, die im ecuadorianischen Staatshaushalt durch das Unterlassen der Erdölförderung entstünden, finanziell aufkomme. Der Yasuní ist eines der wenigen noch erhaltenen Regenwaldgebiete in Ecuador. Dort leben vier verschiedene indigene Gruppen, drei davon in freiwilliger Isolation. Der Bundestag hat bereits zugestimmt, Gelder für die Einrichtung eines internationalen Fonds bereit zu stellen, wenn die ecuadorianische Regierung die Erdölförderung im Yasuní–Nationalpark unterlasse und einen Plan vorlege, der darlegt, wofür die Gelder eingesetzt werden sollen.

Mónica Chují, Vorsitzende der Indigenenorganisation FONAKISE der Kichwa de Sucumbios, war bis vor kurzem Kommunikationsministerin der Regierung Correa. Sie ist zurückgetreten, weil sie mit der Umwelt- und Indigenenpolitik der Regierung nicht einverstanden war. Sie zweifelt daran, dass die ecuadorianische Regierung die Gelder des internationalen Fonds für den Schutz des Yasuní-Nationalparks für ökologische Zwecke und die Unterstützung der Indigenen einsetzen würde.

Ebenso skeptisch ist Chují gegenüber dem neuen Regulierungsinstrument REDD, über das in Kopenhagen entschieden werden soll. Es geht dabei um die Reduzierung der Co2 – Emissionen aus Entwaldung. Thomas Brose vom Klimabündnis hält insbesondere den Marktmechanismus von REDD für problematisch. Dabei sollen, wie beim Emissionshandel, Zertifikate zunächst umsonst herausgegeben und gehandelt werden. Wenn der Markt mit Zertifikaten überschwemmt wird, wie beim Emissionshandel, kaufen die CO2-verursachenden Konzerne Brose zufolge lieber ein Zertifikat, anstatt eine Klimaschutzmaßnahme durchzuführen.

All dies soll bei den Klimaverhandlungen anders werden. Viele Indigenenorganisationen werden nach Kopenhagen fahren und ihre Rechte einfordern. Für die Vorsitzende der Indigenenorganisation “Jarigan Orang Asal SeMalaysia”, Jennifer Rubis, haben die Entscheidungen, die letztlich in Kopenhagen getroffen werden weitreichende Bedeutung für die Frage der Einbeziehung von Indigenen in künftige Klimadiskussionen auf internationaler Ebene.

(vgl. auch den dazu erschienenen Audiobeitrag im Rahmen der Kampagne “Knappe Ressourcen? Gemeinsame Verantwortung” des NPLA: http://www.npla.de/onda/content.php?id=941)

GUATEMALA

(Guatemala-Stadt, 15. September 2009, cerigua).- Die anhaltende Trockenheit in Folge des Klimawandels hat dafür gesorgt, dass inzwischen die Hälfte Guatemalas hochgradig von Versteppung bedroht ist. Dies ergibt sich aus einer Studie, die das Umweltministerium MARN (Ministerio de Ambiente y Recursos Naturales) kürzlich veröffentlicht hat.

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Die Versteppung betrifft dem Bericht zufolge 53.000 der 108.000 Quadratkilometer Guatemalas. In diesem so genannten "trockenen Korridor" liegen große Gebiete der Departments Jalapa, Jutiapa, El Progreso, Zacapa und Chiquimula.

Diese Entwicklung bedroht demnach ungefähr zwei Millionen Menschen, ein Drittel davon sind Indigene. Vor allem auf dem Land leben diese jetzt schon oft in Armut oder extremer Armut, so die Studie.

Die Untersuchung des Umweltministeriums sieht landesweit Beweise für die Auslaugung des Bodens. Daher sei es dringend notwendig, sofortige Maßnahmen zu ergreifen, um weitere Krisen wie den Nahrungsmittelnotstand oder den Abbau natürlicher Ressourcen zu verhindern.

Wie guatemaltekische Tageszeitungen berichteten, sei die Dürre, hervorgerufen durch Regenmangel und extreme Hitze die Folge des weltweiten Klimawandels. Hungertote und die schwere Nahrungsmittelkrise waren die bisher schlimmsten Folgeerscheinungen.

(Guatemala-Stadt, 10. September 2009, cerigua).- Vier zentralamerikanische Länder befinden sich unter den zwölf Staaten Lateinamerikas, in denen die meisten Verletzungen der Menschenrechte registriert wurden. So lautet das Ergebnis des jährlichen Berichts der Internationalen Menschenrechtsföderation FIDH (Federación Internacional de Derechos Humanos), der nun in Kolumbien und Guatemala präsentiert wurde. Nach Angaben der Vizepräsidentin der FIDH, Vilma Núñez, führt Guatemala die Liste in Zentralamerika an, gefolgt von Nicaragua. Erstmals war der Bericht am 19. Juni in Genf vorgestellt worden; daher konnte die Situation in Honduras nach dem Putsch nicht mehr berücksichtigt werden.

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Núñez wies darauf hin, dass die Methode, mit der in Zentralamerika Menschenrechtsverletzungen begangen werden, schädlich für die Demokratie sei. Die Bevölkerung werde polarisiert und sozialer Protest und indigene Forderungen kriminalisiert.

Nach Aussage von Claudia Samayoa von der Abteilung zum Schutz der MenschenrechtsverteidigerInnen in Guatemala UDEFEGUA (Unidad de Protección de Defensoras y Defensores de Derechos Humanos) ist das Niveau der Aggressionen in Guatemala sehr hoch; davon am meisten betroffen ist der Gewerkschaftssektor mit 47 registrierten Angriffen.

Organisationen und Familienangehörige, die Wahrheit und Gerechtigkeit für die im Bürgerkrieg (1960-1996) begangenen Verbrechen suchen, haben mit 39 Übergriffen einen Anstieg von Bedrohungen und Schikanen zu verzeichnen. Einige der Angegriffenen waren Leitungspersonen der Stiftung der Forensischen Anthropologie in Guatemala FAFG (Fundación de Antropología Forense de Guatemala) und der Richter Eduardo Cojulún, welcher auf Antrag des Spanischen Gerichtshofs Zeugenaussagen zum bewaffneten Konflikt dokumentierte.

Samayoa beklagte die hohe Straflosigkeit in diesen Fällen: In einem Jahrzehnt wurden 1.600 Angriffe gegen MenschenrechtsverteidigerInnen registriert, von denen nur sechs vor Gericht verhandelt wurden; lediglich einer dieser Prozesse endete im Jahr 2007 mit einer Verurteilung.

Die UDEFEGUA weist darauf hin, dass die Zahl der Aggressionen angestiegen ist. Gegenwärtig kommt es schätzungsweise zu drei Angriffen auf MenschenrechtsverteidigerInnen täglich.

Der Bericht der FIDH und des Observatoriums zum Schutz der MenschenrechtesverteidigerInnen (Observatorio para la Protección de los Defensores de Derechos Humanos), trägt den Titel „Die Ausdauer der Zeugenaussage" (La Perseverancia del Testimonio) und dokumentiert die Situation von MenschenrechtsverteidigerInnen in 60 Ländern der Welt.

von Markus Plate, Mexiko-Stadt

(Berlin, 16. September 2009, npl).- Für 500 Millionen Menschen auf der Welt ist Spanisch die Muttersprache. Mit der Globalisierung und dem Zusammenwachsen der Europäischen Union hat das Spanische auch als Fremdsprache einen Boom erfahren. Für Geschäfte, als Karrierekriterium, als eine der Weltsprachen der sozialen Bewegungen oder schlicht, um einen halben Kontinent bereisen und sich dort verständigen zu können. Spanisch ist Ressource, die internationalen Sprachschulen Profite beschert. Doch auch kleine Initiativen und LehrerInnenkooperativen profitieren vom Interesse am Spanischen, vor allem in Guatemala.

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Quetzaltenango, auf 2.300 Metern am Fuße des Vulkan Santa Maria gelegen, ist die zweitgrößte Stadt Guatemalas. Ein historischer Kern aus dem 18. und 19. Jahrhundert, reparaturbedürftige Kopfsteinpflasterstraßen, bunte Trachten, Häuser und Märkte – Guatemala pur. Der Kosename Xela ist allerdings weitaus gebräuchlicher für diese Stadt. Die aus der Mayasprache stammende Bezeichnung Quetzaltenango ist einfach zu sperrig. Xelas größte Spanischschule heißt CELAS Maya. Im großen Hof eines wunderschön restaurierten kolonialen Hauses lernt Imke zusammen mit 25 weiteren SchülerInnen aus aller Welt zwischen Blumenbeeten und Obstbäumen.

„Ich bin Imke, ich habe vor einem halben Jahr mein Studium abgeschlossen und komme – zurzeit aus Osnabrück – und lerne gerade Spanisch. Letzte Woche habe ich einen großen Schwerpunkt auf die Grammatik gelegt. Wir sind viele Zeiten durchgegangen, Präpositionen und das alles. Inklusive einer Menge Hausaufgaben, muss man dazu sagen.“ Im Sprechen sei sie schon viel besser geworden, und das innerhalb einer Woche, darüber sei sie selbst erstaunt, sagt Imke. 25 Stunden Einzelunterricht pro Woche, das schlauche sie ganz schön, schließlich konzentriere sich alles nur auf sie und sie könne nicht einfach mal an Klassenmitglieder abgeben. Aber das mache die Sache eben auch sehr effektiv.

Spanisch reden muss Imke auch zu Hause, in ihrer Gastfamilie. Esmeralda beherbergt bereits seit 15 Jahren SprachschülerInnen aus aller Welt und wohnt praktischerweise direkt gegenüber der Sprachschule. Ihre Erfahrungen sind fast ausschließlich positiv, ihre Kinder lernten schon frühzeitig andere Sprachen, Kulturen und Denkweisen kennen. Und natürlich verfügt die Familie über einen hübschen Zusatzverdienst.

Spanisch lernen in Guatemala, das heißt 25 Stunden Einzelunterricht pro Woche, Familienunterkunft, Ausflüge zu Lagunen und heißen Quellen, NaturheilerInnen, Glasbläsereien und Kaffeekooperativen, Filme und Gesprächsrunden über guatemaltekische Alltagskultur, über Geschichte und natürlich: Salsa-Tanzkurse. Das alles ist für rund 150 Euro pro Woche zu haben. Konkurrenzlos günstig und sehr intensiv. Wie schnell denn ihre StudentInnen im Schnitt Spanisch sprechen lernen, frage ich meine ehemalige Lehrerin, Alejandra:

„Also, wenn wir etwas verallgemeinern, dann würde ich sagen, dass die Studentinnen nach drei Wochen genug Spanisch können, um hier in Lateinamerika zu reisen. Wenn jemand in Guatemala leben will, mehr mit den Menschen hier diskutieren will, dann reden wir von vielleicht zehn Wochen hier in der Schule.“

Alejandra ist allein erziehende Mutter, und gerade für Frauen im machistischen Guatemala ist der Sprachtourismus eine Möglichkeit, ein bisschen Geld zu verdienen. Alejandras Halbtagsjob an der Sprachschule gibt der alleinerziehenden Mutter die Möglichkeit, einen Lebensunterhalt zu verdienen und trotzdem Zeit für ihren Sohn zu haben. Auch wenn mehr als 180 Euro für den Halbtagsjob dabei nicht rausspringen. Monatlich, wohlgemerkt, aber das ist immer noch mehr als der gesetzliche Vollzeit-Mindestlohn in Guatemala. Und so seien die vielen SprachstudentInnen in der Stadt für viele Frauen eine Tür, unabhängiger zu werden: vom Elternhaus, von Männern, von gesellschaftlichen Erwartungen.

Während Alejandras Arbeitgeber, CELAS Maya, schon auf Grund seiner Größe den Eindruck vermittelt, dass Spanisch eine Ressource ist, aus der Kapital geschlagen werden kann – das soziale Engagement scheint hier eine untergeordnete Rolle zu spielen, SprachstudentInnen fühlen sich bisweilen ein wenig wie durchgeschleust – sind andere Sprachschulen in Xela ihrer Gründungsidee treu geblieben: Sie bedienen sich der Ressource Spanisch, um jungen GuatemaltekInnen Arbeit zu geben, soziale Projekte zu unterstützen und die Schülerinnen und Schüler aus aller Welt für die Kulturen und Probleme Guatemalas zu sensibilisieren.

CBA ist so eine Schule, ihr Gründer und Leiter heißt Hugo. „Wir haben diese Schule gegründet, um Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, vor allem für junge Menschen die studieren wollen.“ Viele ehemalige LehrerInnen seien heute AnwältInnen, ÄrztInnen oder IngenieurInnen, hätten also sehr qualifizierte Berufe. Das sei aber nur möglich gewesen, weil sie hier in der Schule arbeiten konnten. „Das ist bis heute unser Prinzip“, darauf ist Hugo stolz und: „Wir glauben, dass dies die einzige Möglichkeit ist, unser Land zu entwickeln.“

Diesem Prinzip folgt Jeff Lanusa: Er ist 23 Jahre, Halbtags-Spanischlehrer an Hugos Schule CBA. Daneben studiert Jeff Jura und ist außerdem Yogalehrer. Der Lehrerjob finanziert also Jeffs Studium, bietet aber noch sehr viel mehr: „Wow, ich glaube Spanisch-Lehrer zu sein hat mein Weltbild komplett geändert! Guatemala ist ein Land mit vielen Tabus. Alles ist hier ein Tabu. Sex, Religion, Politik. Das sind Themen, über die du hier oft einfach nicht reden kannst. Wenn du dich aber so viele Stunden mit Studenten aus so vielen Ländern unterhältst, lernst du viel offenere Kulturen kennen. Dein Geist erweitert sich. Ein Thema sind zum Beispiel Homosexuelle. Hier in Guatemala sind sie ein Tabu und diese Homophobie ist absolut irrational. Aber wenn Du mit Leuten aus Europa sprichst, dann ist entpuppt sich dieses Thema auf einmal als ziemlich normal. Das ist nur ein Beispiel, wie Dir der Kontakt mit anderen Kulturen die Augen öffnet.“

Einnahmequelle für Frauen, Teilzeitjob für StudentInnen, Ort des kulturellen Austauschs und mehr noch: CBA ist seit der Gründung vor zwanzig Jahren eine der sozial engagiertesten Schulen der Stadt. Sie hat zum Beispiel Lebensmittelkonvois für notleidende Gemeinden organisiert, außerdem fließen zehn Prozent der Einnahmen in soziale Projekte, an ein Waisenhaus, ein Altenheim, eine kleine Landklinik, ein Aufforstungsprojekt. Daneben vermittelt CBA Kontakte für Freiwilligenarbeit. Denn viele SprachstudentInnen wollen sich neben dem Spanischunterricht sozial und für die Entwicklung des Landes engagieren und für viele ist gerade die Möglichkeit des sozialen Engagements ein wichtiger Punkt für die Auswahl einer Schule.

Die meisten StudentInnen wollten auch im Unterricht nicht nur Spanisch lernen, sondern dabei auch möglichst viel über Guatemala und Lateinamerika erfahren, weiß Hugo. Auch dem trage CBA Rechnung, die Lehrerinnen und Lehrer seien dafür ausgebildet: „Wenn sich die Schüler für Archäologie interessieren, dann bringen wir sie zu den Maya-Ruinen und erklären ihnen alles. Wir haben Lehrer, die auf Literatur spezialisiert sind und die den Schülern die reiche Literatur Lateinamerikas beibringen. Viele Studenten wissen, dass es hier eine 35jährige Militärdiktatur und einen bewaffneten Konflikt gegeben hat. Wir erklären ihnen dann die Hintergründe, die traditionelle Ungerechtigkeit in Guatemala, warum es eine Guerilla gab.“

In den meisten Sprachschulen Quetzaltenangos gehören soziales Engagement und kultur-politische Angebote zum guten – und durchaus werbewirksamen – Ton, Schulen wie CBA oder auch das „Proyecto Lingüístico“ sind von ehemaligen Guerilleros gegründet worden und äußern bis heute Kritik an den herrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen und Machtstrukturen.

Die Menschen in Quetzaltenango profitieren von der Ressource Spanisch, die einen mehr, die anderen weniger. Die SprachstudentInnen bringen Geld in die Stadt. Und das lassen sie nicht nur bei Hugo oder bei Federico Velázquez Pacheco, dem Leiter der Sprachschule CELAS Maya, sondern auch in Bars, Souvenirshops oder Tourismusagenturen: „Ich glaube, der wirtschaftliche Impuls ist nennenswert. Denn der Tourismus in Xela geht in großem Umfang von den Sprachschulen aus. Es gibt zwar keine Statistiken, aber wir alleine haben im Durchschnitt immer 25 Studenten. Alle Schulen zusammengerechnet bedeutet das natürlich eine wirtschaftliche, aber auch kulturelle Bereicherung.“

Xela hat dabei weitgehend seine Ursprünglichkeit erhalten können – auch wenn in den letzten 20 Jahren ein üppiges Angebot an Cafés, Clubs, Restaurants und kleinen Kinos entstanden ist. Vielleicht 200 SprachstudentInnen in der Stadt bei einer Bevölkerung von 250.000: Eine kulturelle Entfremdung wie in den Tourismus-Städtchen Panachajel am Lago Atitlán und in Antigua (Guatemala) hat hier nicht stattgefunden. Student Jonathan aus Seattle ist begeistert. „Das ist der beste Ort auf der Welt, ehrlich! Ich war in anderen Ländern Lateinamerikas und ich liebe zum Beispiel Mexiko, aber diese Stadt hat etwas sehr spezielles an sich.“

• Spanischschulen in Xela: www.xelapages.com/schools.htm

KOLUMBIEN

von Marie-Hélène Verney

(Fortaleza, 21. August 2009, adital).- Die Provinz Vaupés liegt in einem abgelegenen Winkel Kolumbiens an der Grenze zu Brasilien. Hier leben 27 verschiedene Indígena-Stämme, jeder mit einer eigenen Sprache und Kultur. Doch durch andauernde militärische Konflikte und Vertreibung besteht die Gefahr, dass viele von ihnen nicht mehr lange überleben.

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Mit etwa 50.000 Quadratkilometern ist der Verwaltungsbezirk Vaupés recht groß. Er besteht jedoch fast ausschließlich aus Urwald und Flussregionen. Lediglich um die Provinzhauptstadt Mitú führen 16 km asphaltierte Straße. Von hier aus gibt es zweimal pro Woche eine Flugverbindung nach Bogotá. Abgesehen davon ist der Fluss Vaupés das einzige Transportmittel in die Außenwelt.

Die Region Vaupés ist außerdem eines der wichtigsten Rückzugsgebiete der größten inoffiziellen bewaffneten Gruppe des Landes, der FARC. Sie kontrolliert die ländliche Region, während die offiziellen Streitkräfte aufgrund der Unzugänglichkeit des Gebietes nur mit Mühe in der Umgebung des Städtchens präsent bleiben. Entlang des Flusses leben viele Gemeinden wie Verbannte in erzwungener Isolation. Die prekäre Sicherheitslage zwingt viele Menschen zur Flucht.

Immer mehr Indígena-Kinder werden von den bewaffneten Gruppen zwangsrekrutiert. Wie ein Sprecher der Provinzhauptstadt Mitú gegenüber dem Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen UNHCR erklärte, sei der Druck in den letzten Jahren so angewachsen, dass sich die Bedrohung durch Zwangsrekrutierung zu einem Hauptfluchtgrund entwickelt habe. Im Jahr 2008 flohen etwa 500 Familien aus ihrer Heimat, um ihre Kinder vor der Zwangsrekrutierung zu bewahren.

Schon ab 13 Jahren sind die Kinder für die bewaffneten Gruppen als künftige SoldatInnen interessant; ob Junge oder Mädchen, spielt dabei keine Rolle. Da viele Indígena-Ethnien akut vom Aussterben bedroht sind, sieht der Regionale Indígenarat von Vaupés CRIVA (Consejo Regional Indígenas del Vaupés) die Rekrutierung von Indígena-Kindern mit besonderer Besorgnis. Die Ethnie der Pizamira beispielsweise steht kurz vor dem Verschwinden: Erst im letzten Jahr wurden drei Kinder dieser Ethnie, die mittlerweile weniger als 50 Angehörige umfasst, von den bewaffneten Gruppen rekrutiert.

„Viele Eltern gehen in die Wälder, um ihre Kinder zu suchen, aber sie konnten sie nicht wieder mit zurücknehmen“, erklärte ein Sprecher des Indígena-Rats gegenüber dem UNHCR.

Laut CRIVA-Angaben wurden seit Anfang 2008 etwa 42 Kinder gezwungen, sich den bewaffneten Gruppen anzuschließen. Elf davon lebten in der Wohnschule in Bocas de Yi, einer in einer Biegung des Flusses Vaupés angesiedelten Gemeinde. Kinder aus der gesamten Flussregion kommen zum Lernen hierher.

Die etwa 200 EinwohnerInnen von Bocas de Yi leben in völliger Isolation ohne einen Zugang zu jeglicher Art von Grundversorgung. Sie teilen das wenige, was sie haben, mit den 160 Kindern, die hier die Schule besuchen. In der Wohnschule gibt es kein Wasser, keine Stromversorgung und keine Toiletten. Einige Kinder schlafen in Hängematten, andere auf dem Boden.

„Die meisten Kinder sind das ganze Jahr über hier, weil das Hin- und Herfahren zu gefährlich ist und auch zu lange dauern würde“, so ein Lehrer. „Wir haben hier Jahr für Jahr mit sehr harten Bedingungen zu kämpfen. Diese Kinder haben praktisch keine Perspektive, und dadurch sind sie natürlich enorm empfänglich für die Versprechungen skrupelloser Menschen.“

Die Zwangsrekrutierung erfolgt nicht immer unter Anwendung von Gewalt. Eine häufig angewendete Methode ist, die jungen Leute so zu indoktrinieren, dass sie sich in die Aussicht auf ein besseres Leben „verlieben“, wie man hier sagt. Doch nach dem humanitären Völkerrecht gilt die Rekrutierung von Minderjährigen durch illegale bewaffnete Gruppen immer als Zwangsrekrutierung, unabhängig davon, ob die Kinder sich freiwillig der Gruppe anschließen oder nicht.

Anstatt zu riskieren, ihre Kinder zu verlieren, entschließen sich viele Familien zu fliehen. Etwa 3.000 Personen, also ein Prozent der Bevölkerung von Vaupés, sind auf der Flucht.

Im Rahmen einer nationalen Initiative arbeitet das UNHCR gemeinsam mit den in Vaupés stationierten Militärs daran, die Vertriebenen über ihre Rechte zu informieren. „In Kolumbien sind die Militärs häufig den ersten und einzigen Repräsentanten des Staates für bedrohte Gemeinden“, so Roberto Mignone, stellvertretender UNHCR-Leiter in Kolumbien. „Beim Schutz der Menschen vor gewaltsamer Vertreibung spielen die bewaffneten Streitkräfte eine entscheidende Rolle.“

Aufgrund der starken kulturellen, gesellschaftlichen und ökonomischen Bindung der indigenen Bevölkerung an die Erde hat Vertreibung auf sie besonders gravierende Auswirkungen und kann sogar das Verschwinden ganzer Ethnien zur Folge haben. Nach Angaben des kolumbianischen Verfassungsgerichts ist davon ein Drittel der etwa 90 verschiedenen im Land lebenden Ethnien bedroht.

MEXICO

(Guatemala-Stadt, 10. September 2009, cerigua).- Erneut ist Mexiko nach dem Irak das Land, in dem sich die Ausübung der journalistischen Tätigkeit weltweit am gefährlichsten gestaltet. Das ergibt der neueste Bericht über die Situation des Journalismus in Mexiko, erarbeitet vom Lateinamerikanischen Dachverband der JournalistInnen FELAP-México (Federación Latinoamericana de Periodistas), dem Dachverband der mexikanischen JournalistInnenverbände FAPERMEX (Federación de Asociaciones de Periodistas Mexicanos) und dem Club Titelseite CPP (Club Primera Plana). Dabei nehme das Land „weltweit den ersten Platz für Ermordungen, Verschleppungen und andere Angriffe gegen MitarbeiterInnen der Presse“ ein. Die Lage sei nur im Irak prekärer, „welches einen Interventionskrieg der USA und seiner Alliierten“ erlebe.

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Der Bericht, der am 1. September 2009 aktualisiert wurde, vermerkt für das laufende Jahr acht ermordete JournalistInnen. Nach Statistiken über Gewalt gegen PressevertreterInnen wurden 34 JournalistInnen zwischen 1983 und 2000 ermordet; das sind im Durchschnitt zwei pro Jahr. Seit 2000, in den sechs Jahren der Regierung Vicente Fox Quesada und den bisherigen gut zweieinhalb Jahren der Präsidentschaft von Felipe Calderón, wurden 60 Morde an JournalistInnen und elf gewalttätige Verschleppungen von ReporterInnen und PressemitarbeiterInnen gezählt. Das ergibt einen Durchschnitt von fast sieben Morden pro Jahr. 2008 war mit zwölf Ermordeten und zwei Verschleppten das bisher brutalste Jahr.

Laut einer Veröffentlichung der Katholischen Organisation für Kommunikation in Lateinamerika und der Karibik OCLACC (Organización Católica Latinoamericana y Caribeña de Comunicación) verbleiben zudem die insgesamt 30 Morde unter der gegenwärtigen Regierung in absoluter Straflosigkeit.

Angesichts dessen betonten die Organisationen, die den Bericht veröffentlichten, dass der Berufsverband der JournalistInnen hinsichtlich der Situation der Menschenrechte nichts Lobenswertes zu vermelden habe. So blieb ihnen lediglich, Gerechtigkeit und ein Ende der Gewalt gegen JournalistInnen zu fordern.

PERU

(Berlin, 18. September 2009, npl).- Zeitgleich zur Bergbaumesse PERUMIN forderte der Konflikt um den Bergbau in Peru erneut Tote. Am Dienstag, den 15. September kam es in Vista Alegre in der nordperuanischen Provinz Hualgayoc-Cajamarca zu einer Schießerei, die zwei Tote und mehrere Verletzte gefordert hat. Nach Angaben von Prensa Alternativa handelt es sich bei den Toten um den 19-jährigen José Mori Hoyos und ein Kleinkind.

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Die Firma Consolidada de Hualgayoc S.A. betreibt Probebohrungen in der Provinz Hualgayoc-Cajamarca. Dazu hat sie die nötige Erlaubnis des Ministeriums für Energie und Bergbau, obwohl die AnwohnerInnen, die gegen den Bergbau sind, zuvor nicht dazu befragt worden sind.

Die Bevölkerung hatte zuvor ihre absolute Ablehnung gegenüber jeglicher Bergbautätigkeit in ihrer Region betont. Schon vor Jahren seien Flüsse durch die Aktivitäten von Consolidada vergiftet worden. Daher befürchten die Bauern nun eine Verschlechterung ihrer Wasserqualität, die für ihre Vieh- und Landwirtschaft lebensnotwendig ist.

Nachdem in mehreren Gesprächen mit Vertretern der Behörden und der Firma keine Einigung erzielt werden konnte, stellten die AnwohnerInnen von Vista Alegre der Firma Consolidada ein Ultimatum, welches diese jedoch verstreichen ließ.

Angaben der Umweltschutzorganisation Grufides zufolge habe die Auseinandersetzung am Nachmittag des 15. September am Rand einer Kundgebung vor dem Firmengelände stattgefunden. Zwischen Wachleuten der Bauern aus Vista Alegre und Umgebung einerseits, und Bewaffneten im Auftrag des Bergbauunternehmens und Polizisten sei es zu einem Schusswechsel gekommen. Der Getötete Mori Hoyos sei ein Mitarbeiter der Consolidada gewesen. Bei den Auseinandersetzungen wurde auch ein Tankwagen der Firma in Brand gesteckt.

Die regionale Vereinigung der Bauernverbände von Cajamarca erklärte, Bauern aus Vista Alegre Alta, die für die Mine seien und Bewaffnete mit Unterstützung der Bergbaufirma seien gegen Bauern und lokale Behörden vorgegangen, die gegen Probebohrungen auf ihrem Gebiet sind. AnwohnerInnen zufolge habe Consolidada zuvor Leute angeworben, welche die GegnerInnen des Unternehmens infiltrieren und so für Spaltung und Auseinandersetzungen sorgen sollten.

Wie Prensa Alternativa berichtet, habe Consolidada, die je zur Hälfte den Bergbaumultis Buenaventura und Goldfields gehört, dieselbe Strategie wie viele andere transnationale Unternehmen in Peru angewandt. Gruppen würden bezahlt, um die Auseinandersetzung mit Gemeinden zu suchen, die sich gegen den umweltschädlichen Bergbau wehren.

Für Donnerstag den 17. September wurde aus Protest gegen die Vorkommnisse in Vista Alegre ein Streik in der Provinz anberaumt.

Die regionale Vereinigung der Bauernverbände plant nun, eine Vollversammlung einzuberufen. Dort soll besprochen werden, wie mit den von den Bergbauunternehmen ausgelösten sozialen Konflikten umzugehen ist. Den regionalen Behörden warf die Vereinigung mangelnde Kompetenz vor. Das “unverantwortliche” Handeln des Bergbauministeriums könne einen Aufruhr in allen Regionen der südlichen Cajamarca-Provinz auslösen.

(Berlin, 17. September 2009, npl).- Vom 14. bis 18. September fand im südperuanischen Arequipa die 29. Bergbaumesse PERUMIN statt, an der tausende UnternehmerInnen aus der ganzen Welt teilgenommen haben. “Perumin ist eine der wichtigsten Bergbauveranstaltungen in Lateinamerika und fördert den technischen Austausch zwischen den Fachleuten und die Geschäftsmöglichkeiten unter den teilnehmenden Unternehmen”, schreibt die ebenfalls beteiligte Firma Siemens.

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Während dieser Tagung berichteten regionale wie nationale Medien über nicht anderes mehr – sehr zum Ärger der VertreterInnen zahlreicher sozialer Organisationen, die seit Jahren gegen die negativen Auswirkungen des Bergbaus mobil machen. Der Dachverband der peruanischen vom Bergbau betroffenen Gemeinden CONACAMI Perú (Coordinadora Nacional de Comunidades del Perú Afectadas por la Minería) bemängelte, die Medien hätten sich von den öffentlichkeitswirksamen Kampagnen der großen Bergbauunternehmen regelrecht einlullen lassen. Die Kampagnen hätten zum Ziel, die Kritik an diesem Industriezweig ins Leere laufen zu lassen, um stattdessen ein Panorama des Wohlstands für alle zu malen.

Daher organisierten die Verbände CONACAMI und AIDESEP am 17. und 18. September ebenfalls einen Kongress in Arequipa – als Alternative zur PERUMIN. Hier trafen sich VertreterInnen aus den andinen und amazonischen Regionen, um sich auszutauschen und über den Zusammenhang zwischen Bergbauaktivitäten und sozialen Konflikten zu diskutieren. Das Treffen wurde per Livestream weltweit übertragen (www.conacami.org).

Der Vorsitzende der CONACAMI Perú, Francisco Muñiz Tristán, erklärte, dass dieser Austausch dazu beitragen werde, die negativen Seiten der Bergbauaktivitäten besser kennen zu lernen. Die Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung, die Enteignung der Ländereien und das Fehlen einer Befragung der Bevölkerung durch den Staat und die Unternehmen, wie es das Abkommen 169 der ILO vorsieht, seien Aspekte, die auf der PERUMIN nicht zur Sprache kämen.

Auch Hilda Huamán, Vorsitzende des Regionalkomitees der CONACAMI unterstrich die Bedeutung des Alternativtreffens, da dort RepräsentantInnen sowohl aus den Anden- als auch den Amazonasregionen zusammen gekommen seien, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen hätten. Sie hoffte auf ein zukünftiges gemeinsames Vorgehen, um die gemeinsamen Rechte zu verteidigen.

Beide begrüßten die Anwesenheit von VertreterInnen der Interethnischen Vereinigung zur Entwicklung des peruanischen Regenwaldes AIDESEP (Asociación Interétnica de Desarrollo de la Selva Peruana), die an der Organisation und der Mobilisierung zum Kongress beteiligt waren. So könne der Erfahrungsaustausch auf die Aktivitäten der Ölfirmen im Amazonasgebiet erweitert werden. Zudem könne nachdrücklicher ein Ende der Kriminalisierung, Verfolgung und Verurteilung von amazonischen und andinen Führungskräften gefordert werden.




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