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Poonal Nr. 926 von 13.12.2010 bis 19.12.2010

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Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes lateinamerikanischer Agenturen 13.12.2010 bis 19.12.2010

Inhalt


BRASILIEN

HAITI

LATEINAMERIKA

MEXIKO

NICARAGUA

PERU


BRASILIEN

von Christian Russau

alt(17. Dezember 2010, amerika21.de).- Der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte CoIDH (Corte Interamericana de Derechos Humanos) der Organisation Amerikanischer Staaten hat den brasilianischen Staat wegen der Verschleppung und Ermordung von 62 Mitgliedern der Rebellenorganisation Guerrilha do Araguaia zwischen 1972 bis 1974 verurteilt. Mit dem Richterspruch vom 24. November wird den Behörden auch vorgeworfen, die Verantwortlichen für die Morde nicht ermittelt zu haben.

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Entschädigungszahlungen trotz Amnestiegesetz in Brasilien

Das 126-Seiten umfassende Urteil legt zudem Entschädigungszahlen für die Angehörigen fest. Hinzu kommt die Verpflichtung des brasilianischen Staates, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um die Leichen der Mordopfer ausfindig zu machen.

In Brasilien besteht seit 1979 ein umfassendes Amnestiegesetz, das alle Taten aus der Zeit der Militärdiktatur von der Strafverfolgung ausnimmt. Zu Beginn dieses Jahres hatte der Oberste Gerichtshof Brasiliens in einem Urteil abschließend die Rechtsgültigkeit dieses Amnestiegesetzes festgestellt, was bei Menschenrechtsorganisationen und Angehörigen der Opfer der Militärdiktatur auf massiven Protest gestoßen war.

Mehr als 80 WiderstandskämpferInnen vermisst

Die Klage vor dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte war von brasilianischen Menschenrechtsorganisationen angestrengt worden. In Brasilien selbst prozessieren die Angehörigen der Verschwundenen der Guerrilha do Araguaia seit nunmehr 28 Jahren gegen den brasilianischen Staat, um das Schicksal der Opfer aufzuklären. Es ist einer der langwierigsten Gerichtsprozesse in Brasilien.

Die Guerrilha do Araguaia wurde Anfang der 1970er Jahre von Mitgliedern der damals verbotenen Kommunistischen Partei von Brasilien PCdoB (Partido Comunista do Brasil) gegründet und operierte bis Ende 1974. Die schätzungsweise 70 bis 80 Mitglieder und eine unbekannte Zahl von ZivilistInnen, denen das Militär “Kollaboration mit den Subversiven” vorgeworfen hatte, sind seitdem verschwunden.

Regierung verweigert widerrechtlich Akteneinsicht

Das brasilianische Justizministerium legte im Jahre 2004 einen “abschließenden” Bericht vor, dem zufolge 71 Personen, deren Überreste bis heute nicht alle gefunden wurden, als “verschwunden” gelten. Zudem verweigert die brasilianische Zentralregierung trotz entsprechender Gerichtsentscheide den von der Verfassung garantierten Zugang zu den bislang geheimen Akten.

In einem anderen Aufsehen erregenden Fall von 2008 war über einen Folterer wegen Taten aus der Zeit der Militärdiktatur trotz des Amnestiegesetzes ein Urteil gesprochen worden – allerdings nicht straf-, sondern zivilrechtlich in einer so genannten “Feststellungsklage”. Es gab ein Urteil, aber keine Verurteilung.

 

HAITI

von Tatiana Félix

alt(Fortaleza, 06. Dezember 2010, adital).- Am 28. November 2010 war die Bevölkerung Haitis an den Wahlurnen, um eine neue Präsidentin bzw. einen neuen Präsidenten zu wählen. 18 KandidatInnen konkurrierten um das Amt, dennoch baten gleich nach der Wahl 12 der KandidatInnen um Annullierung des Vorgangs, unter ihnen die FavoritInnen Mirlande Manigat, Michel Martelly und Carles Henri Baker. Grund: Wahlbetrug.

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Vorhersehbares Scheitern der Wahlen

Die von Verwirrung und Widersprüchen geprägten Wahlen in Haiti haben viele politische Organisationen und einen Großteil der Bevölkerung empört. Die basisdemokratische Gewerkschaft Batay Ouvriye erklärt in einem Kommunique, dass die „Farce des Sonntags“ vorauszusehen war. Die dominierenden Gruppen hätten von vornherein deutlich gemacht, dass sie ihre Macht nicht aufgeben wollten, heißt es in dem Papier.

“Tatsächlich gehört fast das ganze Parlament, wie auch alle anderen, die mittels verschiedener Mechanismen die so genannte ,Demokratie` manipulieren, der relativ neuen Klasse eines bürokratischen Bürgertums an, das sich gerade herausbildet. Aus diesem Grund sind sie alle an der Neuformierung von dominierenden Klassen im Land“, analysiert Batay Ouvriye die Machtverhältnisse im Land.

Wankelmütige PräsidentschaftskandidatInnen

Die Organisation kritisiert zudem den Wankelmut der KandidatInnen Manigat und Martelly, die zunächst an dem opportunistischen und rechtswidrigen Wahlgang teilnahmen, anschließend die Annullierung der Wahlen forderten um später ihre Meinung wieder zu ändern, und die Wahlen akzeptierten. „Der Opportunismus ist eine bedeutende Eigenschaft in heruntergekommenen Gesellschaften fortgeschrittenen Verfalls“, so die harsche Kritik.

Die Wahlfarce sei durch die Gegenwart der Hilfsgruppen im Land noch begünstigt worden. „Deren Rolle im Wahlgang war entscheidend“, so die Position der Organisation. Den vermeintlichen Hilfsgruppen sei es um das eigene politische Gewicht gegangen und um mit Kapitalinvestitionen verbundene Machenschaften, die ihren eigenen Interessen dienten, kritisiert Batay Ouvriye.

KandidatInnen schweigen zu MINUSTAH-Truppen

Auch die Anwesenheit von 12.000 gut ausgerüsteten SoldatInnen der UN-Stabilisierungsmission MINUSTAH spielt nach Ansicht der Organisation in der politischen Agenda eine große Rolle, jedoch habe kein Anwärter bzw. keiner Anwärterin auf das Präsidentenamt sich explizit zu den Besatzungstruppen geäußert.

Die dominierenden Klassen und deren MitstreiterInnen seien von ImperialistInnen abhängig, um wirtschaftlich, politisch und auch militärisch zu überleben. „Der Wahlgang bildete dabei keine Ausnahme. Es sind die ImperialistInnen, die diese Wahl finanzierten und organisierten und angesichts der großen Schwächung der dominierenden Klassen und der völligen Unfähigkeit des reaktionären Staates sind es schließlich auch die Imperialisten, die den Ton angeben“, urteilt die Organisation.

UN-Besatzung verhindert progressive Lösungen

Batay Ouvriye geht mit der MINUSTAH-Besatzung hart ins Gericht: „Aus einem Besatzungszustand heraus kann weder Demokratie entstehen noch werden sich anderweitige progressive Lösungsansätze realisieren lassen“, erklärt Batay Ouvriye. Alle Lösungsversuche, die aus der gegenwärtigen Situation entstehen, würden sich gegen die Bevölkerung des Landes wenden.

(Foto: MINUSTAH-Soldaten im Einsatz/Quelle: United Nations Photos, flickr)

LATEINAMERIKA

alt(Lima, 19. November 2010, noticias aliadas).- Lateinamerika und die Karibik haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten bedeutende Fortschritte in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Einkommen gemacht. Zu diesem Ergebnis kommt der am 4. November veröffentlichte Bericht über die menschliche Entwicklung 2010 des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen UNDP (United Nations Development Programme).

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Ungleichheit bei Gesundheit, Bildung und Einkommen

Ungeachtet der Verbesserungen bestünden aber noch immer sehr große Ungleichheiten zwischen den Ländern als auch innerhalb der einzelnen Staaten, beispielsweise zwischen Männern und Frauen. Der Bericht mit dem Titel “Der wahre Reichtum der Nationen: Wege zur menschlichen Entwicklung” berücksichtigt zum ersten Mal seit Erscheinen des Berichts über die menschliche Entwicklung im Jahr 1990 drei neue Indikatoren für die Bestimmung des Index für menschliche Entwicklung HDI (Human Development Index).

Dabei handelt es sich um den Ungleichheit einbeziehenden Index für menschliche Entwicklung IHDI (Inequality-adjusted Human Development Index), den Index für geschlechtsspezifische Ungleichheit sowie den Index für mehrdimensionale Armut.

Die Mehrheit der 32 lateinamerikanischen und karibischen Länder gehört laut des Berichts zu den hoch entwickelten oder zu den Ländern mittleren Entwicklungsstandes. Trotzdem zeige der mehrdimensionale Armutsindex IHDI, “dass die Ungleichheit hinsichtlich Gesundheit, Bildung und Einkommen den Human Development Index (HDI) der Region um 25 Prozent senkt. Das betrifft vor allem Haiti, Bolivien, Guatemala, Peru und Panama, deren HDI aufgrund beträchtlicher Ungleichheiten in allen drei Bereichen sehr viel niedriger ist.” Der durchschnittliche HDI liegt in der Region bei 0,704, während der IHDI nur bei 0.527 liegt.

Keine vergleichbaren Daten aus Kuba

“In einigen Bereichen, vor allem der Einschulungsrate, haben sich Lateinamerika und die Karibik dem Niveau der USA und Europa angenähert” so Jeni Klugman, Hauptautorin des Berichts. “Diese Entwicklung ist zu großen Teilen sozialpolitischen Programmen zu verdanken. Dennoch bleibt Ungleichheit nach wie vor die größte Herausforderung in der Entwicklungsarbeit.”

Im diesjährigen Bericht ist Kuba aufgrund fehlender international vergleichbarer Daten hinsichtlich des Einkommens nicht aufgeführt. Allerdings enthält der Bericht Zahlen, die Kuba hervorragende Ergebnisse in den Bereichen Gesundheit und Bildung bescheinigen.

MEXIKO

alt(Lima, 25. November 2010, noticias aliadas).- Am 24. November forderten die Vereinten Nationen Mexiko zur Schaffung einer Behörde auf, die sich speziell um den Schutz von MenschenrechtsaktivistInnen im Land kümmern soll.

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Der Vertreter des Hohen Kommissariats für Menschenrechte der Vereinten Nationen in Mexiko, Javier Hernández, erklärte, dass in der Hälfte aller 180 Fälle von Übergriffen auf MenschenrechtsaktivistInnen die UrheberInnen unbekannt seien. In einem Drittel der Fälle sei es jedoch wahrscheinlich, dass Sicherheitskräfte für die Übergriffe verantwortlich sind.

NICARAGUA

von Darius Ossami

alt(Berlin, 14. Dezember 2010, npl).- Die „Nueva Vida Fair Trade Zone“ ist eine von Frauen gegründete Kooperative aus Ciudad Sandino, Nicaragua. Sie stellt Kleidung aus biologisch angebauter Baumwolle unter fairen Arbeitsbedingungen her und behauptet von sich, weltweit die einzige Freie Handelszone in den Händen der ArbeiterInnen zu sein. Mit María Elena Medina, Mitglied der Kooperative, sprachen Darius Ossami und Kristin Gebhardt.

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Wie kam die Idee zustande, eine Frauen-Kooperative zu gründen?

Wir haben am Ufer des Managuasees gelebt, als 1998 der Hurrikan Mitch über Mittelamerika gezogen ist. Wir haben alles verloren und wurden in ein Brachland 20 Minuten westlich der Hauptstadt Managua umgesiedelt. Unsere ersten Häuser waren Hütten mit Plastikplanen; dort lebten wir über zwei Jahre lang. Wir hatten keine Arbeit, aber bekamen Hilfe von der Regierung und von vielen NGOs. Dort haben wir auch das Entwicklungszentrum für Zentralamerika CDCA (Center for Development in Central America) kennengelernt.

Diese Organisation hatte die Idee, ein Projekt zu gründen um für uns Frauen dauerhafte Arbeitsplätze zu schaffen. So haben sich 100 Frauen organisiert. Wir haben gelernt, was eine Kooperative ist, eine GmbH und so weiter und haben uns entschieden, eine Kooperative zu gründen. Das bedeutet, dass wir alle BesitzerInnen sind, dass wir alle dieselben Rechte haben, wie zum Beispiel das gleiche Stimmrecht und das Recht, Vorschläge einzubringen. Wir sind in einem Entscheidungsgremium organisiert, in dem die Entscheidungen mittels einer einfachen Stimmenmehrheit getroffen werden. Alle Entscheidungen, ob groß oder klein, wichtig oder unwichtig.

Besteht eure Kooperative nur aus Frauen?

Nein. Das Projekt zielte am Anfang auf Frauen ab, denn die Gemeinde bestand zu 70 Prozent aus alleinstehenden Frauen, die die Familie führten. Aber als wir an dem Bau der Fabrik gearbeitet haben – finanziert durch einen Kredit über 100.000 US-Dollar, der Stück für Stück zurück gezahlt werden sollte, weshalb wir mehr als zwei Jahre ohne Gehalt arbeiteten – sind während dieser Zeit die meisten Frauen abgesprungen. Am Ende waren wir neun Frauen und ein Mann.

altDieser Mann hat uns von sich aus geholfen, denn wir mussten ein Gebäude errichten und er kam vorbei und sah uns arbeiten und Zement anrühren. Also hat er uns geholfen und so ist die Idee entstanden, dass dort nicht nur ausschließlich Frauen arbeiten sollten. Im Moment arbeiten bei uns 30 Personen, davon sind 22 Frauen und acht Männer. Aber wir bevorzugen immer die Frauen, denn in unserem Land gibt es einen weit verbreiteten Machismus. Daher wissen wir, dass die Frauen viel verantwortungsbewusster sind und wenn es freie Arbeitsstellen gibt, bevorzugen wir die Frauen, aber prinzipiell herrscht bei und Geschlechtergleichheit.

Wie unterscheiden sich eure Arbeitsbedingungen von denen in den großen Maquiladoras?

Nachdem wir schon das Gebäude gebaut hatten, mussten wir noch eine Zeit auf Aufträge und die Maschinen warten. Da wir also wenig Arbeit hatten, habe ich mich entschieden, zu einer großen Maquila zu gehen, weil es dort am ehesten Arbeit in Nicaragua gibt. Ich habe dort nur einen Monat gearbeitet, denn in diesen vier Wochen, ich glaube in der dritten Woche war es, da hat eine meiner Arbeitskolleginnen um Erlaubnis gebeten, auf Klo gehen zu dürfen, denn dort darf man nicht einfach so aufstehen, wenn es nicht notwendig ist. Die Kollegin war hochschwanger und bat um Erlaubnis, aufzustehen weil sie Unterleibsschmerzen hatte und auf Klo gehen wollte. Doch die Aufseherin hat ihr das nicht erlaubt.

Als die Kollegin die Schmerzen nicht mehr ausgehalten hat, ist sie aufgestanden und aufs Klo gegangen. Als sie nach einiger Zeit auf ihren Arbeitsplatz zurückkehrte hat sie stark geblutet. Es wurde dann ein Arzt gerufen, aber es war schon zu spät. Sie verlor ihr Baby, ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich und das letzte was wir hörten war, dass sie gestorben ist. Nach dieser schlimmen Erfahrung habe ich beschlossen, zu gehen. Ich hab mir gesagt, wie soll ich hier arbeiten, wo es keinen Respekt vor gar nichts gibt?

altLieber verkaufe ich wieder Brot auf der Straße, so wie ich das schon vorher mit meiner Mutter gemacht habe. Das war schon ziemlich hart zu sehen, dass unsere nicaraguanischen Schwestern so etwas durchmachen und auch noch dableiben müssen, denn es ist die einzige Arbeitsmöglichkeit, die es gibt. Solche Arbeitsbedingungen gibt es in unserem Land. Als Kooperative ist es unsere Ziel, gemäß den Normen des fairen Handels zu arbeiten. Wir respektieren die Arbeitsrechte und die Menschenrechte der ArbeiterInnen. Als ArbeiterInnen geben wir uns die Möglichkeit, vom Arbeitsplatz aufzustehen, so oft wie wir das für nötig halten, um Wasser zu trinken oder aufs Klo zu gehen. Wir müssen dafür nicht um Erlaubnis fragen.

Was produziert ihr denn genau?

Kleidung für Männer, Frauen und Kinder. Die Stoffe, die wir verarbeiten sind zu 100 Prozent aus biologischer Baumwolle. Unser Rohmaterial importieren wir aus Peru, die gesponnene Baumwolle bringen wir nach Costa Rica, wo sie gewebt und gefärbt wird. All diese Arbeitsschritte sind biologisch zertifiziert und am Ende schließlich landen diese Stoffe in unserem Lager in Nicaragua. Unsere Kunden kommen aus dem Bereich des Fairen Handels.

Hier in Deutschland arbeiten wir mit acht verschiedenen Organisationen, die von Zündstoff vertreten werden, einem kleinen Fair-Trade-Laden mit Bio-Kleidung in Freiburg. In Nordamerika kauft die presbyterianische Kirche bei uns. Wir verkaufen auch an StudentInnen, die an den US-Universitäten im fairen Handel engagiert sind; auch die bestellen bei uns kleine Mengen.

Der staatliche Mindestlohn liegt bei 210 Dollar im Monat. Wie kommt ihr damit über die Runden?

Wir nennen das "salario de sobreviviencia", ein Lohn, der zum Überleben reicht. Der ist noch verbesserungsfähig, denn eine Familie von mindestens vier, sechs Personen braucht wenigstens 500 Dollar monatlich zum Überleben. Und wir konnten diese Summe immer noch nicht auszahlen. Es ist eines unserer Ziele, unsere sozioökonomische Situation zu verbessern, für alle, die in der Kooperative arbeiten. Wir machen diese Tour durch Deutschland und hoffen, unsere wirtschaftlichen Kontakte zu verbessern und eine bessere Nachfrage zu erzielen, um dieses Ziel auch umzusetzen.

Was wollt ihr erreichen?

Unser Ziel ist nicht nur, wirtschaftlich zu wachsen. Als wir angefangen haben, hatten wir noch keine abgeschlossene Schulausbildung. Deshalb haben wir uns zum Ziel gesetzt, der Bildung einen hohen Stellenwert einzuräumen, weil das auch gerade bei der Unternehmensführung fehlt. Laut Gesetz beträgt die Arbeitszeit in Nicaragua 48 Stunden pro Woche. Aber wir arbeiten nur 45 Stunden pro Woche, von Montag bis Freitag, mit einer Stunde Mittagspause. Den Samstag halten wir uns frei, um zur Schule zu gehen. Die meisten schließen gerade ihre Schulausbildung ab, zwei von uns beenden gerade die Uni, weitere vier die Oberstufe.

altAußerdem wollen wir auch soziale Projekte für unsere Gemeinde anschieben. Unsere Gemeinde ist entstanden aus all den Menschen in Managua, die vom Hurrikan Mitch betroffen waren. Es ist eine extrem arme Gemeinde, eine die von der Stadtverwaltung am Wenigsten wahrgenommen wird, weil sie eine der Neuesten in Ciudad Sandino ist, und wir eben die Ärmsten sind.

Da die Ärmsten am wenigsten Steuern zahlen, sind sie auch die letzten, die Zuwendungen von der Regierung erhalten. Es gibt dort viele Probleme, zum Beispiel hat eine in der Nähe errichtete Müllkippe für die Ausbreitung von Dengue und Malaria gesorgt. Wir planen, 15 Prozent unserer Gewinne in die Gemeinde zu investieren. Bisher war das allerdings nicht möglich.

Foto oben: Maria Elena Medina in Berlin (Foto: Darius Ossami)
Andere Fotos:
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PERU

alt(Buenos Aires, 25. Dezember 2010, púlsar).- Die Generalsekretärin der landesweiten JournalistInnen-Vereinigung ANP (Asociación Nacional de Periodistas), Zuliana Laynes, beklagte in einem Interview Ende November die von Seiten der Regierung betriebene Einschüchterungspolitik gegen regionale Radiosender. Im Gespräch mit der landesweiten Koordinierungsstelle für den Rundfunk CNR (Coordinadora Nacional de Radio) gab Laynes bekannt, dass sich in den Archiven der Vereinigung Beschwerden gegen die Schließung von mehr als 100 Radiosendern befänden.

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Schließungen politisch motiviert

Laut Laynes würden als Argumente für die Schließung der Sender immer wieder technische oder Verwaltungsgründe angegeben. Tatsächlich, so zeigten sämtliche Untersuchungen, seien die Schließungen auf politische Ursachen zurückzuführen. Die geschlossenen Sender hätten „kritisch über die Kriminalisierung der sozialen Proteste berichtet“. Als Beispiel hierfür führte Laynes den Fall des Radiosenders „La Voz de Bagua“ am Amazonas an. Das Ministerium für Transport und Kommunikation entzog dem Sender seine Lizenz, weil dieser die Proteste in Bagua vom Juni 2009 begleitet hatte.

Ähnlich ist auch die Situation des Senders „Radio Oriente de Yurimangas“ in Loreto. In einem Prozess wegen Berichterstattung zu den Protesten in Bagua wartet Giovanni Acate Coronel, der Leiter des Senders, neben weiteren Führungspersonen aus der Provinz Alto Amazonas auf sein Urteil. Die zuständige Staatsanwaltschaft forderte eine 10-jährige Gefängnisstrafe und warf den Angeklagten Komplizenschaft bei der Störung des öffentlichen Transports, der Kommunikation und anderer öffentlichen Dienstleistungen vor.

Einschüchterungsversuche gegen "Radio Oriente de Yurimangas"

Bereits kurz nach den ersten Berichten war versucht worden, den Sender einzuschüchtern: Eine unbekannte Person rief beim Sender an und drohte damit, dass im Falle einer Fortsetzung der Berichte das gleiche passieren würde wie mit dem Sender „La Voz“. Dem Sender „La Voz“ war am 12. Juni 2009 unter dem Vorwurf der Unterstützung des Terrorismus die Lizenz entzogen worden (siehe poonal Nr. 849).

In diesem Kontext kritisierte Laynes die Situation im Land scharf: „Keine Gesellschaft kann sich als demokratisch bezeichnen, wenn sie nicht über aktive Kommunikationsmedien und eine informierte Zivilgesellschaft verfügt.“

Im Juni 2009 hatte die Regierung um die im Amazonasgebiet gelegene Kleinstadt Bagua herum den Ausnahmezustand verhängt. Indigene hatten mit Straßensperren gegen gesetzliche Beschneidungen ihrer Landrechte im Amazonasgebiet protestiert. Am 5. Juni wurde eine Polizeieinheit zur Auflösung der Straßenblockaden eingesetzt. Bei den gewaltsamen Übergriffen gegen die Indígenas an der Curva del Diablo wurde viele Menschen verletzt und mehr als 30 Indigene getötet.




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