(Berlin, 12. Juni 2009, npl).- Als Lidl vor gut drei Jahren fair gehandelten Kaffee in seine Filialen holte, hagelte es von Seiten der Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen wie Attac Kritik. Lidl wolle sich "fairwaschen", hieß es damals. Der Discounter würde den Ruf der fair gehandelten Produkte nutzen, um sein Image als Lohndrücker in Deutschland loszuwerden. Dem Verein Transfair e.V., der den Deal mit Lidl einfädelte, wurde vorgeworfen, der eigenen Sache einen Bärendienst zu erweisen. Transfair wiederum sieht durch die zunehmende Präsenz ihrer Produkte das Ziel zum Greifen nahe, dass der faire Handel sein Nischendasein verlässt und endlich auf breiter Basis für fair gehandelte Produkte sorgt. Dass Fair Trade generell sein Versprechen nicht halten kann, wird dabei außer acht gelassen.
Acht Stunden dauert die Fahrt über holprige Pisten in einem rostigen Toyota-Minibus von La Paz bis nach Alto Sajama. Dabei liegt die Kaffeekooperative gerade mal 200 Kilometer von der bolivianischen Hauptstadt entfernt. Um hier herzukommen, muss die Handvoll VertreterInnen deutscher Weltläden eine beschwerliche Reise auf sich nehmen, die über bucklige Staubpisten vom kargen Hochland in die tropischen Yungas führt. Trotz der beschwerlichen Anreise gibt es jetzt keine Pause. Im hellen Versammlungsraum der Kaffeekooperative warten bereits mehrere Dutzend KooperativistInnen auf die Gäste aus dem fernen Europa. Erwartungsvolle Blicke empfangen die BesucherInnen, die sich auf der Bühne des Versammlungsraums und unerwartet in der Rolle von ReferentInnen wiederfinden, um über die Geschichte des fairen Handels in Deutschland zu berichten.
Die Begegnung zwischen den Kooperativenmitgliedern und den fairen HändlerInnen ist Teil einer Reise, die Adina Hammoud von der Gesellschaft für solidarische Entwicklungszusammenarbeit aus Berlin organisiert hat. Der Austausch steht im Vordergrund - und der ist für beide Seiten von Überraschungen geprägt. Denn obwohl der Kaffee der Berliner Bohne - einem regionalen Fairhandelsprodukt - aus Alto Sajama kommt, wissen beide Seiten fast nichts voneinander. Während die Deutschen wenigstens im Allgemeinen über die Bedingungen des Handels bescheid wissen, verfügen die LandwirtInnen der Kaffeeplantage über fast keine Informationen, was die Situation des fairen Handels auf der anderen Seite - in Deutschland - anbelangt.
Seit gut 30 Jahren bestehen faire Handelsbeziehungen zwischen Bolivien und der Bundesrepublik Deutschland. Aus Bolivien werden neben Kunsthandwerk hauptsächlich Quinoa, Kaffee und Kakao nach Deutschland exportiert. Anders als in Deutschland, wo der faire Handel im gesamten Handelsvolumen einen fast nicht messbaren Anteil hat, macht der faire Handel für Bolivien ungefähr 10-15 Prozent der gesamten Handelsbeziehungen aus und ist damit durchaus ein Faktor in der Handelsbilanz.
So liefert die Kooperative in den Yungas für den deutschen Markt Bio-Kaffee, der von der größten europäischen Fair Trade Importorganisation Gepa nach Deutschland transportiert und Bestandteil des Berliner Fair Handelskaffee ist. Die KaffeepflanzerInnen in Bolivien erhalten für einen Sack 182 US-Dollar von den Fair TraderInnen aus Deutschland. Das ist ungefähr ein Euro für das Pfund.
Während die Bauern in Alto Sajama nur einen Euro verdienen, wird das Pfund in den Berliner Weltläden für sieben Euro weiterverkauft. Sechs Euro werden für Weiterverarbeitung, Zwischenhandel Kaffee- und Mehrwertsteuer ausgegeben. Damit macht der Preis, der im fairen Handel bezahlt wird, inzwischen kaum mehr aus, als die Preise, die an der New Yorker Kaffeebörse gehandelt werden. Dazu kommt, so Nieve Aguilar, Präsidentin der Frauenvereinigung von Alto Sajama, das sich der Preis, den die Gepa für den Kaffee aus Alto Sajama bezahlt, seit Jahren nicht verändert hat: "Den Erlös, den wir im fairen Handel erzielen können, ist für uns mittlerweile zu niedrig. Da alles teurer geworden ist, können wir mit diesem Preis kaum noch profitabel wirtschaften."
Für die Kaffeebäuerin ist der Austausch mit den deutschen Eine-Welt-AktivistInnen eine gute Möglichkeit klar zu machen, dass unter diesen Bedingungen kein fairer Handel möglich ist. Anstatt über die Gepa den Handel nach Deutschland abzuwickeln, würde die Kooperative aus den Yungas viel lieber direkt die Weltläden in Deutschland beliefern. Als bei der Diskussion die KooperativistInnen konkret nachfragen, reagiert die deutsche Weltladendelegation verhalten: "Wir sehen uns nicht in der Lage, als einzelner Laden direkt mit der Kooperative ins Geschäft zu kommen. Dafür verkaufen wir in unserem Laden selbst zu wenig Kaffee und besitzen zudem nicht die Handelsstrukturen", gibt Judith Siller vom Weltladen A Janela aus Berlin-Wilmersdorf zu, die seit über 20 Jahren ehrenamtlich im fairen Handel tätig ist.
Dass Judith Siller für ihre Verkaufstätigkeit gar nicht bezahlt wird und damit noch billiger arbeitet, als die VerkäuferInnen beim Discounter Lidl, ist für Julio Prado ein weiteres Merkmal, das im Widerspruch zum hehren Anspruch der Fair TraderInnen steht: "Auf der einen Seite ist der Produzent, der aufgrund des niedrigen Abnahmepreises keinen nennenswerten Gewinn erzielt. Auf der anderen Seite der Kette befindet sich ein Netz freiwilliger HelferInnen aus Deutschland, die ohne Lohn den Verkauf organisieren. Die größten Profiteure sind die Zwischenhandelsorganisationen. Während hier gute Gehälter, Versicherungen usw. bezahlt werden, haben die Freiwilligen und die Produzenten, die die eigentliche Arbeit machen, nichts davon."
So kommt es zu der paradoxen Situation, dass nicht nur die bolivianischen ProduzentInnen kaum mehr verdienen, als KaffeebäuerInnen im konventionellen Handel, sondern die VerkäuferInnen in den Weltläden in Deutschland zudem größtenteils Ehrenamtliche sind. "Wenn es ein lohnender Markt sein soll, muss der Preis auch die Leute in Europa bezahlen, die dort die Produkte über die Ladentheke schieben", meint Julio Prado.
Der Handelsexperte, der selbst jahrelang im fairen Handel für Kunsthandwerk aktiv war, glaubt mittlerweile, dass Bolivien eher durch konventionelle Handelsbeziehungen in eine bessere Zukunft geführt werden kann. Zwar hat es die Fair-Trade-Bewegung geschafft, für einige bolivianische Produkte wie Quinoa oder Kaffee die Märkte in Deutschland zu erschließen, allerdings war es nicht möglich, faire Handelsbedingungen durchzusetzen. Für Julio Prado kein Wunder, ist doch auch der faire Handel den globalen Handelsbedingungen unterworfen, die einem wirklich gerechten Handel im Wege stehen.
Durch die Stagnation der Preise entwickelt sich zudem ein weiteres Merkmal des fairen Handels zu einem Nachteil für die ProduzentInnen: "Die alternative Handelsbewegung besteht aus geschlossenen Kreisläufen. Die ProduzentInnen haben meistens nicht die Möglichkeit, ihre Produkte sowohl auf dem konventionellen als auch auf dem Fair-Trade-Markt abzusetzen. In der Regel müssen sie sich festlegen. Das hat dazu geführt, dass die Produzenten im Fair Trade gefangen sind und hier zu den selben Preisen ihre Produkte verkaufen müssen, die mittlerweile auch auf dem normalen Weltmarkt gezahlt werden." Die aufwändigen Zertifizierungsprozesse sorgen dafür, dass die ProduzentInnen von den Fair-Trade-Handelsorganisationen abhängig werden. Die Möglichkeit, die besten Absatzbedingungen von Saison zu Saison selbst zu bestimmen, besteht also nicht. Der überwiegende Teil der Vertriebsstrukturen und der Labeling-Organisationen sitzen in Europa und den USA - und damit werden die Bedingungen des (fairen) Handels ein weiteres Mal im Norden festgeschrieben.
Anstatt der romantischen Idee eines "fairen Preises" nachzuhängen, plädiert der bolivianische Experte dafür, die alte Logik zu durchbrechen, dass auf der einen Seite der Erdhalbkugel die ProduzentInnen sitzen und auf der anderen Seite die HändlerInnen. Das ist auch heute, über vier Jahrzehnte nach den Anfängen der Fair-Trade-Bewegung, ein schwieriges Unterfangen. Die ProduzentInnen würden niemals die "Herren des Marktes" merkt Julio Prado an, wenn sie es nicht schafften, den Handel selbst zu organisieren.
Der Kakaoproduzent El Ceibo aus El Alto ist eines der wenigen Beispiele, dass gerade diesen Sprung schafft. Nach 30 Jahren als Rohstofflieferant ist das kooperative Unternehmen dabei, sich mit eigenen Schokoladensorten auf dem europäischen Markt zu etablieren. Dieses Jahr sollen erste Container gen Frankreich geschickt werden. El Ceibo ist damit eine der wenigen Kooperativen, die es schaffen könnten, sich vom fairen Handel zu emanzipieren. Zu dem Loslösungsprozess gehören für den Aufsichtsratsschef Francisco Reynaga eigene Vertriebsstrukturen: "Es ist für uns wichtig, in Europa eine eigene Vertretung aufzubauen, von der aus wir unsere Kunden in Zukunft beliefern können." So weit wie El Ceibo sind die Leute auf der Plantage in Alto Sajama noch nicht, aber beim Gespräch mit den BesucherInnen aus Deutschland wird immer wieder die Frage aufgeworfen, wie die ProduzentInnen ihre Position im globalen Welthandel verbessern können.
(Buenos Aires, 05. Juni 2009, púlsar).- Im Fall des ermordeten Landarbeiters Sebastião Camargo Filho beschuldigt die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte CIDH (Comisión Interamericana de Derechos Humanos) den brasilianischen Staat der Verletzung der Menschenrechte und rechtsstaatlicher Garantien.
Camargo Filho war im Februar 1998 bei der gewaltsamen Räumung eines Camps für landlose ArbeiterInnen der brasilianischen Landlosenbewegung MST (Movimento dos Trabalhadores Rurais sem Terra) im Bundesstaat Paraná durch eine Gruppe Bewaffneter ermordet worden.
Wie die Nachrichtenagentur Adital bekannt gab, gingen der Veröffentlichung des Berichtes der CIDH, aus welchem die Verantwortung des brasilianischen Staates deutlich hervorgeht, Ermittlungen über neun Jahre hinweg, voraus. Der Bericht enthält eine detaillierte Schilderung der Ereignisse vom 7. Februar 1998, als eine Gruppe von ca. 30 bewaffneten Personen ein Landgut im Nordwesten Paranás illegal geräumt hatte.
Die Bewaffneten zwangen die dort lebenden Familien auf dem Boden liegend zu verharren, doch der 65–jährige Landarbeiter Sebastião Camargo Filho war aufgrund einer Schädigung der Halswirbelsäule nicht in der Lage, seinen Kopf entsprechend ihrer Anweisungen zu senken.
Als der maskierte Anführer des Räumkommandos bemerkte, dass Sebastião seinen Befehlen nicht gehorchte, zielte er mit seiner Waffe auf den Bauern und erschoss ihn aus weniger als einem Meter Entfernung.
Auf Gesuch der brasilianischen Menschenrechtsorganisationen Terra de Direitos, Justiça Global, der Landlosenbewegung MST, der ökumenischen Landpastorale CPT und dem Landesnetzwerk der Volksanwälte Renap (Red Nacional de Abogados Populares) wurde der Fall zwei Jahre später von der CIDH aufgerollt.
Der seitdem von der CIDH erarbeitete Bericht schließt mit der Feststellung, dass „Brasilien die ihm obliegenden, international geltenden Verpflichtungen, die Verantwortlichen zu ermitteln und zu bestrafen, nicht nachkommt.“ Daraus folgernd „empfiehlt die CIDH dem brasilianischen Staat ernsthafte, unparteiische und erschöpfende Ermittlungen aufzunehmen, um die Verantwortlichen der genannten Menschenrechtsverletzungen zu ermitteln und nach geltendem Recht zu bestrafen.“
(Havanna, 04. Juni 2009, prensa latina).- Der Leichnam des chilenischen Liedermachers Victor Jara wurde am 4. Juni exhumiert. Jara war 1973, kurz nach dem Militärputsch von Augusto Pinochet ermordet worden. Die Exhumierung wurde aufgrund einer richterlichen Anordnung durchgeführt, um die Ermittlungen zu diesem Mordfall voranzubringen. Aus diesem Anlass hatten sich auf dem Hauptfriedhof von Santiago einige Familienangehörige des Ermordeten eingefunden, unter anderem Jaras britische Witwe Joan Turner, der tags zuvor von Präsidentin Michelle Bachelet die chilenische Staatsbürgerschaft verliehen worden war.
Laut Aussage des mit diesem Fall betrauten Ministers Juan Fuentes soll durch die Untersuchung geklärt werden, wie und wann Jara starb und ob es stimmt, dass ein Offizier mit dessen Kopf "russisches Roulette" gespielt habe.
Der Entscheidung von Fuentes, den Leichnam exhumieren zu lassen, war die Festnahme von José Paredes vorausgegangen. Paredes war einer der für Jara und andere Gefangene im Stadion Estadio Chile verantwortlichen Rekruten. Dieser hatte gestanden, den tödlichen Schuss auf Jara abgegeben zu haben. Allerdings widerrief Paredes später seine Aussage und leugnete, überhaupt am Tatort gewesen zu sein, hieß es aus Justizkreisen.
Paredes befindet sich momentan im Hochsicherheitsgefängnis von Santiago. Er ist als einziger wegen dieses Mordes in Haft, obwohl inoffiziell die Namen von weiteren daran beteiligten Militärs bekannt sind.
Jara war für Lieder wie etwa „Te recuerdo Amanda” und “Plegaria del labrador” bekannt. Er war Professor an der Staatlichen Technischen Universität UTE (Universidad Técnica del Estado), wo er auch festgenommen und zum Stadion Estadio Chile verschleppt wurde. Dort wurde er gefoltert, als die Putschisten in ihm den Allende–nahen Künstler erkannten.
Paredes hatte ursprünglich ausgesagt, dass ein bisher nicht identifizierter Leutnant vor den Augen des damaligen Oberleutnants Nelson Haase und weiteren Soldaten mit Jara "russisches Roulette" gespielt habe, bis er diesen schließlich mit einem Kopfschuss tötete. Daraufhin befahl er den Anwesenden, Jara ‚den Rest zu geben’, weshalb dessen Körper später 44 Einschüsse aufgewiesen habe.
Jaras Witwe und ihr Anwalt Nelson Cuacoto zeigten sich über die Fortschritte zufrieden, betonten jedoch, dass die höher gestellten Verantwortlichen für den Mord ermittelt werden müssten.
(San José, 08. Juni 2009, voces nuestras).- Viele kleine Proteste an verschiedenen Orten, so lautete der Aufruf für den „nationalen Protesttag“ am 5. Juni. Alleine in der Hauptstadt San José marschierten zwei Demonstrationszüge getrennt auf verschiedenen Routen. Der größere startete am Morgen mit knapp 1.000 Teilnehmenden vom Uni-Campus; vorwiegend Studierende, denen sich aber auch Unibeschäftigte und einige GewerkschafterInnen des linken Dachverbandes CGT (Central General de Trabajadores) angeschlossen hatten. „Wir sind ein kleiner Teil der Kräfte, welche kürzlich ein nationales Aktionsbündnis gegründet haben“, sagte Cristina Barboza, Vorsitzende des AStA der Universität von Costa Rica FEUCR (Federación de Estudiantes de la Universidad de Costa Rica). Während die Studierenden zeitweilig die Straße vor dem Präsidentenpalast blockieren, besetzen Indígenas die Schnellstraße Panamericana im Süden des mittelamerikanischen Landes und im Norden sind es Campesinos, die ihre Forderungen in San Carlos skandieren, der Grenzregion mit Nicaragua.
„Ich glaube an die Macht der Straße. Nur so können wir unsere Forderungen durchsetzen“, sagte Barboza. Auf den ersten Blick mögen die sehr unterschiedlich sein – die Studierenden und Unibeschäftigten streiten gegen Haushaltskürzungen an den Hochschulen, die Gewerkschaften gegen ein neues Gesetz zur Arbeitszeitflexibilisierung, die Indígenas für die Anerkennung ihrer Rechte und die Campesinos gegen die Verseuchung des Grundwassers durch Ananasplantagen. „Am Ende kämpfen wir aber alle gegen die Auswirkungen der gleichen Krise und die Folgen der gleichen fatalen Politik der Arias–Regierung“.
Seine Politik schmückt Präsident und Friedensnobelpreisträger Oscar Arias von der Partei der Nationalen Befreiung (PLN) gerne mit seinem Programm „Frieden mit der Natur“ und dem Ziel, das Land bis 2021 „klimaneutral“ gemacht haben. Zu den Feierlichkeiten zum Weltumwelttag am 5. Juni waren die UmweltschützerInnen aber nicht erschienen. Sie beteiligten sich mit eigenen Aktionen am „nationalen Aktionstag“. Rund 100 von ihnen versammelten sich vor dem Umweltministerium, um ihren Protest öffentlich zu machen. „Das Projekt Frieden mit der Natur ist eine Mogelpackung. Unter der Ägide von Arias erleben wir ökologischen Notstand wie schon lange nicht mehr“, sagte Heidy Murillo, Vorsitzende des Umweltdachverbandes FECON (Federación Conservacionista de Costa Rica). Einige Beispiele seien Gemeinden im Süden Costa Ricas, die derzeit um ihren Zugang zum Trinkwasser kämpfen, weil die Regierung Massentourismusprojekte unterstütze, die den AnwohnerInnen im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgraben. Anderenorts wehren sich KüstenbewohnerInnen und FischerInnen gegen ihre Vertreibung durch ImmobilienspekulantInnen.
Besonders offensichtlich sei die unökologische Praxis der „grünen“ Arias–Administration beim Projekt für Goldminen im Tagebau „Las Crucitas“ in der Grenzregion mit Nicaragua, gegen welches die Regierung von Daniel Ortega von der Sandinistischen Front zur Nationalen Befreiung FSLN (Frente Sandinista de Liberación Nacional) auch bereits protestiert hat. „Es ist ein Hohn: Costa Rica ist das einzige Land der Welt, das einen Friedensnobelpreisträger als Präsidenten hat, welcher der Natur sogar den Frieden erklärt hat. Gleichzeitig ist dieser Präsident der einzige, der den Goldminentagebau zum nationalen Interesse erklärt hat“, sagte Isaac Rojas vom Naturschutzbund „Amigos de la tierra“ (Freunde der Erde). Im März trat der Umweltminister Roberto Dobles zurück, nachdem herauskam, dass seine Frau Geschäftsbeziehungen zu eben dem kanadischen Minenunternehmen unterhalte, dem er die Konzession zum Goldschürfen erteilt hatte. Ein peinlicher Skandal für die Regierung des „grünen“ Präsidenten.
Unklar ist, inwieweit die sozialen Bewegungen Einfluss auf die Präsidentenwahl im Februar 2010 haben werden. In der vergangenen Woche unterlag die linke Kandidatin Epsy Campbell bei den internen Vorwahlen für die Präsidentschaftskandidatur der „Partei der Bürgeraktion“ PAC gegen den Technokraten und Parteigründer Ottón Solis. Dieser wurde in der Urabstimmung von 70 Prozent seiner ParteifreundInnen aufgefordert, erneut den Hut in den Ring zu werfen. Die Teilnahme lag mit knapp 30 Prozent weit unter den Erwartungen. Unterstützung kann dieser Kandidat nicht von allen erwarten. „Wir haben keine Wahloption und lehnen es ab, dass Parteien unsere Bewegung als Wahlplattform nutzen“, sagte AStA–Vorsitzende Cristina Barboza.
(Venezuela, 05. Juni 2009, telesur).- Einem Bericht des staatlichen Fernsehens zufolge gab der kubanische Präsident, General Raúl Castro, am 4. Juni die Ernennung von Ernesto Medina zum neuen Chef der kubanischen Zentralbank bekannt.
Medina ersetzt damit Francisco Soberón, den der Staatsrat – wie es in einem offiziellen, mit den entsprechenden Euphemismen der kubanischen Bürokratie gespickten Kommuniqué heißt – von seinem Posten „freigestellt“ hat, den er beinahe 15 Jahre lang „treu und ehrlich bekleidete, wie auch die Mehrheit der anderen, im vergangenen März ersetzten Minister“.
Am 2. März dieses Jahres hatte Raúl Castro die tiefgreifendste Umgestaltung der kubanischen Spitze der letzten 15 Jahre angekündigt. Diese führte zur Entlassung von 8 Ministern und 4 Vizepräsidenten, darunter auch von Vizepräsident Carlos Lage und Außenminister Felipe Pérez Roque.
In dem Kommuniqué heißt es weiter, dass der 65-jährige Soberón um seine Ablösung als Chef der Zentralbank, als Mitglied des Zentralkomitees der regierenden Kommunistischen Partei, als Mitglied des Staatsrates und als Abgeordneter gebeten habe.
(Fortaleza, 04. Juni 2009, adital).- Die kubanische Regierung wertete die Aufhebung der Resolution, die in Folge einer Entscheidung der Organisation Amerikanischer Staaten OAS einen Ausschluss Kubas aus dem Interamerikanischen System seit 1962 vorsah, als Sieg. Allerdings erklärte sie auch, weiterhin keine Absicht zu haben, an den Entscheidungen der Organisation mitzuwirken.
Am vergangenen 3. Juni hatte die 39. Vollversammlung der OAS einstimmig die Aufhebung des 47 Jahre lang gültigen Dekrets beschlossen, das eine Rückkehr Kubas in das Interamerikanische System und damit eine Mitgliedschaft des Landes in der Organisation verhindert hatte.
„Diese Entscheidung hat keinen Einfluss auf unsere Beurteilung dieser Organisation und daher auch nicht auf die Frage, ob Kuba deren Mitglied werden soll“, so Ricardo Alarcón, der Präsident des kubanischen Parlaments, gegenüber der Nachrichtenagentur Prensa Latina.
„Es gibt viele Dinge, die geändert werden müssten, aber diese haben natürlich nichts mit der Resolution von 1962 zu tun“, sagte Alarcón weiter. Der Abgeordnete bezeichnete das Embargo zudem als „anachronistische und realitätsferne Maßnahme“.
Während die Staaten Lateinamerikas und der Karibik die OAS–Entscheidung begrüßten, kritisierten US–amerikanische Abgeordnete die Aufhebung des Embargos gegenüber Kuba. Mitglieder der Republikanischen Partei forderten nun, die OAS aufgrund der Entscheidung nicht weiter finanziell zu unterstützen.
Die republikanischen Abgeordneten bezeichneten die Maßnahme als Beispiel für die „absolute diplomatische Inkompetenz“ der Regierung unter dem Demokraten Barack Obama. Auch einige Abgeordnete der Demokratischen Partei kritisierten die Entscheidung. Bob Menéndez, Abgeordneter der Demokraten für New Jersey, bezeichnete die Übereinkunft als „schwach“ und „in absurdem Maße vage“. Menéndez erklärte, dass im Kongress darüber gesprochen werden solle, in welchem Maße dieser bereit sei, „die OAS als Institution zu unterstützen“.
Gleichzeitig zitierte die amtliche Presse in Honduras den Präsidenten des Landes und Gastgeber der OAS–Versammlung, Manuel Zelaya, mit den Worten, dass das kubanische Volk „von der Geschichte freigesprochen“ und mit der Aufhebung der Übereinkunft von 1962 eine „weise Entscheidung“ getroffen worden sei.
Der venezolanische Präsident Hugo Chávez begrüßte die Übereinkunft, die ihm zufolge das Ergebnis der politischen Veränderungen in der Region sei. „Wir sind nicht länger der Hinterhof der USA, wir sind keine Kolonie mehr“, so Chávez.
(Lima, 03. Juni 2009, noticias aliadas).- „Die Europäische Union kann dem Ganzen einen noch so hübschen Namen geben: Es geht immer mehr in die Richtung eines Freihandelsvertrages, und das werden wir nicht akzeptieren“, erklärte der ecuadorianische Präsident Rafael Correa am vergangenen 23. Mai während seines wöchentlichen Radioprogramms ‚Dialog mit dem Präsidenten’. Er bezog sich dabei auf die Verhandlungen zum Assoziierungsabkommen mit der EU, an denen Ecuador neben Kolumbien und Peru bis Mitte Mai teilgenommen hatte.
Die Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Andengemeinschaft CAN (Comunidad Andina) – also Bolivien, Kolumbien, Ecuador und Peru – waren im Juni 2007 aufgenommen worden. Im November 2008 erklärte jedoch die EU die Verhandlungen zwischen den beiden Parteien – EU und CAN – offiziell für beendet und kündigte bilaterale Abkommen mit Kolumbien und Peru an. Ecuador schloss sich im Januar dieses Jahres den bilateralen Verhandlungen an.
Anfangs stützten sich die Verhandlungen auf drei Säulen: Entwicklungszusammenarbeit, politischer Dialog und Öffnung der Märkte. Nachdem sich jedoch Bolivien letztes Jahr zurückgezogen hatte, wurden die beiden ersten Punkte ausgeklammert. Kolumbien und Peru sind dazu bereit, einen Freihandelsvertrag auszuhandeln, ähnlich dem, wie er schon mit den USA abgeschlossen wurde. Ecuador wendet sich gegen einen solchen Vertrag, aufgrund möglicher Konsequenzen in Bereichen wie der öffentlichen Auftragsvergabe und dem geistigen Eigentum.
Gerade der letztgenannte Aspekt ist eines der kritischsten Themen. Dabei spielen die transnationalen Pharmakonzerne eine entscheidende Rolle. Die EU schlägt vor, die Patente auf Medikamente von 20 auf 25 Jahre zu verlängern und mit Exklusivrechten auszustatten sowie den Datenschutz für Tests von fünf auf zehn Jahre auszuweiten. Außerdem sieht sie eine Schutzklausel für neue Erkenntnisse vor. In der Folge würden Markenmedikamente zwischen 4– und 35–mal soviel kosten wie Generika, so die internationale Organisation HAI (Health Action International), ein Netzwerk von Organisationen, das sich für den allgemeinen Zugang zu den wichtigsten Medikamenten einsetzt.
„Wir sind sehr besorgt über den Kurs, den die Verhandlungen mit der EU eingeschlagen haben, und angesichts der Absichten der EU“, erklärte Correa. „Das ist kein Assoziierungsabkommen mehr, sondern im Grunde ein Freihandelsvertrag, und das nehmen wir nicht so hin. Ecuador wird seine sozialen Errungenschaften verteidigen.“ In der neuen ecuadorianischen Verfassung ist der allgemeine Zugang zu Bildung und Gesundheit verankert.
Kaffee war und ist eines der wichtigsten Exportgüter Guatemalas. Für Guatemalas Oberschicht, die fast den gesamten Landbesitz kontrolliert, war Kaffee im späten 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert eine wahre Goldgrube. Und zwar eine, die rücksichtslos ausgebeutet wurde. Zunächst wurden die Kleinbauern und –bäuerinnen im Kaffeegürtel vertrieben, dann gab es sogar Gesetze, die „zum Wohl der Nation“, Menschen zum Arbeitsdienst auf den Kaffeeplantagen verpflichtete. Ausgebeutet wird auf den Besitztümern der KaffeebaronInnen immer noch. Über Niedrigstlöhne und das de facto Verbot gewerkschaftlicher Betätigung. Aber es gibt auch andere Kaffeebauern und –bäuerinnen und es gibt Möglichkeiten fairen Kaffee zu trinken.
Huehuetenango ist ein Departement an der Grenze zu Mexiko. Von der gleichnamigen Provinzhauptstadt gräbt sich die Panamericana durch immer tiefer werdende Schluchten Richtung La Mesilla, zur Grenze. Hier im Tal, und an den Berghängen, säumen Kaffeefelder den Weg. Keine Großplantagen, wie an den Küstenhängen, sondern kleine Fincas bestimmen das Bild. Kaffee–Fincas, die sich hier in Kooperativen zusammengeschlossen haben. Wir besuchen zwei davon, eine in La Democracia kurz vor der Grenze und eine in La Libertad, ein paar Kilometer vorher, oberhalb der Hauptstraße gelegen.
„Viele Familien sind ziemlich arm, sehr arm sogar – die Leute hier zerbrechen sich den Kopf darüber, wie sie ein paar Centavos mehr verdienen können“, sagt Douglas, Chef der Kooperative in La Libertad. Einige pflanzten Mais, andere Bohnen für den Eigenbedarf, einige Gemüse – aber das sei alles für den Eigenbedarf, mehr nicht. Ein Auto kaufen, Medizin kaufen oder eine private Schulbildung bezahlen, das geht davon nicht. Die 750, 1000 Quetzales im Monat reichten zum überleben und vielleicht für ein winziges bisschen mehr, aber mehr auch nicht.
Weniger als Hundert Euro verdient ein kleiner Kaffeebauer bzw. eine Kaffeebäuerin im Monatsschnitt am Kaffee. Das ist selbst in Guatemala verdammt wenig. Vor zehn Jahren war das mal mehr. Aber damals lagen die Produktionskosten für einen Zentner Kaffee noch bei 15 bis zwanzig Euro und der Kaffeepreis lag bei 90. Heute liegen die Produktionskosten dreimal so hoch, der Kaffeepreis ist aber gefallen. Weniger als Hundert Euro Verdienst, weniger als der miserable gesetzliche Mindestlohn für LandarbeiterInnen und davon soll man noch leben können?
Bauern und Bäuerinnen verdienen kaum mehr als 100 Euro im Monat
Der Kaffee ermögliche es dem kleinen Produzenten immerhin, sein eigenes kleines Geschäft zu besitzen, meint Luis von der Kooperative La Democracia. „Er geht aufs Feld und bestellt es, pflanzt Mais und Gemüse an, hat zum Beispiel Hühner. Er hat also nur geringe Ausgaben. Aber wenn man nur darauf schaut, was der Bauer an Geld im Monat zur Verfügung hat, dann ist das natürlich sehr wenig.“
Ein bisschen mehr können die Bauern und Bäuerinnen durch fair gehandelten Kaffee verdienen. FairTrade, Kaffees mit diesem Label, zum Beispiel von Gepa, gibt es ja mittlerweile in jedem europäischen Supermarkt. In Guatemala arbeitet Gepa mit FEDECOCAGUA (Federación de Cooperativas Agrícolas de Productores de Café de Guatemala) zusammen, dem Dachverband der kleinen KaffeeproduzentInnen. Auch die Kooperativen in La Libertad und La Democracia mit ihren 50 bis Hundert Familien sind hier Mitglied. Ulrich Gurtner, der Vorsitzende von FEDECOCAGUA, ein Schweizer, erklärt den Vorteil von FairTrade.
FairTrade garantiert Mindestpreis
In den letzten Jahren sei ja reichlich Geld vorhanden gewesen, um über Spekulationen die Börsen zu manipulieren, dadurch seien im normalen Handel sogar bessere Preise erzielt worden. Und das habe den Fairen Handel in Gefahr gebracht. „Aber dieses Jahr sehen wir es ganz klar: Seit die Börse so richtig runter knallte, sind FairTrade Produkte viel besser bezahlt.“ Jetzt zahle sich aus, dass der FairTrade einen Mindestpreis bezahle, was bei der normalen Marktschwingung nicht möglich ist. FairTrade, so Gurtner, ermögliche den Bauern und Bäuerinnen nachhaltig über fünf, zehn Jahre regelmäßig Kaffee zu produzieren. Und wenn man dann nach zehn Jahren bilanziere, dann sei der Durchschnittspreis weit über dem durchschnittlichen Weltmarktpreis.
Der FairTrade Mindestpreis liegt derzeit bei 1 Dollar und 26 Cents pro Pfund Kaffee. Steigt der Weltmarktpreis über dieses Niveau, zahlt FairTrade aber mindestens den Weltmarktpreis. FEDECOCAGUA verkauft rund ein Drittel des von den Kooperativen produzierten Kaffees an FairTrade. Nur ein Drittel. Aber das gibt den Bauern zumindest ein bisschen Preis–Sicherheit, auch wenn auf Grund der gestiegenen Produktionskosten 1 Dollar 26 immer noch verdammt wenig sei, sagt Luis: „Wir würden uns freuen, wenn FairTrade ein größeres Volumen hätte. Aber das beeinflussen ja nicht wir kleine Produzenten, das hängt nun mal vom Gewissen der VerbraucherInnen im Norden ab. Wenn du in Deutschland uns kleine Produzenten in Guatemala unterstützen willst, dann kaufst du ein Pfund fair gehandelten Kaffee. Aber wenn dich das nicht interessiert, dann kaufst du eben konventionellen Kaffee. Natürlich wäre es auch gut, wenn FairTrade höhere Preise garantieren könnte. Aber die Verbraucher im Norden sind nicht bereit, dies zu bezahlen.“
„Verbraucher sind nicht bereit, mehr zu bezahlen“
Das ist das Problem: Höhere Preise sind in Europa kaum durchzusetzen, erhöht FairTrade die Preise, sinkt sein Marktanteil. Auch mit FairTrade sind die Bauern und Bäuerinnen diejenigen, die in der Kaffeekette am wenigsten verdienen. Etwa 80 Eurocent bekommen sie für ein Pfund Kaffee. Der deutsche Finanzminister freut sich dagegen, ohne etwas dafür zu tun, über einen Euro zehn pro Pfund, die Kaffeesteuer machts möglich. Oben drauf kommt noch die Mehrwertsteuer. Und dann verdienen natürlich die europäischen Röster und die Handelskonzerne. Also bleibt das meiste im Norden. Fair scheint das nicht, FairTrade hin oder her. Was gibts für Alternativen? Fedecocagua könnte selbst gerösteten Kaffee exportieren. Geht nicht, denn der deutsche VerbraucherInnengeschmack will eine Kaffeemischung aus Sorten aus aller Welt, sagt man beim FairTrade–Kaffeeanbieter Gepa. Dann gibt es noch organischen Kaffee aus Chiapas oder Nicaragua, vertrieben über Soligruppen in Deutschland, noch mal eine Ecke teurer als FairTrade aus dem Supermarkt. Das geht in Guatemala aber auch nicht, denn: „das Hauptproblem ist, dass unsere Böden hier relativ schlecht sind und dass es daher schwer ist, das organische Material für den nötigen Bio–Dünger zu gewinnen“, weiß Douglas aus La Libertad. „Selbst wenn ein Bauer organischen Kaffee produzieren wollte, direkt nebenan sind weitere kleine Produzenten, die Chemie einsetzen und den organischen Kaffee damit verunreinigen.“
Und so sind Versuchungen groß, den Kaffee an ganz andere Händler zu verkaufen. Das organisierte Verbrechen, vor allem der Drogenhandel floriert in Huehuetenango. Auf dem Weg von La Democracia nach La Libertad passieren wir ein völlig zerschossenes Auto mit zwei durchsiebten Insassen drin. Opfer von Bandenkriegen – vielleicht – wer weiß?! Das Drogengeschäft wirft enorm viel ab und das Geld muss ja irgendwie gewaschen werden. Douglas berichtet:
Geldwäsche per Kaffee
„Letztes Jahr sind zwei Leute gekommen und haben einigen Kleinbauern hohe Summen geboten, 50 bis 80 Quetzales über dem Marktpreis und auch höher, als FairTrade bezahlt. Die Narcos interessiert es ja nicht, dass sie bei diesem Handel ein bisschen Geld verlieren, denen geht es darum, das Geld zu waschen. Mit dem gekauften Kaffee gehen sie zu einem Kontor und sagen: ‚Schau, ich hab hier tausend Zentner Kaffee, wie viel gibst du mir dafür?' Das Geld können sie dann ganz einfach zur Bank bringen, es ist ja aus dem Kaffee–, nicht aus dem Drogenhandel. Und der Kleinbauer, der seine 50 Zentner im Jahr produziert, der kann es sich nicht leisten, seine Ernte dahin zu bringen, wo höhere Preise bezahlt werden. Also versucht er den Kaffee vor Ort zu verkaufen. Und da sind 50 Quetzales über Marktpreis natürlich ein verlockendes Angebot! Na, und wir als Kooperative können uns nicht den Luxus erlauben, offen gegen die Narcos anzureden. Du hast ja gerade die Toten unten auf der Hauptstraße gesehen. Aber wir erklären unseren Leuten natürlich, was ein realer, gesunder und nachhaltiger Preis ist.“
Fazit: FairTrade kann den Bauern und Bäuerinnen stabile Preise garantieren. Außerdem gibt es noch einen Sozialbonus, der von den Kooperativen für Schulungen. Umwelt– oder Infrastrukturmaßnahmen verwendet werden kann. Aber das Volumen von FairTrade ist viel zu gering, als dass alle Kleinbauern und –bäuerinnen in den Genuss kommen könnten. Außerdem garantiert FairTrade zwar einen festen Abnahmepreis, auf die gestiegenen Produktionskosten von Dünger bis Benzin habe aber auch FairTrade kaum reagiert, so die Bauern. Und zuletzt: FairTrade hat überhaupt nur bei Kaffee und Tee einen einigermaßen nennenswerten Marktanteil. Der Löwenanteil der guatemaltekischen Agrarproduktion wird nach wie vor konventionell gen Norden exportiert: Und konventionell heißt: Ziemlich unfair!
Kleine KaffeeproduzentInnen und ein großer Skandal
Ein pikanter, aktueller Nachtrag: Mitte Mai 2009 sorgte in Guatemala das mittlerweile weltweit bekannte Rosenberg–Video für Aufregung, in dem ein Anwalt posthum den Präsidenten Guatemalas für seinen Tod verantwortlich macht. Was hat das mit dem Kaffee zu tun? Im Video wird auch der Verkaufsleiter von FEDECOCAGUA, der Kooperativen Vereinigung, beschuldigt. Kurze Zeit später reitet die Staatsanwaltschaft bei Fedecocagua ein und beschlagnahmt großzügig Unterlagen. Der Chef der Vereinigung der guatemaltekischen KaffeeproduzentInnen ANACAFE (Asociación Nacional del Café), traditionell der Kaffeeverband der GroßgrundbesitzerInnen, ist ein gewisser Christian Rasch, Deutscher in zweiter Generation, enger Freund von Rosenberg und Gegner von Präsident Colom. Denn Colom gilt als Förderer der kleinen Kaffeekooperativen, ANACAFÉ hingegen beobachtet die Förderung der Kooperativen mit erheblichem Argwohn. Ulrich Gurtner, der Vorsitzende von FEDECOCAGUA, schreibt uns zu dem Thema folgendes: Es dürfe eben nicht sein, dass die Kleinbauern – und bäuerinnen ihren Kaffee direkt vermarkten können und dabei noch eine öffentliche Finanzierung erhalten. Das müsse nun mit der haarsträubenden, erlogenen und perversen Rosenberg Geschichte korrigiert werden, damit die Kräfteverhältnisse wieder zugunsten der traditionellen Oberschicht zu Recht gerückt wird. Vom unfairen Welthandel, das zeigt die Geschichte einmal mehr, profitiert nicht nur der Norden, sondern auch die Oligarchien in vielen Ländern des Südens, die ihren ArbeiterInnen Hungerlöhne zahlen und die (fast) alles dafür tun, damit der Welthandel NICHT fair wird.
Trotz der weltweiten Finanzkrise stiegen im vergangenen Jahr die ausländischen Direktinvestitionen in Lateinamerika und der Karibik auf das Rekordniveau von 128,3 Mrd. Dollar. Dies geht aus dem „Jahresbericht 2008 zu Direktinvestitionen in Lateinamerika und der Karibik“ hervor, den die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik CEPAL (Comisión Económica para América Latina y el Caribe) veröffentlicht hat.
Laut dem am 27. Mai von der Generalsekretärin der Kommission, Alicia Bárcena, vorgestellten Papier, stiegen die Direktinvestitionen um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. Dies ist laut CEPAL besonders bemerkenswert, da die Direktinvestitionen weltweit um 15 Prozent zurückgegangen sind.
Unter den südamerikanischen Ländern ist Brasilien demnach der größte Investitionsstandort mit 30 Prozent Zuwachs im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr. Brasilien, Chile und Kolumbien sind die Hauptinvestitionsstandorte in Südamerika. Insgesamt 80 Prozent aller getätigten Direktinvestitionen gehen in diese Staaten.
Der Bericht registriert zwei verschiedene Tendenzen in der Region. Während die Mehrheit der Länder dank der hohen Rohstoffpreise und des subregionalen Wirtschaftswachstums einen Investitionszuwachs um fast 24 Prozent im Vergleich zu 2007 verzeichneten, schrumpften die Finanzeinnahmen Mexikos und des karibischen Beckens um 5 Prozent. Diese Regionen, mit ihren exportabhängigen Manufakturbetrieben und der Tourismusindustrie sind am stärksten von der Krise in den USA in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Dennoch glaubt die Kommission, dass sich in diesem Jahr ein solches Wachstum nicht wiederholen wird. Für die CEPAL ist es zwar schwierig, aufgrund der Uneinschätzbarkeit von Dauer und Dimension der aktuellen Krise, die Direktinvestitionen für das Jahr 2009 einzuschätzen. Doch laut Bericht zeigen Voraberhebungen und Tendenzen einen Einbruch der Direktinvestitionen um 35 bis 45 Prozent an.
Damit, so betont die CEPAL, steht Lateinamerika vor der Herausforderung, die Erträge der Direktinvestitionen festzuhalten, wofür eine Neuausrichtung der staatlichen Wirtschaftsförderung für produktive Industrien, fokussiert auf die Innovation und Stärkung lokaler Kompetenzen, nötig ist.
„So ist die relevante Frage nicht allein, wie viel Direktinvestitionen man erhält, sondern auch, was mit diesem Geld geschieht und was dadurch erreicht wird. In diesem Kontext wären der Aufbau und die Stärkung produktiver Bereiche der Binnenwirtschaften eine angemessene Reaktion auf die weltweite Krise, um nicht nur die Gewinne aus Direktinvestitionen zu maximieren, sondern auch die der eigenen Investitionen im Ausland zu erhöhen“, so das Ergebnis der Studie.
Der komplette Bericht kann im Original unter dem Titel "La inversión extranjera directa en América Latina y el Caribe 2008" auf der CEPAL–Seite www.eclac.org heruntergeladen werden.
(Rio de Janeiro, 12. Juni 2009, púlsar).- Das peruanische Ministerium für Transport und Kommunikation MTC (Ministerio de Transportes y Comunicaciones) entzog dem Basisradio „Radio La Voz de Utcubamba“ am 12. Juni die Sendelizenz.
Radio La Voz de Utcubamba erhielt ein Sendschreiben mit dem Beschluss über dessen Schließung. Als Grund wird vom Ministerium angeführt, dass das Radio einen Bericht über die Prüfung der Sendetechnik nicht fristgerecht eingereicht habe.
Carlos Flores, Journalist bei Radio La Voz, bekräftigte jedoch, dass die Schließung den Versuch darstelle, den Sender zum Schweigen zu bringen. Radio La Voz hatte über das Vorgehen der Polizei in Bagua (Amazonasgebiet) berichtet, die dort brutal gegen Indígenas vorgegangen war, die eine Straße blockiert hatten.
Der Journalist erklärte im Gespräch mit der Nationalen Koordinationsstelle der peruanischen Radiostationen CNR (Coordinadora Nacional de Radios de Perú), dass der Sender das Ministerium um eine Inspektion der Technik ersucht hatte und es die Antwort des Ministerium gewesen sei, die zu spät eingegangen sei.
Mario Huamán, Generalsekretär des Gewerkschaftsdachverbandes CGTP (Confederación General de Trabajadores del Perú), erklärte, dass dieses Vorgehen der Regierung „von der Bevölkerung zurückgewiesen werden muss, da es sich um ein deutliches Zeichen für den Autoritarismus der Regierung handelt“.
Kongressabgeordnete aus der Fraktion der regierenden Revolutionären Amerikanischen Volksallianz APRA (Alianza Popular Revolucionaria Americana), beschuldigten bereits am 5. Juni den Radiosender La Voz sowie den Journalisten Carlos Flores, die gewaltsamen Auseinandersetzungen in Bagua unterstützt und forciert zu haben.
Die peruanische Innenministerin, Mercedes Cabanillas, beschuldigte ebenfalls den Sender, zur Gewalt aufgerufen zu haben und forderte, Sanktionen gegen das Radio zu ergreifen.
Außerdem beschloss der Nationalkongress mit der Regierungsmehrheit und ohne vorherige Debatte, sieben Abgeordnete der Nationalistischen Partei Perus PNUP (Partido Nacionalista Unión por el Perú) für 120 Tage von ihrem Amt zu suspendieren.
Der Sprecher der PNUP, Freddy Otárola, beschuldigte ein „Dreierbündnis aus APRA, AnhängerInnen des Fujimorismo und Unidad Nacional (UN)“, sie zum Schweigen bringen zu wollen. Er erklärte, dass es sich um eine „zivil–militärische Diktatur“ handele.
Es ist ein doppelter Sieg des indigenen Widerstands in Peru: zuerst setzte das Parlament das strittige Gesetzespakt vorläufig ausser Kraft, dann erhielten die Protestierenden Hilfestellung von StudentInnen und Gewerkschaften, die sie landesweit mit Demonstrationen unterstützen. In der Hauptstadt Lima zogen DemonstrantInnen vor das Parlament und skandierten: "Der Regenwald ist nicht zu verkaufen. Der Regenwald ist zu verteidigen". Zum Verkauf an transnationale Konzerne, die dort nach Rohstoffen suchen, könnte es kommen, wenn die neun Dekrete in Kraft treten, die Präsident Alan García gewaltsam durchsetzen will. Am 11. Juni ging die Polizei mit aller Härte gegen den zivilen Widerstand in Lima vor.
Seit April protestieren die Indígenas mit Mitteln des zivilen Ungehorsams gegen den möglichen Ausverkauf ihres Lebensraumes im Amazonas–Gebiet. Letzte Woche schoss die Polizei eine protestierende Gruppe in Nordperu zusammen. Zurück blieben über 40 Tote und doppelt so viele Verletzte. Der indigene Anführer Alberto Pizango wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Er flüchtete sich in die nicaraguanische Botschaft. Die Regierung in Managua gewährte ihm diplomatisches Asyl und erklärte sich bereit, ihn sicher zum Flughafen zu geleiten, damit er ins Exil nach Nicaragua gehen kann.
Nachdem Präsident García Venezuela indirekt für die Unruhen verantwortlich gemacht hat, ergriff Boliviens Staatsoberhaupt Evo Morales, der selbst ein Indígena ist, Partei für Perus UreinwohnerInnen. Bei einem Vortrag an der Universität in Havanna setzte sich der Bolivianer für eine politische Lösung des Konflikts ein. Die indigenen Organisationen in Peru haben angekündigt, dass sie ihren Widerstand fortsetzen werden, bis das Parlament die Dekrete aufhebt.
Redaktion und
Koordination: Bettina Hoyer, Darius Ossami
Übersetzungsteam:
Alke Jenss, Andrea Kaden, Ania Müller, Anne Knab, Bernadette
Bayrhammer, Bernd Stößel, Birgit Hoinle, Claudia Hecktor, Conny
Gritzner, Daniel E. Mismahl, Francoise Greve, Henrike Hochmuth, Ines
Steiger, Jana Latschan, Johannes Hausen, Kerstin Westerbeck, Kristina
Vesper, Laura Cwiertnia, Laura Welsch, Laura Zierke, Lotta
Petersmann, Lui Lüdicke, Malte Rosemeyer, Melanie Steinwand, Mia
Schöb, Michael Schiller, Sarah Ganter, Sebastian Landsberger, Silvia
Weber, Thorsten Mense, Tim Jack, Yvonne Stolz
Redaktionsteam:
Andreas Behn, Birgit Krug, Daniel E. Mismahl, Daphne Gross,
Sebastian Landsberger, Thomas Guthmann
poonal gibt's
online bei www.npla.de, sowie als E-Mail-Abo. Wir bitten um
Überweisung einer einmaligen oder regelmäßigen Spende.
Spenden
an uns als gemeinnütziges Projekt sind von der Steuer absetzbar. Auf
Anfrage (an finanzen@npla.de) stellen wir gern Bescheinigungen aus.
Für den
Nachdruck von poonal-Artikeln, egal ob online oder in
Printmedien, muss man sich mit uns vorab unter poonal@npla.de in
Verbindung setzen. Der regelmäßige Nachdruck bzw. die regelmäßige
Verwendung von poonal-Artikeln auf anderen Internetseiten ist nur
gegen ein monatliches Förderabo möglich. Der einmalige Nachdruck
eines Artikels kann gegen ein Zeilenhonorar bzw. eine einmalige
Spende erfolgen. poonal-Artikel dürfen nur mit vollständiger
Quellenangabe und ungekürzt abgedruckt bzw. online weiterverbreitet
werden.
poonal gehört
zur Federación Latinoamericana de Periodistas FELAP.
Erstellung der
Beiträge durch die poonal-Mitgliedsagenturen: