(Rio de Janeiro, 22. April 2009, púlsar).- Die Vereinigung der Versammlung der Bürger UAC (Unión de Asambleas Ciudadanas) aus der argentinischen Provinz San Juan ist in ihren Bemühungen, in der gleichnamigen Hauptstadt San Juan am 23. April ein Forum zur Verteidigung der Gletscher und das Neunte Treffen der UAC abzuhalten, massiv behindert worden. Dahinter stecke der Bergbaukonzern Barrick Gold, gaben die Umweltschützer bekannt. Barrick Gold hat Interesse an Bergbauaktivitäten in Argentinien, die Gletscher in Mitleidenschaft ziehen würden.
So seien nur wenige Stunden, nachdem die UAC ihr Forum in der Stadt mit zahlreichen Plakaten beworben hatte, diese alle abgerissen. Die Versammlung San Juans gegen Verschmutzung und Ressourcenraub hatte bekannt gegeben, man wisse, dass der Fernsehkanal Canal 8 in San Juan Anweisungen hatte, über das Forum zum Gletscherschutz nicht zu berichten. Auch sei ein Gegenforum in der Universität veranstaltet worden. Man kenne jedoch die dort vertretenen, "wichtigen Gletscherforscher" nicht, betonten die Umweltschützer. Die Vorfälle zeigten, dass der Bergbaukonzern Barrick Gold die Stadt kontrolliere.
(Rio de Janeiro, 22. April 2009, púlsar).- Die UNO hat am Mittwoch, den 22. April, in ihrer Generalversammlung den Vorschlag angenommen, den 22. April zum "Internationalen Tag der Mutter Erde" zu erklären. Der Vorschlag dafür wurde von Boliviens Regierung vorgebracht.
Der Präsident der UN-Generalversammlung Miguel D´Escoto erklärte, solch einen Tag zu erschaffen erinnere an die Notwendigkeit, den Planeten zu bewahren. Boliviens Präsident Evo Morales rief dazu auf, die Rechte der Mutter Erde zu verteidigen, die seien so wichtig wie die Menschenrechte. Um mit der Erde, den Tieren und Pflanzen in Harmonie zu leben gehe es darum anzuerkennen, dass "nicht nur wir Menschen Rechte haben, sondern auch der Planet". Morales rief dazu auf, das 21. Jahrhundert müsse ein Jahrhundert des Kampfes für die Rechte der Mutter Erde sein. Die 192 UNO-Länder sollten sich in einer Erklärung darauf einigen, die natürlichen Ressourcen nicht weiter zu zerstören. Die Menschen seien Gefangene eines "Kapitalismus der Entwicklung", sie sähen sich als Herren des Planeten. "Nicht uns gehört die Erde, wir gehören zur Erde", so Morales.
(Fortaleza, 23. April 2009, adital-poonal).- Im Jahr 2008 hat sich in Kolumbien die Zahl der gewaltsam Vertriebenen als Konsequenz aus dem bewaffneten Konflikt erhöht. So waren nach Angaben der Beratungsstelle für Menschenrechte und Vertreibungen Codhes (Consultoría para los Derechos Humanos y Desplazamientos) 380.863 Personen (76.172 Familien) gezwungen, ihren Wohn- bzw. Arbeitsort zu verlassen. Da sind im Vergleich zu 2007 24,47 Prozent mehr Fälle. Die Anzahl der pro 100.000 Einwohner Vertriebenen stieg von 713 (2007) auf 888 Personen.
Seit 2006 verzeichnet Codhes einen Anstieg der gewaltsamen Vertreibungen. Das gibt laut der Organisation die Konsolidierung der illegalen Gewaltausübung wieder. Die ländliche Bevölkerung sei Ziel der Vertreibungen, ihre Felder und ihr Besitztum Kriegsbeute.
"Im Jahr 2008 gab es im ganzen Land Vertriebene, aber sie scheinen unsichtbar zu sein ... die bewaffneten Konfliktparteien des Landes fügen der Bevölkerung, die an den Kampfhandlungen nicht teil nimmt, Gewalt zu. Die scheint keine Grenzen zu kennen", so Codhes.
Die meisten Vertreibungen geschahen in Bogotá (56.087 Personen), Antioquia (51.918 Personen) und in Valle del Cauca (31.527). In Magdalena mit 27.256 Vertriebenen stieg die Zahl der Vertriebenen im Vergleich zu 2007 am stärksten an, um 143 Prozent. Von den im Jahr 2008 Vertriebenen sind 13.500 Indígenas.
Codhes weist auch auf den Zusammenhang zwischen sexueller Gewalt als Kriegswaffe und Vertreibungen hin. Frauen, weibliche Jugendliche und Mädchen stellten 52 Prozent der Vertriebenen. Eine Umfrage unter 2.100 vertriebenen Frauen hätte gezeigt, dass 17 Prozent geflohen seien, weil sie sexuelle Gewalt erfahren hätten.
Codhes weist auch auf die Hintermänner der Vertreibungen hin: "Die gewaltsamen Vertreibungen geschehen nicht nur durch Personen, die eine Zone militärisch kontrollieren oder darum kämpfen, sie haben auch mit den ökonomischen, legalen oder illegalen, Interessen verschiedener Gruppen zu tun, inländischer und ausländischer Art. Es geht um Megaprojekte, Ressourcenausbeutung oder die erzwungene Schaffung von Monokulturen in Konfliktzonen um Biotreibstoffe zu produzieren."
(Rio de Janeiro, 17. April 2009, púlsar).- Die passive Haltung des mexikanischen Präsidenten bei der Duldung des Anbaus von genetisch verändertem Mais in Mexiko hat Greenpeace dazu veranlasst, gerichtliche Schritte gegen Felipe Calderón einzuleiten. Die Umweltschutzorganisation stellte Strafanzeige gegen Calderón und einige Mitglieder seines Kabinetts. Sie begründete die Anzeige mit der Erlaubnis der experimentellen Aussaat von Genmais auf mexikanischem Boden seitens der Regierung.
Die Erlaubnis zur Aussaat verstößt laut Greenpeace gegen das Gesetz zur Biosicherheit von genetisch veränderten Organismen und gegen den Artikel 216 des mexikanischen Bundesstrafgesetzbuches. Greenpeace machte darauf aufmerksam, dass der Anbau von Genmais in Mexiko den Empfehlungen der Nationalen Kommission für die Erforschung und Nutzung der Biodiversität CONABIO (Comisión Nacional para el Conocimiento y uso de la Biodiversidad) widerspreche.
Die Geschäftsführerin von Greenpeace Mexiko, Patricia Arendar, forderte ein Ende der Straffreiheit für Staatsbeamten, die für die Genehmigung des Anbaus von Genmais verantwortlich sind. „Diejenigen, die für den Schutz unserer natürlichen Ressourcen zuständig sind, kommen ihrer Aufgabe nicht nach. Daher stellen wir Strafantrag, damit die Verantwortlichen, vor allem der Präsident des Landes ..., unsere Gesellschaft über das Gesetz zur Biosicherheit aufklären“, betonte Arendar.
Greenpeace forderte zudem ein Treffen mit US-Präsident Barack Obama, um sich über den Genmais und andere für die mexikanische Landwirtschaft wichtige Themen zu beraten.
(San José, 24. April 2009, voces nuestras).- Panamas Präsident Martin Torrijos beendet seine Amtszeit mit einer schönen Bescherung für seine Landsleute: Bevor das Wahlvolk am Sonntag, den 3. Mai, seinen Nachfolger wählt, wird das Parlament den Gesetzentwurf zur Privatisierung des Gesundheitssystems abgenickt haben. Sorgen müssen sich die Parteigänger von Privatisierung und Neoliberalismus indes nicht machen. Auch nach dem 3. Mai wird einer ihrer Kandidaten auf dem Regierungssessel sitzen. Ob die Person Ricardo Martínelli oder Balbina Herrera heißt, dürfte eher zweitrangig sein.
Die wichtigste Gruppierung der panamesischen Linken, die Nationale Front zur Verteidigung der ökonomischen und sozialen Rechte FRENDASO, ruft deshalb zur Nichtteilnahme an der Abstimmung auf. Auf dem FRENDASO-Kongress im Sommer vergangenen Jahres beschlossen die Vertreter verschiedener sozialer Bewegungen aus dem ganze Land, Parteigänger der radikalen Linken und allen voran die kämpferische nationale Bauarbeitergewerkschaft SUNTRACS, sich auf den Aufbau einer „sozialen Basis für den Wandel“ zu konzentrieren. Die Front solidarisiert sich mit Bolivien und Evo Morales sowie dem Venezuela Hugo Chávez, setzt auf Volksmacht und deren Durchsetzung durch die Einberufung einer Verfassunggebenden Versammlung.
Konservative Kreise in den USA wollen trotzdem auf Nummer sicher gehen: Präsidentschaftskandidatin Balbina Herrera von der regierenden PRD, der revolutionär-demokratischen Partei, sagen sie geheime Kontakte zu Hugo Chávez nach. Im Vorfeld der Wahlen zimmerte die Ultrarechte deshalb in den Räumen der US-Botschaft die neue Partei des demokratischen Wandels PCD um den Kandidaten Ricardo Martínelli. In seinem moderaten Wahlprogramm verspricht er Verbesserungen im Bildungs- und Gesundheitssektor sowie die Verringerung von Arbeitslosigkeit und Armut. Also im Prinzip das gleiche wie seine Kontrahentin Balbina Herrera (PRD), nur dass sie die blumigen Wahlversprechen um das Versprechen nach einer Politik der „harten Hand“ für „mehr Sicherheit“ ergänzt. Herrera war in den Siebzigern Aktivistin einer linken Studentengruppe und stand später General Manuel Noriega nahe.
Die PRD ging aus einer Abspaltung der ehemaligen Kommunistischen Partei hervor. Für die „demokratischen Revolutionäre“ gewann vor fünf Jahren Martin Torríjos die Wahlen. Der ist Sohn des im Volk beliebten ehemaligen Generals und Juntachefs Omar Torríjos, der gegen die USA aufbegehrte, mit Jimmy Carter erfolgreich die unterdessen vollzogene Rückgabe des Pananalkanals verhandelte und 1981 unter mysteriösen Umständen bei einem Flugzeugabsturz starb. Im Jahr 2004 weckte Martin Torríjos leise Hoffnungen auf einen Linksschwenk, zumal er einige Progressive wie den Liedermacher Ruben Blades in sein Kabinett holte. Die Regierungsbilanz ist aus linker Sicht aber verheerend. Der Sohn des „Maximo Líders der panamesischen Revolution“ wird den Panamesen als Präsident der Umweltverbrechen, des Ruins des Gesundheitssystems und Missachtung demokratischer Rechte in Erinnerung bleiben. Mindestens vier führende Mitglieder der Bauarbeitergewerkschaft SUNTRACS wurden unter seiner Ägide ermordet.
(Venezuela, 16. April 2009, telesur).- Indígenas aus dem peruanischen Amazonas haben Mitte April ohne Gegenwehr der anwesenden Polizei den Flughafen von Atalaya in der Region Ucayali besetzt. Sie verlangen, dass mehrere Gesetze und Dekrete zurückgenommen werden, die ihre Rechte verletzen und sie ihres Landes berauben. Sie waren im Rahmen des Abschlusses eine Freihandelsvertrags zwischen Peru und den USA beschlossen worden. Die Interethnische Vereinigung der peruanischen Selva AIDESEP (Asociación Interétnica de la Selva Peruana) hatte die Flughafenbesetzung zuvor angekündigt.
Die Indígenas, denen sich nach Auskunft von AIDESEP weitere Gruppen angeschlossen hätten, blockieren auch Häfen in der Region. Sie fordern, dass sich Öl- und Bergbauunternehmen, etliche transnational, aus dem Gebiet zurückziehen sollen.
Ähnliche Proteste hatten den peruanischen Kongress im letzten Jahr dazu gezwungen, einige Gesetze, die gegen die Interessen der Indígenas gerichtet waren, auszusetzen. Weitere sollten überprüft werden, was bis heute nicht geschehen sei, so AIDESEP.
(Rio de Janeiro, 15. April 2009, púlsar).- In Uruguay reißen die Vorfälle um die bisweilen tödlichen Nebenwirkungen von Insektiziden nicht ab. Nun hat das Netzwerk gegen Pestizide und für Alternativen in Lateinamerika RAP-AL bekannt gegeben, dass Kälber verendet sind, nachdem sie Gras gefressen hatten, das mit Edosulfán getränkt worden ist.
Zum Tod der Kälber kam es in der Stadt Guichón, im Departement Paysandú. Dort hatte am 9. April ein Flugzeug, das Insektizide versprüht, ein Leck. Endosulfán trat aus und gelangte in größeren Mengen auf eine Wiese. Nur einen Tag später schon starben 50 zum Teil mehr als 250 kg schwere Kälber, als sie von dem verseuchten Gras frasen. Auch Fische und Vögel sollen im Bereich Flusses, der durch das Gebiet verläuft, verendet sein.
Endosulfan wird von der EU und der US-Umweltschutzbehörde EPA als "hoch gefährlich" eingestuft, da es sehr giftig und langelebig ist. Die EU hat den Verkauf und den Einsatz dieses Mittels verboten. In Uruguay wird es zur Bekämpfung von Wanzen in Sojafeldern eingesetzt. Im Jahr 2007 importierte Uruguay rund 250 Tonnen Endosulfan.
Redaktion und
Koordination: Bettina Hoyer, Darius Ossami
Übersetzungsteam:
Alke Jenss, Andrea Kaden, Ania Müller, Anne Knab, Bernadette
Bayrhammer, Bernd Stößel, Birgit Hoinle, Claudia Hecktor, Conny
Gritzner, Daniel E. Mismahl, Francoise Greve, Henrike Hochmuth, Ines
Steiger, Jana Latschan, Johannes Hausen, Kerstin Westerbeck, Kristina
Vesper, Laura Cwiertnia, Laura Welsch, Laura Zierke, Lotta
Petersmann, Lui Lüdicke, Malte Rosemeyer, Melanie Steinwand, Mia
Schöb, Michael Schiller, Sarah Ganter, Sebastian Landsberger, Silvia
Weber, Thorsten Mense, Tim Jack, Yvonne Stolz
Redaktionsteam:
Andreas Behn, Birgit Krug, Daniel E. Mismahl, Daphne Gross,
Sebastian Landsberger, Thomas Guthmann
poonal gibt's
online bei www.npla.de, sowie als E-Mail-Abo. Wir bitten um
Überweisung einer einmaligen oder regelmäßigen Spende.
Spenden
an uns als gemeinnütziges Projekt sind von der Steuer absetzbar. Auf
Anfrage (an finanzen@npla.de) stellen wir gern Bescheinigungen aus.
Für den
Nachdruck von poonal-Artikeln, egal ob online oder in
Printmedien, muss man sich mit uns vorab unter poonal@npla.de in
Verbindung setzen. Der regelmäßige Nachdruck bzw. die regelmäßige
Verwendung von poonal-Artikeln auf anderen Internetseiten ist nur
gegen ein monatliches Förderabo möglich. Der einmalige Nachdruck
eines Artikels kann gegen ein Zeilenhonorar bzw. eine einmalige
Spende erfolgen. poonal-Artikel dürfen nur mit vollständiger
Quellenangabe und ungekürzt abgedruckt bzw. online weiterverbreitet
werden.
poonal gehört
zur Federación Latinoamericana de Periodistas FELAP.
Erstellung der
Beiträge durch die poonal-Mitgliedsagenturen: